Das fundamentale Umfeld für Risikoassets bleibt günstig – trotz der bereits sichtbaren Auswüchsen an den Finanzmärkten

Rücksetzer sind Kaufgelegenheiten

Mittlerweile sorgen gleich mehrere Entwicklungen an den Finanzmärkten für Unruhe und Stirnrunzeln. Da wäre zum einen der Hype um Kryptowährungen zu nennen. Wer vor einem Jahr auf Bitcoin gesetzt hatte, musste zuletzt zwar eine Achterbahnfahrt miterleben, kann sich aber immer noch an Kursgewinnen von über 500% erfreuen. Derweil warnen nach wie vor zahlreiche Experten vor einem Totalausfall. Weitere Hinweise für Übertreibungen sind die kräftige Zunahme an Börsengängen, die wachsenden Fusionsaktivitäten, die niedrigen Put-Call-Verhältnisse und die hohe Überzeichnungsquote bei Bondemissionen – selbst 100 jährige Laufzeiten finden reissenden Absatz.

In der vergangenen Woche traten dann die US-Kleinanleger ins Rampenlicht. In einer konzertierten Aktion trieben sie die Aktie des Computerspielehändlers GameStop in schwindelerregende Höhen, um dadurch Short-Seller unter Druck zu setzen. Diese sahen sich nicht nur gezwungen, ihre Positionen glattzustellen, sondern überdies andere Aktienpakete zu verkaufen, um an Liquidität zu kommen. Das hat für Verunsicherung gesorgt und die Börsenkorrektur der vergangenen Tage zusätzlich befeuert.

Können durch derartige Aktionen die Aktienmärkte dauerhaft destabilisiert werden? Der Flashmob der Kleinanleger hat bereits ein Opfer gefunden: der Hedgefonds Melvin Capital hat nach Medienberichten 53% seines Kapitals verloren und konnte nur durch die Unterstützung anderer Hedgefonds gerettet werden. Beim nächsten Mal könnte es einen noch gewichtigeren Akteur treffen. Erinnerungen an die LTCM-Krise von 1998 werden wach.

Wir gehen davon aus, dass das Ganze nicht so weitreichende Konsequenzen hat. Die Aktien, die derzeit im Brennpunkt stehen (GameStop & Co.), weisen nur einen verschwindend geringen Anteil am Gesamtmarkt auf (gemessen an der Marktkapitalisierung < 0,1%). Überdies wird derzeit vergleichsweise wenig auf sinkende Kurse spekuliert. Nach Berechnungen von Banken sind die Short-Positionen so gering wie seit 20 Jahren nicht mehr. Ausserdem dürfte bei vielen Retail-Anlegern nach der ersten Siegesfreude bald Ernüchterung einkehren. Früher oder später werden sie realisieren, dass sie auf einem Berg an Aktien sitzen, die fundamental kaum einen Wert haben.

Alles in allem bleiben wir kurz- und mittelfristig zuversichtlich für die globalen Aktienmärkte – trotz der genannten Übertreibungen. Der konjunkturelle Ausblick für die kommenden Quartale ist einfach zu vielversprechend. Die Impfkampagne dürfte in den nächsten Wochen an Geschwindigkeit gewinnen und damit die Pandemie zurückdrängen. Gleichzeitig sitzen die Konsumenten in den entwickelten Volkswirtschaften auf grossen Sparrücklagen. Ab dem Frühjahr sollte es daher zu einer kräftigen weltwirtschaftlichen Belebung kommen. Aktuelle Rückschläge an den Aktienmärkten dürften sich über kurz oder lang als Kaufgelegenheiten erweisen.

Das bedeutet aber nicht, dass die Auswüchse bei Kryptowährungen, Börsengängen oder Retail-Investments nicht irgendwann zu Schwierigkeiten führen. Wenn sich die Wirtschaft wieder normalisiert hat, werden die Notenbanken reagieren und den Fuss vom Gas nehmen. Damit dürfte aber vielen Investments zugleich die Luft abgeschnürt werden. Spätestens im kommenden Jahr wird das Umfeld für Risikoassets daher rauer.

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