26. Juni 2018 762 Views

AXA IM aktuell: Die Volatilität an den Anleihemärkten bietet auch Chancen

Was die Finanzmärkte angeht, ist 2018 absolut anders als die Vorjahre: Die Volatilität ist zurück – insbesondere am Aktienmarkt, aber auch Anleihen waren zuletzt betroffen. Hinzu kommen die derzeit nicht gerade ermutigenden US-Konjunkturdaten. Im ersten Quartal 2018 ist das BIP-Wachstum auf 2,2 Prozent jährlich zurückgegangen – nach 2,9 Prozent im letzten Quartal 2017.[1] „Aber das ist nicht die ganze Geschichte“, erklärt Carl „Pepper“ Whitbeck, Fondsmanager der AXA-IM-Strategie US Short Duration High Yield Bonds. „Nach wie vor wächst die weltweit größte Volkswirtschaft stabil. Und weil in den ersten drei Monaten eines Jahres häufig das schlechte Wetter die Wirtschaft belastet, könnten die Zahlen für das zweite Quartal besser ausfallen.“

Die US-Notenbank Fed hatte die Leitzinsen zuletzt wie erwartet um einen Viertel-Prozentpunkt auf 1,75 bis 2 Prozent angehoben. Marktbeobachter rechnen mit weiteren Erhöhungen.[2] „Interessant war in diesem Zusammenhang eine Aussage von Fed-Chef Jerome Powell, der zufolge sich die Wirtschaft in einem sehr guten Zustand befindet“, so Whitbeck.[3] Auch die Unternehmensgewinne seien im ersten Quartal 2018 überraschend hoch gewesen. Die meisten Unternehmen hätten die Erwartungen der Analysten übertroffen.[4] In diesem und im nächsten Jahr dürften zudem die Steuersenkungen die Wirtschaft beflügeln und dazu beitragen, dass der aktuelle Konjunkturzyklus weiter anhält, so der Experte weiter.

Dennoch sei längst nicht alles perfekt. So habe der Verbraucherpreisindex, der die Inflation anzeigt, im Mai bei 2,8 Prozent gelegen, also deutlich über der Zielmarke der Fed von 2 Prozent. [5] Whitbeck warnt zudem davor, dass auch der sogenannte Handelskrieg zwischen den USA und anderen Regionen der Welt im Falle einer Eskalation Folgen für die US-Wirtschaft haben könnte. Und: „Ein weiterer Anstieg der Inflation in diesem Jahr wäre ein Risiko für Credit-Spreads und Aktienbewertungen, was wiederum Auswirkungen auf High Yield hätte“, so Whitbeck. „All dies und weitere Faktoren machen der Fed möglicherweise Lust auf eine restriktive Geldpolitik. Es ist zwar noch unsicher, wie oft sie die Zinsen in diesem Jahr anheben wird, aber eines ist klar: Die Zinsen werden steigen.“

Bei all dem dürften Investoren aber nicht vergessen, dass der wichtigste Grund für den Anstieg die gute Lage der Wirtschaft sei. „Davon dürften die Unternehmen und grundsätzlich auch Unternehmensanleihen profitieren. Dennoch gehe ich davon aus, dass die Märkte noch einige Zeit volatil bleiben und viele Investoren deshalb nicht bereit sind, gerade jetzt hohe Risiken einzugehen“, sagt der Experte.

Die Volatilität bietet auch Chancen

Ein Vorteil der Volatilität sei, dass sie für neue Chancen und günstigere Bewertungen sorgen könne. Whitbeck geht daher konstruktiv mit der herausfordernden Lage um: „Wir halten Ausschau nach Anlagemöglichkeiten in vielen Sektoren, beispielsweise Gesundheit und Technologie. Aber ein Sektor scheint zurzeit weniger risikoreich zu sein als noch am Anfang des Jahres: Öl.“ Die Förderung in den USA steige zwar, aber die OPEC habe ihre Fördermengenkürzungen diszipliniert eingehalten – disziplinierter als früher. Hinzu komme, dass sich die USA aus dem Iran-Atomabkommen zurückgezogen habe und Venezuela weniger Öl fördere. „All dies hat beim Ölpreis für so etwas wie eine Risikoprämie gesorgt“, erläutert Whitbeck. „Aus meiner Sicht wird das noch eine Weile so bleiben, und ich halte die aktuellen 68 US-Dollar je Barrel WTI für ein gutes und rentables Niveau für US-Ölunternehmen.“[6]

In diesem unsicheren Umfeld können kurzlaufende High-Yield-Anleihen Whitbeck zufolge eine interessante Alternative sein: „Wir meinen, dass unsere US-Short-Duration-High-Yield-Strategie mit einer durchschnittlichen Yield to Worst von etwa 4,9 Prozent zum 31. Mai 2018 wettbewerbsfähigere laufende Erträge bietet als die meisten anderen verzinslichen Anlagen.“ In der Regel hätten High-Yield-Anleihen zudem in einem Umfeld steigender Zinsen besser abgeschnitten, weil ihre Duration kürzer sei als die der meisten anderen festverzinslichen Assetklassen. „Das liegt daran, dass sie meist vorzeitig rückzahlbar sind. Eine Garantie gibt es aber natürlich nicht“, so Whitbeck. Außerdem würden Anleihen mit kurzer Duration ständig refinanziert und von ihren Emittenten regelmäßig vom Markt genommen. „Selbst wenn wir nichts tun, erhalten wir jeden Monat üblicherweise 4 bis 6 Prozent Rückflüsse, die wir bei steigenden Zinsen in Papiere mit höheren Renditen reinvestieren können“, erläutert der Experte.

[1] US-Handelsministerium: https://www.bea.gov/newsreleases/national/gdp/gdpnewsrelease.htm

[2] US Federal Reserve, 13. Juni: https://www.federalreserve.gov/newsevents/pressreleases/monetary20180613a.htm

[3] CNN, 13. Juni 2018

[4] Thomson Reuters: http://lipperalpha.financial.thomsonreuters.com/2018/05/sp-500-17q1-earnings-dashboard/

[5] US Federal Reserve: https://www.federalreserve.gov/newsevents/pressreleases/monetary20180502a.htm

[6] Bloomberg, 26.06.2018

Link zum Fondscenter: https://banken.axa-im.de/de/fund-centre/-/funds-center/axa-wf-us-dynamic-high-yield-bonds-a-usd-acc-51688

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