Innovativ und nachhaltig? Das Beste in Emerging Markets finden
23. Juni 2021 189 Views

Innovativ und nachhaltig? Das Beste in Emerging Markets finden

Portfoliomanager Gokce Bulut investiert seit Jahren in Schwellenmärkte. Heute teilt er Einblicke in die riesige Innovation, die dort stattfindet, sowie in die Wachstumstrends, die es zu beobachten gilt – und was Unternehmen in Schwellenmärkten von anderen unterscheidet.

Emerging Markets – stärker erholt als zuvor?

Die Auswirkungen von COVID-19 waren einschneidend. Aber in Schwellenländern (Emerging Markets, EM) waren sie vor allem ungleichmäßig. Während sich China, Taiwan und Südkorea aufgrund ihrer Erfahrung mit SARS relativ schnell erholt haben, hatten andere Regionen wie Brasilien, die Philippinen, Indien und Südafrika unter anderem schwer mit unzureichender Infrastruktur zu kämpfen. Wir haben diese Gelegenheit genutzt, um in unseren Strategien unsere High-Conviction Positionen zu erhöhen – Unternehmen mit starken sozialen Zielen, die einen Beitrag zu ihren Gesellschaften leisten.

Wir haben uns zudem auf säkulare Trends konzentriert, die schon vor der Pandemie wuchsen und die sich jetzt noch weiter beschleunigen werden, ob mit oder ohne Virus. Zum Beispiel ist der Halbleiterbereich ein attraktiver Bereich für EM-Investitionen, insbesondere da immer mehr Menschen von zu Hause arbeiten. Diese Verschiebung vom Büro ins Heim hat mehr Computer und Geräte erforderlich gemacht, und Online-Kommunikation und E-Commerce sind im letzten Jahr massiv gewachsen.

Wichtig ist auch, dass wir trotz strenger Restriktionen eine unglaubliche Menge an menschlichem Einfallsreichtum in Schwellenländern gesehen haben, mit innovativen Unternehmen, die von ihrer Fähigkeit profitieren, flexibel zu bleiben. Es sind ganze Bereiche mit neuem Umsatzwachstum entstanden, die es vor vier Jahren in den Regionen noch nicht gab, von der Automatisierung bis zur Telemedizin. Auch wenn es kurzfristig zu höherer Volatilität kommen kann, gibt es viele Unternehmen, die unabhängig von den COVID-Auswirkungen profitieren werden und sich zu global wettbewerbsfähigen Unternehmen entwickeln – spannende Möglichkeiten für Investoren!

Maximierung der Rendite

Ein Beispiel aus unserer Responsible Global Emerging Markets Strategie ist Raia Drogasil, ein etablierter Apothekenvertrieb in Brasilien. Während das Geschäftsmodell aufgrund der anhaltenden Nachfrage nach Medikamentenvertrieb solide ist, hat sich das Unternehmen auf Wellness und Gesundheit eingestellt und bietet aufgrund der Überlastung der örtlichen Krankenhäuser sogar Online-Arztkonsultationen an. Raia nimmt seine soziale Verantwortung ernst und stellt sich den gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Apothekenkette hat ihre soziale Betriebslizenz erweitert, indem sie ihren Stakeholdern (Verbrauchern und Gesundheitsdienstleistern) in Zeiten der Not mehr Dienstleistungen anbietet. Dies wird sich in den kommenden Jahren wahrscheinlich in der Gewinngenerierung für Aktionäre niederschlagen.

Ein wichtiger Teil unseres verantwortungsvollen Investmentansatzes – und unserer High-Conviction Holdings – ist die detaillierte Expertise, die wir mitbringen. Verantwortliches Investieren ist für uns kein Trend. Wir investieren schon seit über 35 Jahren nachhaltig und verantwortlich, und seit mehr als einem Jahrzehnt wenden wir diese Philosophie auch in den Schwellenländern an. Die Einbeziehung von ESG-Faktoren in unseren Anlageprozess und unsere Entscheidungsfindung bedeutet auch, dass wir echte aktive Investoren sind und uns nicht von der Benchmark beeinflussen lassen.

Es zeigt sich immer wieder, dass ESG-Faktoren Wertschöpfung vorantreiben und künftige Risiken erheblich mindern. Das ist entscheidend, denn wir sind nicht nur auf dem Papier langfristig orientiert: Vier unserer fünf Top-Holdings sind seit mehr als acht Jahren in unserem Portfolio. Wir haben uns aus Gründen der Corporate Governance gegen Investitionen in Unternehmen wie Alibaba und Samsung entschieden, weil wir letztlich Qualitätsinvestoren sind, die an Partnerschaften mit Eigentümern glauben, denen wir vertrauen können. Vertrauen entsteht durch langjährige Gespräche mit wichtigen Stakeholdern sowie durch historische und Hintergrundanalysen der wichtigsten Entscheidungsträger, um diese zu verstehen und eine Übereinstimmung zu gewährleisten. Um unseren Ansatz aufrechtzuerhalten, suchen wir nach starken, Cashflow-generierenden Unternehmen mit einem höheren sozialen Zweck, die ein Produkt oder eine Dienstleistung anbieten, welche am Ende des Tages Wert darstellen – mit der Fähigkeit, diesen Wert über die Zeit zu steigern.

Unser Ziel ist es, Unternehmen zu identifizieren, die über ein starkes Umwelt- und Sozialmanagement verfügen, ihr Finanzkapital klug einsetzen und im Idealfall Produkte und Dienstleistungen anbieten, die das langfristige soziale, wirtschaftliche und persönliche Wohlergehen der aufstrebenden Verbraucherbasis fördern.

