BlackRock Redaktion | Auge um Auge – Zahn und Zahn

Blog-Beitrag vom 09. April 2018

Monatsrückblick März: Sorgen vor einem globalen Handelskrieg haben die Finanzmärkte im März enorm durchgeschüttelt. Die Aktienmärkte in den USA und in Europa erlitten nach einem schwachen Februar im März abermals spürbare Verluste, sodass auch das erste Quartal insgesamt mit einem negativen Vorzeichen zu Ende ging. Investoren haben augenscheinlich verstanden, dass die Spannungen, die sich vordergründig zwischen China und den USA zeigen, letztlich viel weitreichendere ökonomische Implikationen hätten. Aufgrund der heutzutage global hochgradig integrierten Wertschöpfungsketten sind quasi alle Länder, die sich stark am Welthandel beteiligen, von den Handelsspannungen betroffen. .

Schaut man sich etwa die chinesischen Exporte in die USA im Bereich des verarbeitenden Gewerbes an, stellt man fest, dass sich rund die Hälfte der Ausfuhren wiederum aus vorherigen Importen aus anderen Ländern zusammensetzt. So exportieren beispielsweise Deutschland und Japan recht viele Vorerzeugnisse nach China. Diese finden dann über das Reich der Mitte unter anderem den Weg in die USA. Wird also der Handel zwischen China und den USA belastet, ist das nicht ausschließlich ein Thema für diese beiden Länder. Die Fertigungsketten in den USA sind hingegen viel stärker auf die USA selbst konzentriert, sodass chinesische Zölle auf US-Einfuhren die USA stärker treffen als umgekehrt.

Die gute Nachricht lautet, dass die bisher beschlossenen Maßnahmen der USA (und die Gegenmaßnahmen Chinas) in Form von höheren Handelszöllen auf ausgewählte Güter für sich genommen noch keine signifikante Friktion des Welthandels darstellen. Die Gefahr liegt vielmehr in einer Eskalation der Situation – das Potenzial hierfür wäre rein theoretisch vorhanden. Allerdings folgt die Verhandlungstaktik Trumps bislang einem klaren Schema: auf schlagzeilenträchtige Ankündigungen folgen Kompromisse und schmale Implementierungen. So sind etwa wichtige Handelspartner der USA (Kanada und Mexiko) von den Zöllen ausgenommen, obwohl Trump im Vorfeld auch gegen diese Staaten eine scharfe Rhetorik fuhr.

Wir bei BlackRock glauben nicht an eine dramatische Eskalation der Lage. Da ein Handelskrieg das chinesische Wachstumsmodell stark gefährden würde, dürfte China letztlich viel an einer diplomatischen Lösung gelegen sein. Selbst, wenn diese mit Zugeständnissen in Richtung der USA einherginge. Neben einer Reduzierung der chinesischen Importzölle wird Peking wohl nicht um eine Lockerung der Beschränkungen für ausländische Direktinvestitionen umhinkommen. Derartige Maßnahmen könnten Trump dazu veranlassen, sich selbst als Sieger des Handelskrieges zu erklären. Die Finanzmärkte würden wohl dennoch beruhigt reagieren, da sich der US-Präsident dann wohl von dieser „Baustelle“ abwenden dürfte.

Ganz grundsätzlich hat das erste Quartal des Jahres 2018 gezeigt, dass es mit der Ruhe an den Märkten allerdings nicht mehr so weit her ist. Das „Goldilocks-Umfeld“ mit niedriger Inflation und robustem Wachstum ist steigenden Inflationserwartungen und erhöhten Rezessionssorgen gewichen. Die flachste US-Zinskurve seit 2007 ist ein Ausdruck dessen. Gleichzeitig werden die positiven Überraschungen von der Makrofront weniger. Je näher wir dem Ende des Zyklus kommen, desto unruhiger wird ganz offensichtlich die Fahrt. Daran werden wir uns gewöhnen müssen. An unserer strategischen Ausrichtung zugunsten von Aktien halten wir dennoch bis auf weiteres fest, da das fundamentale Umfeld weiterhin äußerst robust ist – das sollte man bei aller Unruhe nicht vergessen.

 

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