20. Mai 2021 293 Views

Growth oder Value? Die Kluft zwischen den beiden Anlageansätzen

Derzeit ist das Anlageuniversum scheinbar in zwei Lager gespalten. Die entscheidende Frage lautet: Sind Sie ein Qualitäts-/Wachstumsanleger oder ein Substanzanleger? Entweder oder. Sie müssen sich entscheiden.

Müssen die Anleger sich wirklich für eine Seite entscheiden? Gibt es keine Alternative?

Die Geschichte zweier Anlageansätze

Seit dem Einbruch der Zinsen während der globalen Finanzkrise wurde der qualitäts-/ wachstumsbezogene Anlageansatz von verschiedenen Faktoren begünstigt. Diese verstärkten sich in den letzten Jahren zusätzlich, da der Brexit und die Covid-19-Krise die Märkte belasteten. Angesichts der seit Langem extrem niedrigen Zinsen, des zähen globalen Wirtschaftswachstums und des ständig präsenten Risikos konjunktureller Krisen erfuhren Unternehmen mit signifikantem Wachstumspotenzial eine deutliche Neubewertung.

Es handelt sich um eine logische Entwicklung, die allerdings die Ausbildung von Blasen unterstützen kann, wenn sich ein Anlagestil lange Zeit im Aufwind befindet. Dabei verbuchen Aktien, welche die Kriterien von Qualitäts-/Wachstumstiteln erfüllen, naturgemäß einen Großteil der Kapitalzuflüsse. Dies treibt ihre hohen Bewertungen weiter nach oben, sodass sich folglich auch Momentumanleger für diese Werte interessieren.

Zwischenzeitlich hatten substanzorientierte Anleger mit Gegenwind durch wirtschaftliche Verwerfungen zu kämpfen, die zahlreiche traditionelle Geschäftsmodelle und zyklische Branchen betrafen. Eine Reihe von Sektoren erlebt darüber hinaus weitere dramatische strukturelle Veränderungen. So verlagert sich beispielsweise der Einzelhandel von der Fußgängerzone in den Online-Bereich und die Energieversorger müssen Strategien zur Verringerung ihres CO2-Fußabdrucks entwickeln. Für die Anleger in jenen Sektoren verloren traditionelle Bewertungskennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Dividende oder Free-Cashflow-Rendite scheinbar ihre Bedeutung als Ertragstreiber.

Zeit für eine Wende

Doch seit im November 2020 die Entwicklung wirksamer Impfstoffe gemeldet wurde und die langfristigen Zinsen eine Aufwärtsbewegung einleiteten, hat sich das Blatt gewendet. Einige Aktienmarktgewinner der letzten Jahre gerieten ins Straucheln und mussten Abschläge hinnehmen. Unterdes trieben die zuvor vernachlässigten zyklischen Werte die Märkte als Ganzes nach oben. Erleben wir somit derzeit eine fundamentale Wende bei den Spitzenreitern am Markt? Oder handelt es sich lediglich um eine Delle innerhalb des strukturellen Outperformancetrends von Qualitäts-/Wachstumstiteln?

Unserer Meinung nach trifft eine dritte Möglichkeit zu. Nach einer durch besondere Anomalien geprägten Phase, in der einzelne Aktienbewertungen extreme Niveaus erreichten, ist dies möglicherweise die unvermeidliche Korrektur, bevor eine Rückkehr zu einem auf der „guten alten Titelauswahl“ basierenden Anlagestil stattfinden wird.

Die Wirtschaftsdaten und die Unternehmensergebnisse werden in den kommenden Quartalen voraussichtlich zyklische Aktien unterstützen, während wir den langen konjunkturellen Winter des letzten Jahres hinter uns lassen. Jedoch sind Entwicklungen wie eine plötzliche Rückkehr der Zinsen auf 5% unwahrscheinlich. Die Faktoren, die in den letzten zehn Jahren die Inflation in Schach gehalten haben, sind nach wie vor stark, und zudem wird die Covid-Krise auch langfristig ihren Tribut fordern. Demnach dürfte das Trendwachstum innerhalb des nächsten Zyklus nicht viel besser ausfallen als in den 2010er-Jahren.

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