Fünf Technologietrends, die wir in der Welt nach COVID beobachten sollten

Eine Reihe von Trends im Technologiebereich haben sich beschleunigt, da sich sowohl Unternehmen als auch Verbraucher nach der COVID-19-Pandemie an eine neue Welt anpassen. Wir erörtern fünf Trends, die von unseren Analysten genau beobachtet werden.

1. Das Abonnementmodell wird mit der Verbreitung von Cloud Computing zum Standard

Cloud Computing hat sich in den letzten Jahren immer weiter verbreitet. Eines der Nebenprodukte des Wechsels zur Cloud ist, dass sich die Software von einem in Zyklen veröffentlichten Einheitsprodukt zu Cloud-basierten, maßgeschneiderten, ständig weiterentwickelten Lösungspaketen gewandelt hat, die von den Unternehmen in Form abonnementbasierter Modelle verkauft werden. Dies hat es den Entwicklern ermöglicht, Produkte zu entwickeln, die besser zu den Kunden passen, einen stabilen Abonnentenstamm aufzubauen und die Effizienz und Produktivität zu steigern. Für die Software-Anbieter bedeutet dies eine wiederkehrende Einnahmequelle, die stabiler ist als pauschale Investitionszyklen, die alle paar Jahre eintraten.

Die am schnellsten wachsende Form des Cloud Computing ist Infrastructure as a Service (IaaS). Dies bezieht sich auf Cloud-basierte Ressourcen, die Einrichtungen beim Aufbau und bei der Verwaltung von Servern, Netzwerken, Betriebssystemen und Datenspeicherung helfen. Die Beliebtheit von IaaS erklärt sich dadurch, dass Organisationen die Möglichkeit haben, ihre Softwareanforderungen und -infrastruktur zu verwalten, wenn sie expandieren. Noch besser ist, dass die Unternehmen ihre Hardware-Anforderungen verwalten können, ohne die Infrastruktur zu hosten. Die größten Anbieter von Cloud Computing – Amazon mit Amazon Web Services (AWS), Microsoft mit Azure und Google mit der Cloud Platform – sind allgemein bekannt. Cloud Computing war nicht das Kerngeschäft dieser drei Firmen, aber das Wachstum in diesem Bereich hat ihren Aktienkurs enorm in die Höhe getrieben und wird wahrscheinlich ein Wachstumsmotor bleiben.

Der zweite schnell wachsende Bereich ist Software as a Service (SaaS). SaaS bezeichnet Cloud-basierte Software, die online von einem Softwareanbieter gehostet wird, über ein abonnementbasiertes Modell erworben werden kann und über das Internet geliefert wird. SaaS ist der am weitesten verbreitete Cloud-Service und oft über komfortable Online-Plattformen zugänglich, die Mitarbeitern und Unternehmen einen einfachen Zugang zu produktivitätssteigernden Tools ermöglichen.

Mittlerweile stellt Adobe, das mit seiner Creative Cloud Branchenführer für digitale Marketinglösungen ist, eine weitere interessante Fallstudie über die Entwicklung von Software as a Service dar. Das Unternehmen konnte durch die Einführung eines Abonnement-/Cloud-Modells für seine kreativen Software-Dienstleistungen, z. B. Photoshop and Illustrator, die Zyklizität seiner Einnahmen (die zuvor an volatile Marketingbudgets gebunden waren) verringern. Und was Adobe für den Kreativbereich ist, das ist Autodesk für Architekturbüros, Bauunternehmen und Industriedesignstudios. Der Übergang von Autodesk zu einem Abonnementmodell könnte dem Unternehmen langfristig zugute kommen, da es weiterhin Softwarelösungen für die von ihm bedienten Branchen anbietet.

