Kapitalmarktbrief November: Es wird Herbst

Der Herbst scheint nicht nur wetterbedingt Einzug zu halten, sondern auch die zahlreichen politischen Risiken in Kombination mit den immer stärker auf die Realwirtschaft durchschlagenden negativen Auswirkungen der protektionistischen US-Handelspolitik haben an den internationalen Kapitalmärkten für dunklere Wolken bzw. Windböen (erhöhte Volatilität) gesorgt. Im Detail:

  1. Konjunkturaussichten: War 2017 noch geprägt durch einen synchronen Aufschwung der globalen Konjunktur, ist das Bild in den letzten Monaten deutlich heterogener geworden. Während sich die spätzyklische Konjunkturphase der Weltwirtschaft mit Wachstum leicht über Potenzial und graduell steigender Inflation fortgesetzt – so dass auch die geldpolitische Normalisierung der großen Notenbanken weiter voranschreitet –, reichen (geo-)politische Be-lastungsfaktoren von dem schwelenden US-geführten Handelskonflikt bis zu einem möglicher-weise ungeordneten „Brexit“. So sind zuletzt die Abwärtsrisiken für das zugrundeliegende „fragile Goldilocks“-Umfeld vor dem Hintergrund eines nachlassenden Konjunkturmomentums sowie anhaltender Wachstumsdivergenzen deutlich gestiegen, trotz robuster US-Indikatoren.
  2. Italien: Nicht zuletzt das verhaltene Wachstum, sondern vor allem die Diskussionen um das italienische Haushaltsdefizit zwischen Rom und Brüssel sorgen an den Finanzmärkten weiter für Nervosität, wonach Italien seine Neuverschuldung entgegen der Vorgaben der Europäischen Union (EU) auf 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung ausweiten will. Die avisierte Fiskalpolitik würde nur einen temporären Wachstumsimpuls auslösen, der überdies kleiner ausfallen dürfte als angekündigt. So wurden Zweifel an der Tragfähigkeit der Staatsverschuldung Italiens lauter, so dass die Risikoprämien zwischen 10-jährigen italienischen und deutschen Staatsanleihen auf zuletzt über 3 % anstiegen – der höchste Stand seit Q1 2014 –, nicht zuletzt auch auf der Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes um eine Stufe auf „Baa3″ seitens der Ratingagentur Moody’s.
  3. Berichtssaison: Diese könnte mit Blick auf die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten das Zünglein an der Waage sein, denn Anleger dürften sich dafür interessieren, ob und wie fern sich die Verschlechterung der globalen Handelsbeziehungen auf die Unternehmensgewinne ausgewirkt hat. Selbst in den USA haben sich einige Unternehmen wegen steigender Importkosten und niedrigerer Auslandsabsätze besorgt geäußert. Dies ist insofern von Bedeutung, als die Unternehmensgewinne im vergangenen Jahr ein entscheidender Treiber für die Entwicklung der US-Aktienkurse waren.

Unsicherheiten dürften daher immer wieder für Volatilitäten sorgen, so dass sich der November eher von einer herbstlichen Seite zeigen könnte, insbesondere dann, wenn sich die verbundene Ungewissheit auf längere Sicht auch auf die Unternehmensstimmung durchschlagen sollte.

 

 

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