Europäische Autohersteller – Handelskriege erhöhen Druck auf Anleihen

Ängste vor Handelskriegen beherrschten in jüngster Zeit die Schlagzeilen, aber europäische Automobilhersteller haben auch mit anderen großen Problemen zu kämpfen. Unserer Ansicht nach sollten Anleiheanleger in diesem Sektor Vorsicht walten lassen.

Potenzielle Strafzölle sind eine ernsthafte Bedrohung

Führende europäische Automobilhersteller geraten in das Fadenkreuz der globalen Handelskriege. Es besteht die Sorge, dass die USA dauerhaft Strafzölle auf in der EU hergestellte Automobile erheben könnten. Obwohl wir dies für nicht sehr wahrscheinlich halten, hätte ein solcher Schritt gravierende negative Auswirkungen auf europäische Automobilhersteller. Unserer Einschätzung nach könnten Aston Martin und Jaguar Land Rover am stärksten in Mitleidenschaft gezogen werden, da sie keine Produktionsanlagen in den USA, einem ihrer Schlüsselmärkte, haben. US-Strafzölle könnten auch den Cashflow der größeren EU Hersteller schmälern.

Potenzielle US-Strafzölle gegen Mexiko stellen eine weitere Bedrohung dar. Dies ist ein ebenfalls eher unwahrscheinliches Szenario, und würde deutsche Automobilhersteller, die Montagewerke in Mexiko haben und Fahrzeuge in die USA liefern, nachteilig betreffen. So hat BMW erst am 6. Juni diesen Jahres die erste Fabrik in Mexiko eröffnet. Wir rechnen damit, dass die Risiken in Verbindung mit Zöllen hoch bleiben werden, solange US-Präsident Trump im Amt ist. Diese Unberechenbarkeit bei der Handelspolitik ist ein Problem für alle Unternehmen, die globale Fertigungsstandorte haben, aber die Automobilindustrie ist mit am stärksten betroffen.

Unterdessen sind die Risiken auch in mehreren anderen Bereichen gestiegen. Die Kreditspreads der wichtigsten Automobilunternehmen haben sich in letzter Zeit verengt, nachdem sie sich zu Beginn des Jahres ausgeweitet hatten, weshalb Vorsicht geboten ist. Führende europäische Automobilhersteller werden wahrscheinlich weiterhin mit negativen fundamentalen Schlagzeilen zu verschiedenen zyklischen und langfristigen Themen zu kämpfen haben.

  • Verschärfte europäische Abgasvorschriften –Die Abgasvorschriften in Europa werden 2020/2021 deutlich verschärft, was die Rentabilität aufgrund zusätzlicher Auflagen und einer vorgeschriebenen Mischung aus Hybrid-/Elektrofahrzeugen belasten wird. Es besteht erhebliche Unsicherheit über die Bereitschaft der Kunden, für Fahrzeuge mit geringeren Emissionen und/oder einem geringerem Kraftstoffverbrauch mehr auszugeben. Längerfristig wird sich der Ausblick sogar noch mehr eintrüben, da die Europäische Union kürzlich Vorschriften zur weiteren Reduzierung der Emissionen in den Jahren 2025 und 2030 erlassen hat. Wir befürchten, dass die Regierungen nicht genügend Anreize (Zuckerbrot oder Peitsche) bieten werden, um die notwendige Kundenakzeptanz zu fördern.
  • Schwache Nachfrage in China –Die Nachfrage in China enttäuschte in diesem Jahr und scheint sich in absehbarer Zeit nicht zu erholen. Premiummarken entwickeln sich besser als der Massenmarkt, aber die Tatsache, dass die aktuellen Absatzzahlen deutlich unter den früheren Auftragsvolumen liegen, ist ein Problem.
  • Weiterhin hohes Emissionsvolumen bei Anleihen –Die meisten grossen Automobilhersteller haben unternehmenseigene Finanzierungsgesellschaften, die sich an den Kapitalmärkten finanzieren. Ein Grossteil der Finanzierung erfolgt über relativ kurzfristige unbesicherte Anleihen mit durchschnittlichen Laufzeiten von drei Jahren. Dies führt jedes Jahr zu einem erheblichen Finanzierungsbedarf. Mittelfristig wird das Emissionsvolumen wahrscheinlich steigen. Wir rechnen mit einem Anstieg der Bilanzsumme der Finanzierungsgesellschaften, da die einzelnen Automobilhersteller bestrebt sind, ihre Finanzierungsgesellschaften zu nutzen, um die Akzeptanz von Hybrid- und Elektrofahrzeugen durch erweiterte Leasing-Angebote zu steigern.
  • Bedenken wegen später Phase im Konjunkturzyklus –Da die Absatzvolumen in den USA und Europa einen Höchststand erreicht haben, bestehen Bedenken, dass wir uns bei den Fahrzeugverkäufen in einer späten Phase im Konjunkturzyklus befinden, die möglicherweise in einen breiteren Abschwung mündet. Während wir in unserem Basisszenario von einer allmählichen Verringerung der Volumen in den nächsten Jahren ausgehen, befürchten wir, dass eine wirtschaftliche Erschütterung zu einer unerwartet drastischen Verschlechterung der Absätze und geringeren Margen führen könnte.

Angesichts dieser geballten Ladung von Negativfaktoren und der verbesserten Anleihenbewertungen sehen wir nicht viel Spielraum für eine weitere Spreadverengung. Und in Anbetracht des Abwärtspotenzials durch einen ernsthaften Handelskrieg sind die Risiken für Anleihenanleger in dem Sektor unserer Ansicht nach deutlich gestiegen.

Robert Schwartz ist Research Analyst – Corporate Credit bei AllianceBernstein

Jorgen Kjaersgaard ist Co-Head of European Fixed Income und Director-European Credit bei AllianceBernstein


In diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Analysen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar, spiegeln nicht unbedingt die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider und können von Zeit zu Zeit überarbeitet werden. AllianceBernstein Limited ist von der Financial Conduct Authority im Vereinigten Königreich zugelassen und wird durch diese Behörde reguliert. IC2019581

 

Zurück Drescher & Cie Kapitalmarkt-Update | Juli 2019
Nächste Zeit für weniger Risiko