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Donald Trump lag in der letzten Woche recht viel daran, dass die Welt zur Kenntnis nimmt, wie ernst er es mit seinen Strafzöllen gegen chinesische Importe meint. Nachdem sein neuer Wirtschaftsberater Larry Kudlow zwischenzeitlich vor laufenden Kameras in Aussicht gestellt hatte, dass die Zölle unter Umständen gar nicht in Kraft treten würden, legte der US-Präsident kurze Zeit später mit der Forderung nach weiteren Zöllen auf chinesische Importe nach. China hatte zuvor erklärt, die ursprünglichen Maßnahmen der US-Regierung vergelten zu wollen. Da die gegenseitigen Strafabgaben aber wohl ohnehin frühestens im Juni in Kraft treten, ist nicht auszuschließen, dass es Trumps Strategie ist, bis dahin eine möglichst schmerzhafte Drohkulisse aufzubauen, um Peking erst an den Verhandlungstisch und dann dort zu Zugeständnissen zu zwingen.

Obwohl Chinas Wirtschaft immer stärker vom Binnenkonsum getragen wird, ist das Land nach wie vor extrem von den Exporten in die westliche Welt und vor allem in die USA abhängig. So stark Chinas Position innerhalb eines Handelskrieges mit den USA auch sein mag – das Interesse in Peking, einen solchen Krieg gar nicht erst entstehen zu lassen, dürfte sehr groß sein. Denn selbst bei einem chinesischen „Sieg“ (wie auch immer dieser aussehen mag) ist eben genau jener Wohlstand gefährdet, der das zentralistisch gesteuerte System am Leben erhält. Die Klage der Chinesen gegen die geplanten US-Maßnahmen, die in den letzten Tagen bei der WTO einging, konnte da schon fast als ein erstes Signal der Verzweiflung interpretiert werden.

Es ist nicht auszuschließen, dass Trumps Plan letztlich aufgeht und die Chinesen einer etwas stärkeren Öffnung ihr Wirtschaft und einer Erleichterung ausländischer Direktinvestitionen genauso zustimmen wie höheren Importen aus den USA (und womöglich auch geringeren Zöllen auf US-Produkte). Trump könnte sich in diesem Szenario als Sieger in der Auseinandersetzung feiern lassen. Viel wichtiger aber aus Sicht der Wirtschaft und der Finanzmärkte: Ein ausgewachsener globaler Handelskrieg wäre im Optimalfall kein Thema mehr. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg und die Gefahr einer Eskalation ist Stand heute alles andere als gebannt.

Was bedeutet das für Anleger?

Die Märkte haben das Auf und Ab in der Auseinandersetzung zwischen Washington und Peking fast eins zu eins nachvollzogen. Andere Themen, wie etwa die weiter sehr schwierige Regierungsbildung in Italien wurden hingegen fast gänzlich ausgeblendet. Nach den Kommentaren von Trumps Wirtschaftsberater Kudlow keimte Hoffnung auf, die gegen Ende der Woche aus dem Weißen Haus jäh zunichte gemacht wurde.

Während die Volatilität an den Märkten nach wie vor deutlich oberhalb der Niveaus aus dem Vorjahr liegt, hält sich unter den Anlegern dennoch so etwas wie Hoffnung, dass Trump und Xi es mit einem Handelskrieg doch nicht so wirklich ernst meinen und es am Ende zu einer Verhandlungslösung kommt. Abzulesen ist diese Hoffnung unter anderem an der weiterhin bemerkenswerten Wertentwicklung von Risikoaktiva aus den Schwellenländern. Im ersten Quartal dieses Jahres flossen in Aktienfonds aus den Emerging Markets mit 43 Milliarden US-Dollar bereits doppelt so viele Mittel wie zur gleichen Zeit in den vergangenen Jahren. Zum Vergleich: Aktienfonds aus den Industrieländern verzeichneten seit Jahresbeginn gerade einmal Zuflüsse in Höhe von knapp 26 Milliarden US-Dollar. Obwohl derartige Kapitalströme eher nachlaufende Indikatoren sind, lässt sich festhalten: Panik sieht anders aus.

Neben einem trotz „Quantitative Tightening“ in den USA und rekordhohen Transatlantikspreads eher schwachen US-Dollar, dürfte die Stärke der Schwellenländer insbesondere mit der robusten Wirtschaftsentwicklung vor Ort zusammenhängen. Aber machen wir uns nichts vor: Sollte sich die Hoffnung auf eine Beruhigung der Lage zwischen Washington und Peking als Trugschluss erweisen, wären die Schwellenländer das schwächste Glied in der Kette.

Abseits des Schlagabtauschs in punkto Handelskrieg wird der Markt in dieser Woche wohl ein besonderes Augenmerk auf die US-Inflationsentwicklung sowie die Federal Reserve werfen. Die Inflationszahlen für den Monat März werden wohl erstmals seit Frühjahr 2017 mit einer Kerninflationsrate von über zwei Prozent aufwarten und die Veröffentlichung des Protokolls der US-Notenbank dürfte Anlegern klarer vermitteln, wie der zukünftige Zinspfad der US-Geldpolitik aussehen könnte.

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