7. März 2018 563 Views

BlackRock Redaktion | Monatsbilanz Februar 2018: Zu schön, um wahr zu sein?

Blog-Beitrag vom 05. März 2018

Um fast vier Prozent ging es auf den Aktienmärkten in Europa, Japan und den USA im Monat Februar abwärts.

Einen derart starken Rücksetzer haben wir das letzte Mal im Januar 2016 erlebt. Damals sorgten sich die Marktteilnehmer um eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft. Diese blieb jedoch aus und die globale Aktienkursentwicklung im Nachgang konnte sich durchaus sehen lassen.

Anstelle von China war es im Februar 2018 die Sorge vor steigenden Zinsen, welche die Anleger umtrieb. Streng genommen war es sogar ein ganzer Sorgenkomplex, der die Risikofreude des Vorjahres trübte. Denn neben der Sorge vor steigenden Zinsen ist da vor allem die Furcht, dass der globale wirtschaftliche Aufschwung langsam aber sicher auf die Zielgerade einbiegt.

Hier richtet sich der Blick insbesondere auf die USA, die trotz einer immer stärker multipolaren Welt nach wie vor den globalen Taktgeber darstellen. Weiterhin gilt das Ökonomen-Mantra: Husten die USA, bekommt die Welt einen Schnupfen.

Mit der Verabschiedung der Steuerreform und der geplanten Erhöhung der Staatsausgaben scheint die Rezessionsgefahr bei Uncle Sam kurzfristig gebannt. Dieses Jahr werden die USA wohl um über fünf Prozent nominal wachsen. Ein Problem ist jedoch, dass eine mögliche Überhitzung der US-Volkswirtschaft die US-Notenbank auf den Plan rufen würde. Von einer Überhitzung spricht man, wenn das tatsächliche Wirtschaftswachstum deutlich höher ausfällt als das sogenannte Potenzialwachstum. Jay Powell deutete auf seiner ersten Rede als neuer Fed-Chef vorm US-Kongress Ende Februar an, dass er einer heiß laufenden US-Wirtschaft entschieden entgegenwirken wirken würde – was den Aktienmärkten so gar nicht schmeckte. Ein Szenario für 2018 mit vier Zinsanhebungen im März, Juni, September und Dezember wird immer wahrscheinlicher. Ein zweites Problem ist, dass eine überhitzende US-Volkswirtschaft quasi per Definition schneller das Ende des zyklischen Aufschwungs erreicht – und somit rückt auch der nächste wirtschaftliche Abschwung theoretisch näher. Diesen fürchten die Märkte wie der Teufel das Weihwasser.

Die alles entscheidenden Fragen – gerade aus Anlegersicht – lauten also derzeit: Kommt es zu einer Überhitzung der US-Wirtschaft? Beziehungsweise: Wie lang ist die verbleibende Lebenszeit des Aufschwungs? Aus unserer Sicht muss zur Beantwortung dieser Fragen der Blick vornehmlich auf die US-Unternehmen gerichtet werden und speziell darauf, was die Firmen dort mit dem warmen Geldregen anstellen, der ihnen Dank der Steuerreform zukommt. Investieren die Unternehmen das Geld in Forschung, Entwicklung, Maschinen und Technologie erhöht sich das Potenzialwachstum in den USA. Die Lücke zwischen Potenzialwachstum und dem aktuellen tatsächlichem (hohen) Wachstum wird kleiner. Dementsprechend sinken die Gefahren einer Überhitzung und somit auch die eines verfrühten Endes des Zyklus. Sollten die Firmen das Geld hingegen zu einem Großteil in Aktienrückkäufe oder andere aktionärsfreundliche Sofortmaßnahmen stecken, könnte in der Tat eine Überhitzung der Wirtschaft drohen und die verbleibende Lebenszeit des US-Aufschwungs wäre womöglich kürzer als zwei Jahre.

Die Wahrheit dürfte wie so oft vermutlich irgendwo in der Mitte liegen, sodass immer noch von einer „Zyklus-Restlaufzeit“ von zwei bis drei Jahren ausgegangen werden kann. Da Aktienmärkte Rezessionen in der Regel mit etwa zwei bis drei Quartalen Vorlauf vorwegnehmen, bleibt den Anlegern an den Aktienmärkten durchaus noch Zeit, die derzeitige Welle starken Wachstums zu reiten. Gerade, wenn die politischen Stolpersteine in Deutschland und Italien Anfang März aus dem Weg geräumt sind, spricht wenig gegen eine Wiederaufnahme der Aktienhausse.

 

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