Im Bereich Personalwesen und Gehaltsabrechnung verändert Workday durch Cloud-basierte Softwarelösungen für Finanzen, Gehaltsabrechnung, Zeitmanagement und Personalbeschaffung die Art und Weise, wie Personal und Humankapital innerhalb eines Unternehmens verwaltet werden. Unternehmen wie RingCentral bieten Cloud-basierte Kommunikationsdienste an, die es Unternehmen ermöglichen, ihre gesamten Sprach- und Videointeraktionen auf eine digitale Plattform zu verlagern.

Fintech und Onlinehandel sind weitere Bereiche, die reif für Cloud Computing sind – ein Trend, der Shopify zugute kommt. Das Unternehmen bietet Tools zur Erstellung von Online-Shops und umfassende Dienstleistungen für alle Bereiche an – von Website-Design, Marketing und Versand bis hin zu Zahlungsabwicklung und Händlerlösungen. Dies ermöglicht selbst den kleinsten Verkäufern, ihre Geschäfte in den Online-Bereich zu verlagern, so dass diese im Zeitalter der physischen Distanzierung florieren können.

2. Digitalisierung der Unterhaltung: Vorreiterrolle von Streaming und Gaming

Die Online-Unterhaltung, die im Zuge der weltweiten COVID-19-Lockdowns eine beschleunigte Nachfrage verzeichnet hat, wird voraussichtlich auf einem hohen Niveau bleiben, da sich die Zuschauergewohnheiten verfestigen. Netflix hat in der ersten Hälfte des Jahres 2020 mehr als 26 Millionen neue Abonnenten hinzugewonnen, so dass sich die Gesamtzahl der Abonnenten weltweit auf über 193 Millionen beläuft. Auch hat das Unternehmen im Jahr 2019 mehr als 15 Milliarden Dollar für Inhalte ausgegeben. Damit steht es unter den Studios/Streaming-Anbietern an dritter Stelle. Eine prognostizierte Wachstumsrate von mehr als 10 % bei den Ausgaben im Jahr 2020 (wahrscheinlich verzögert aufgrund von COVID-19) bedeutet, dass das Unternehmen seinen Vorsprung gegenüber vielen Streaming- und traditionellen Konkurrenten in Bezug auf Originalinhalte ausbauen könnte.

Auch die Einführung von Online-Spielen hat sich während der Lockdowns beschleunigt. Videospielunternehmen profitierten von einer beschleunigten Nachfrage, wie sie üblicherweise während der Feiertage zu beobachten ist. Twitch, die E-Game-Livestreaming-Plattform von Amazon, verzeichnete im April mit 1,65 Milliarden Zuschauerstunden einen Anstieg von 100 % gegenüber dem Vorjahr. Dies ist eine gute Zahl im Vergleich zur U.S. National Football League Saison 2018, die im Durchschnitt monatlich 1,6 Milliarden Zuschauerstunden erreichte. Twitch erreichte auch eine Rekordzahl bei den gleichzeitigen Zuschauern (4,3 Millionen).

Diese starke Performance zeigte sich auch bei anderen Spielplattformen. Tencent aus China – der nach Umsatz größte Spieleanbieter der Welt – erreichte mit seinen Spielen Honor of Kings und Peacekeeper Elite (zusammen etwa 200 Millionen täglich aktive Nutzer [Daily Active Users, DAU]) während des chinesischen Neujahrsfestes einen Rekord bei den täglichen Ausgaben und den DAU. Nintendo verzeichnete im März Rekordumsätze bei der Switch-Konsole, während Steam eine Rekordzahl gleichzeitiger Spieler (24 Millionen) erreichte.

Betrachtet man China als Anhaltspunkt für zukünftige Trends, so nahm die Zahl der täglichen Nutzer, die sich speziell auf Tencent konzentrierten, mit der Rückkehr zur Arbeit ab. Interessanterweise ist jedoch die für das Spielen aufgewendete Zeit weiterhin höher als vor dem COVID-19-Ausbruch. Menschen, die während des pandemiebedingten Lockdowns finanziell und emotional mehr in ihre Spiele investiert hatten, haben auch dann weiter gespielt, als körperlich erfahrbare Aktivitäten wieder möglich waren. Es gibt auch ein soziales Element in den Spielen, insbesondere auf mobilen Geräten, das zu ihrer dauerhaften Attraktivität beigetragen hat – während der Lockdowns und danach.

