Alles im grünen Bereich?

Die Diskussion darüber, was ein nachhaltiger Investmentfonds ist – und was ein lediglich „grün gewaschener“ Fonds ist – hat sich in den letzten Wochen nochmals verschärft. Parallel dazu bildet sich mit dem FNG-Siegel aber durchaus so etwas wie ein Marktstandard heraus, der von immer mehr Fondsanbietern und -anlegern akzeptiert wird.

Nachhaltiges Investieren wird meist allgemein umschrieben als die Berücksichtigung von Kriterien aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social, Governance = ESG) bei Entscheidungen über Finanzinvestments. Um sich der Frage „Wie nachhaltig ist ein Investmentfonds?“ anzunähern, ist allerdings eine genauere Bestimmung und Bewertung solcher Kriterien erforderlich.

Kein Konsens

Für die Einschätzung und Bewertung der Nachhaltigkeit einer einzelnen Aktie kommen z.B. in Frage: die Geschäftstätigkeit des Unternehmens, seine Geschäftspraktiken, wichtige Einzelaspekte (z.B. seine CO2-Bilanz) oder auch eine umfassende Betrachtung verschiedener E-, S- und G-Kriterien.

Betrachtet man die unterschiedlichen Möglichkeiten zur inhaltlichen Konkretisierung des Begriffs nachhaltiges Investieren, so überrascht es wenig, dass die Frage „Wie nachhaltig ist ein Investmentfonds?“ äußerst kontrovers diskutiert wird. Die Komplexität der zugrundeliegenden realwirtschaftlichen Zusammenhänge, die fehlende regulatorische Klarheit und der große Einfluss von ethisch/normativen Überzeugungen machen das Thema nicht einfacher.

Aber ein sich herausbildender Marktstandard

Auch wenn sich wohl kein genereller Konsens zum Thema nachhaltiges Investieren finden lassen wird, so bildet sich mit dem FNG-Siegel durchaus so etwas wie ein Marktstandard heraus. Das 2001 gegründete Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) ist der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum. Zu seinen Zielen zählt es, die Qualitätsstandards für nachhaltige Anlageprodukte weiterzuentwickeln und beständig zu verbessern. Vor diesem Hintergrund hat der Fachverband das FNG-Siegel als Qualitätsstandard für nachhaltige Investmentfonds entwickelt und 2015 in den Markt eingeführt.

Die von Jahr zu Jahr steigende Zahl an Bewerberfonds für das FNG-Siegel zeigen deutlich, dass die Fondsanbieter die Siegel-Anforderungen immer mehr als Marktstandard akzeptieren. Außerdem bietet das FNG-Siegel Fondsanbietern die Möglichkeit, die Qualität und die Nachhaltigkeitsstandards ihrer Investmentfonds durch einen anspruchsvollen, externen Audit-Prozess gegenüber anderen Marktteilnehmern zu belegen.

Freiraum für eigene Nachhaltigkeitsstrategien

Die konkreten Anforderungen des FNG-Siegels gliedern sich in einen Mindeststandard und ein darüberhinausgehendes Stufenmodell. Der Mindeststandard erfordert verschiedene Transparenzmaßnahmen, eine Nachhaltigkeitsanalyse für alle Portfoliotitel sowie die Einhaltung detaillierter Ausschlusskriterien. Im Stufenmodell gibt es nur wenige spezifische Vorgaben; die Fondsanbieter sollen vielmehr selber eine weitergehende Nachhaltigkeitsstrategie für ihre Fonds formulieren – und natürlich auch nachweisen, wie diese Strategie im Fonds umgesetzt wird.

Das FNG-Siegel bietet insofern sowohl klare Mindest-Anforderungen als auch die Möglichkeit für Fondsanbieter, eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie für einen Fonds zu formulieren, sie nachvollziehbar umzusetzen und über das FNG-Siegel prüfen und zertifizieren zu lassen.

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