Geschichte studieren: erprobt, bewährt und wahr

Während Schwellenländer voller Anlagechancen sind, sind sie auch mit Risiken verbunden – von denen einige nicht voraussehbar sind, wie z. B. COVID-19. Das erfordert umfassende Risikomanagementprozesse und detaillierte historische Analysen, um sicherzustellen, dass die Unternehmen, in die wir investieren, nicht nur frühere Krisen erfolgreich überstanden haben, sondern auch über Preismacht verfügen und eine Dienstleistung oder ein Produkt anbieten, welches die Nachfrage ankurbelt.

Ein Anleger kann in Schwellenländern leicht Kapital verlieren, wenn das jeweilige Unternehmen stark fremdfinanziert ist und wir sehen immer wieder Beispiele von Firmen, die lokale Währungen durch den Erwerb von US-Dollar-Schulden erwirtschaften, was schwierig wird, wenn ihr Geschäftsmodell schwach ist. Deshalb zielen wir auf Beteiligungen mit einer starken Bilanz ab, die über ein Cash-Polster verfügen, falls die Märkte die Richtung ändern. Eine unserer Beteiligungen, die indische HDFC Bank, wurde beispielsweise über viele verschiedene Zyklen hinweg getestet, und jedes Mal wird sie widerstandsfähiger und profitiert von ihren Kreditentscheidungen. Die Privatbank ist außerdem so positioniert, dass sie von der wachsenden Mittelschicht des Landes und dem zunehmenden Zugang zu und der Nachfrage nach formalisierten Bankgeschäften profitieren kann.

In Bezug auf andere Kriterien suchen wir nach Unternehmen, die in erster Linie in strukturellen Wachstumsbereichen tätig sind, in denen die Produktdurchdringung relativ gering ist, aber die Akzeptanz steigt. Dabei kann es sich um ein einfaches Produkt wie Zahnpasta handeln oder auch um das Konzept der finanziellen Inklusion, bei dem Menschen in halbstädtischen bis ländlichen Gebieten aufgrund ihrer zunehmenden Ersparnisse ihren Lebensstil verbessern, investieren und Kredite aufnehmen wollen. Finanzinstitute, die den Zugang auf eine faire und klare Weise ermöglichen, werden langfristig die Gewinner sein.

Wir sind zudem äußerst vorsichtig bei Investitionen in staatliche Unternehmen, überprüfen dort die Ausrichtung der Interessen und forschen nach, wie sie in der Vergangenheit mit schwierigen Zeiten umgegangen sind. Das ist zwar keine perfekte Lösung, aber ein zuverlässiger Indikator dafür, wie sie sich in der nächsten Krise verhalten werden und ob die Interessen von Minderheiten bei wichtigen Entscheidungen berücksichtigt werden.

Wo wir noch Wachstum sehen

Indien ist ein Markt, in dem wir langfristiges Wachstumspotenzial sehen, mit Unternehmen, die sowohl im Inland als auch international leistungsfähig sind. In dieser Region sowie in Nordostasien befinden sich die meisten unserer Beteiligungen. Wir sehen Beispiele dafür, was mit der richtigen Politik erreicht werden kann, wenn es darum geht, Menschen aus Armut in die Mittelschicht zu bringen, insbesondere im Großraum China. Wir beobachten und investieren in dieses Wachstumselement, welches es in entwickelten Märkten nicht mehr gibt und das daher einen enormen Vorteil für Anleger mit einem langfristigen Zeithorizont bietet.

Ein weiteres Thema, das es in EM zu beobachten gilt, ist die schnelle Übernahme oder sogar das Überspringen von Technologien. Vor 15 bis 20 Jahren hatte China den Ruf, nur Nachahmer westlicher Marken zu sein, doch heute ist das Gegenteil der Fall: Bestimmte Branchen sind ihren globalen Konkurrenten voraus und viele weitere dringen in den globalen Markt vor. Tatsächlich haben einige der weltweit größten Halbleiterhersteller, die unsere PCs und den technologischen Fortschritt im Westen antreiben, ihren Sitz in Asien, ebenso wie Tencent, eines der erfolgreichsten globalen Tech-Unternehmen mit Beteiligungen an verschiedenen innovativen Unternehmen außerhalb seines Heimatmarktes. Weitere EM-Unternehmen werden diesem Weg der Eroberung des globalen Marktes folgen, da viele von ihnen über eine große, gut ausgebildete einheimische Verbraucherbasis verfügen, die sie nutzen können und in Regionen ansässig sind, die extrem unternehmerisch und wettbewerbsfähig sind, was sich im Laufe der Zeit in Innovationen von Weltklasse niederschlagen wird.

Investitionen in Schwellenländer bieten auch die Chance in lokale Champions zu investieren, die ihre Märkte in- und auswendig kennen und bewiesen haben, dass sie in der Lage sind, Prioritäten zu verschieben, wenn es nötig ist und schnell auf der Grundlage gesellschaftlicher Bedürfnisse zu handeln, anstatt Schichten von Unternehmensbürokratie in weit entfernten Zentralen zu überwinden. Der Markt kann unbarmherzig sein, aber wenn ein Unternehmen einen Mehrwert schafft, indem es sich verantwortungsvoll mit den Herausforderungen der Stakeholder auseinandersetzt, dann wird es seinerseits belohnt, ebenso wie die Investoren mit einer guten Portfolio-Performance.


Der Wert von Anlagen und daraus erzielten Erträgen kann aufgrund von Markt- oder Währungsschwankungen sowohl steigen als auch fallen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück.

Anlagen in Schwellenländern gelten allgemein als risikoreicher als Anlagen in entwickelten Märkten.

Die Ansichten und Meinungen stammen von BMO Global Asset Management und sind nicht als Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder Produkten, die möglicherweise erwähnt werden, zu verstehen.

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