Pegasos Capital: Zunehmende Bedrohung aus dem Cyberraum

von Axel Daffner, Geschäftsführer Pegasos Capital

„Big Brother is watching you!”, lautet ein berühmter Satz aus George Orwells dystopischen Roman „1984”. Dabei war die totale Überwachung der Bürger durch eine staatliche Obrigkeit schon bei Erscheinen des Werks im Jahr 1949 gang und gäbe. Man denke an die Sowjetunion zu Zeiten Stalins. Eine fragwürdige Perfektion erreichte später die Stasi im Auskundschaften der Menschen. Allerdings war das Ausspionieren damals nur unter enormen personellen Aufwand und dem Einsatz von Millionen von Karteikarten möglich. Heute reichen dafür schon paar Algorithmen und wenige Mausklicks aus. Der „Große Bruder“ im digitalen Zeitalter, das sind Spähprogramme wie Pegasus. In den Medien ist das von der in Israel ansässigen Firma NSO entwickelte Spähprodukt derzeit allgegenwärtig.

Einmal ins Mobiltelefon eingeschleust erlaubt es die Software den Überwachern alles mitzuhören und mitzulesen, auch wenn es sich um verschlüsselte Kommunikation handelt. Zudem kann der Standort des Handys festgestellt und das Mikrofon oder die Kamera angeschaltet werden. Nach Angaben von NSO ist Pegasus entwickelt worden, um kriminelle Vereinigungen wie Drogenkartelle, Mafia-Clans oder Falschgeld-Ringe ins Visier zu nehmen. Doch offensichtlich ist das Programm auch in falsche Hände geraten. Selbst so ein prominenter Staatschef wie der französische Präsident Emmanuel Macron soll über Pegasus schon ausgelauscht worden sein. Zudem warnen Datenschützer, dass autokratische Staaten wie Saudi-Arabien oder Marokko – die offensichtlich zur Kundschaft von NSO zählen – Pegasus nutzen können, die eigene Bevölkerung auszuspähen. Ganz nach George Orwell: „Pegasus is watching you!“

Die Nerven liegen blank

Im Visier von Cyberattacken stehen aber nicht nur einzelne Personen, sondern immer häufiger auch ganze Staaten. Paradebeispiele sind Vorwürfe der USA an Russland, welche die letzte US-Präsidentschaftswahl manipuliert haben sollen. Und nun hat auch China sein Fett abgekommen. Washington wirft dem Reich der Mitte vor, einen großangelegten Hackerangriff gegen Microsoft in Auftrag gegeben zu haben, was Peking natürlich prompt als „unverschämte Kritik“ dementierte. Wie dem auch sei, Cyberangriffen kann ein enormer außenpolitischer Zündstoff innewohnen. Und wer weiß schon, wann das Pulverfass einmal explodiert. Die Nerven liegen offensichtlich bereits blank.

Es wird nur einen Weg geben, um den Bedrohungen aus dem Cyberraum – seien sie gegen einzelne Personen oder ganze Länder gerichtet – gegenzusteuern: Mit massiven Investitionen in die IT-Sicherheit. Auf dem Weg dorthin, sollten auch neue Pfade eingeschlagen werden. Einer führt über die Blockchain. Ihre Zielcharakteristika wie Unveränderbarkeit (nicht manipulierbar), Nachvollziehbarkeit und Dezentralität sowie die starke kryptografische Fundierung können bewiesenermaßen die Sicherheit von IT-Anwendungen deutlich erhöhen. Es wäre daher begrüßenswert, wenn die Entscheider in Politik und Wirtschaft diesen Punkt noch stärker in ihre Sicherheitskonzepte einfließen lassen würden. Bislang fehlt es hier am nötigen Willen und vielleicht auch etwas an Wissen. Es steht viel auf dem Spiel. Es geht um nichts weniger als den Schutz unserer Daten vor der dunklen Seite des Cyberraums.

 

 

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