MEINUNG A.D. – NFTs: Neue Anlageklasse oder „Affentheater“?

von Axel Daffner, Geschäftsführer Pegasos Capital


Das It-Girl Paris Hilton hat es getan. Der Rapper Snoop Dogg auch. Die American-Football-Legende  Rob Gronkowski ebenso. Und sogar William „Captain Kirk“ Shatner ist dem NFT-Hype erlegen. Beim Non-Fungible Token, kurz NFT, handelt es sich um eine Art digitaler Echtheits- und Eigentumsnachweis respektive Zertifikat. Dabei wird zum Beispiel ein selbsterstelltes Bild oder eine Musikclip auf eine Blockchain hochgeladen. Neben dem initialen Eigentümer werden dort Käufe und Verkäufe dokumentiert. Auf diese Weise erhält das NFT eine einzigartige digitale Signatur, selbst wenn das zugrunde liegende Werk millionenfach reproduziert werden kann. Das NFT bleibt ein Unikat und wird durch die Zertifizierung handelbar gemacht.

Atemberaubendes Marktwachstum

In der Kunstszene sind Non-Fungible Token momentan ultimativ angesagt. Laut der größten NFT-Handelspattform OpenSea sind im August die NFT-Verkäufe auf 1,9 Milliarden US-Dollar nach oben geschossen. Damit ist das Handelsvolumen in den vergangenen Monaten exponentiell gewachsen. Zum Vergleich: Noch im Januar wurden auf OpenSea lediglich acht Millionen Dollar mit den digitalen Zertifikaten umgesetzt. Das rasante Wachstum wird vor allem von der Spekulation angetrieben, dass die Preise durch ein steigendes Interesse aus der Welt der Schönen, Reichen und Promienten noch weiter angeheizt werden.

Allerdings treibt der Boom mittlerweile seltsame Blüten. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wurde Ende August ein NFT mit dem Bild eines Affen-Cartoon auf OpenSea für 39 Ethereum verkauft. Diese Summe entsprach zum Zeitpunkt des Kaufs etwa 124.000 Dollar. Zwei Wochen zuvor war das entsprechende NFT für 22,5 Ethereum und damit lediglich 61.300 Dollar gekauft worden. Im Vergleich zu den „CryptoPunks“ war der Affe ein Schnäppchen. Verschiedene Varianten dieser grob gepixelten Bilder haben schon für mehrere Millionen US-Dollar den Besitzer gewechselt. Für den Unterschied zwischen den einzelnen CryptoPunks sorgt die Veränderung von einem oder mehreren Pixeln.

Kunst versus Klima

Das Problem mit NFTs ist: Die meisten von ihnen werden auf der Ethereum-Blockchain generiert und gespeichert. Und die Ethereum-Blockchain basiert (momentan noch) auf dem Proof-of-Work-Prinzip. Nun ist Proof-of-Work bekanntlich sehr energieaufwendig, sodass in jedem neu erzeugten NFT nicht nur ein wie auch immer geartetes Kunstwerk schlummert, sondern auch ein kleiner Klimakiller. Laut einer Analyse von 18.000 Crypto-Art NFTs durch die Plattform „Memo Akten“ werden für die Erzeugung und dem Handel eines NFTs durchschnittlich 340 Kilowattstunden Strom verschleudert. Das entspricht in etwa der Menge an Strom, den ein EU-Bürger durchschnittlich in etwas mehr als einem Monat verbraucht.

Sind NFTS ein Lotteriespiel?

Die geplante Umstellung der Ethereum-Blockchain auf Proof-of-Stake würde die Klimabilanz schonen. Bei diesem Verfahren treten Validatoren an die Stelle der Miner. Um einen neuen Block zu schöpfen, stellen sie nicht Rechenleistung zur Verfügung, sondern verbürgen sich quasi für die Echtheit. In diesem Verfahren könnten auch Derivate oder NFTs durch die Hinterlegung einer Marge (Stake) erstellt werden.

Trotz der möglichen technologischen Transformation bleibt die Frage, ob und wie lange sich der NFT-Hype hält. Reuters zitiert in diesem Zusammenhang einen Banker, der „verblüfft“ sei über die „blasenhafte Dummheit“ des NFT-Marktes. Er vergleicht den das Segment mit dem Kauf eines Lotterieloses und ist überzeugt davon, dass sich eine Blase gebildet hat, die „sicher“ platzen werde. Abgesehen davon, haben NFTs noch ein anderes Problem. Sie können zwar ein Eigentumsrecht an dem digitalen Abbild eines physischen Objekts verbriefen, aber kein Eigentumsrecht an dem physischen Objekt selbst – auch hier könnte Proof-of-Stake Abhilfe schaffen.

Es bleibt in jedenfalls spannend, in welche Richtung sich diese junge Anlageklasse entwickelt. Wir werden den Prozess für Sie weiterhin mit Argusaugen beobachten und versuchen, die richtigen Investmentschlüsse daraus zu ziehen. Selbst auf den täglichen „Gassi“-Runden mit meinem Hund verfolgt mich dieses Thema. Mir ist dabei die Idee für eine Art Praxistest gekommen. Ich habe auf der Proof of Stake Algorand Blockchain den „Beppocoin“ in der Einheit “Woof” lanciert. Es existiert genau ein einziger Woof und dieser liegt natürlich in meinem Algorand Wallet, wie man im Block Explorer nachsehen kann. Beppo hat sich von dieser Aktion nicht sonderlich beeinflussen lassen – auch nach der Einführung des an ihn angelehnten Coin geht er seine eigenen Wege und folgt mir nur bedingt.


„A.D.“ steht für zwei Dinge: Zum einen für Axel Daffner als Autor, zum anderen für „außer Dienst“, denn es ist meine private Meinung, die nicht notwendigerweise kongruent sein muss, mit der Meinung, die ich als einer der Geschäftsführer von Pegasos Capital vertrete. Dieser Artikel stellt Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar.

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