Onlinespiele gehören nach wie vor zu den preiswertesten Unterhaltungsmöglichkeiten für Verbraucher und bieten ein beträchtliches Potenzial, einen größeren Anteil an den Ermessensausgaben zu erobern. Darüber hinaus gehen mehrere Analysten davon aus, dass die Umstellung auf digitale Unterhaltung die Rentabilität von Inhaltseigentümern verbessern könnte. Allerdings hat sich das Cloud Gaming – das Zugang zu jedem Spiel, überall und auf jedem Gerät ermöglicht – als die nächste große Plattform für Videospiele herauskristallisiert, und wir prüfen laufend, welche Firmen von dieser Verschiebung profitieren könnten.

3. Social Distancing beschleunigt die Einführung neuer Technologien in der Dienstleistungsbranche

Social Distancing beschleunigt die Einführung neuer Technologien, insbesondere in der Dienstleistungsbranche. Die Unternehmen, die frühzeitig neue Technologien eingesetzt haben, konnten die im März beginnenden Lockdowns besser überstehen. Ein gutes Beispiel ist das technikbegeisterte Unternehmen Domino’s Pizza. Es hat frühzeitig Digitalisierungstechnologien wie App-basiertes Bestellen, Online-Verfolgung, Benutzerprofile und Voice Ordering eingeführt. Das digitale Geschäft des Pizzabäckers ist schnell gewachsen und macht heute etwa 65 % der Bestellungen aus. Das System hat neue Benutzer angezogen, die das Unternehmen zu Stammkunden machen kann. Sogar traditionelle Fast-Food-Unternehmen wie McDonald’s nutzen Lieferplattformen wie UberEats und führen zusätzlich zu ihren traditionellen Drive-Through- und Restaurant-Dienstleistungen einen Heimlieferservice ein.

In ähnlicher Weise verändern Technologie- und E-Commerce-Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel, einer Branche mit einem Jahresumsatz von fast 700 Milliarden Dollar in den USA, die Landschaft durch innovative Produkt- und Dienstleistungsangebote. Der Online-Riese Amazon war durch den Kauf von Whole Foods im Jahr 2017 und die anschließende Ausweitung der Lebensmittellieferungen auf seinen umfangreichen Kundenstamm von 110 Millionen Amazon-Prime-Mitgliedern in den USA für den durch die Pandemie verursachten Anstieg der Online-Lebensmittelnachfrage besser aufgestellt. Amazons Umsätze im Online-Lebensmittelhandel haben sich im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. Auch wenn das beschleunigte Tempo des Wandels weitgehend auf die zu Beginn dieses Jahres in vielen Städten und Bundesstaaten verhängten Social-Distancing-Maßnahmen zurückzuführen ist, stellt der Wandel einen positiven Trend für eine Branche dar, die besonders hartnäckig am stationären Handel festhielt.

Das britische Unternehmen Ocado ist ebenfalls ein Beispiel für Innovation in der Lebensmittelbranche. Ocado startete als Online-Lieferservice für Lebensmittel und hat seine Kompetenz in den Bereichen Online-Einzelhandelssoftware, Robotik und Lagerverwaltung auf globale Partnerschaften ausgeweitet und die Online- und Lieferpräsenz für einige der größten globalen Einzelhändler erweitert. Dazu gehört der Aufbau spezialisierter Kunden-Fulfillment-Zentren, basierend auf der automatisierten Technologie des Unternehmens für seine Partner, darunter Kroger in den USA, Casino in Frankreich und Aeon in Japan. Nachdem Ocado in den letzten Jahren in Technologie investiert wurde, konnte das Unternehmen von der beschleunigten Akzeptanz des Online-Lebensmitteleinkaufs durch die Verbraucher profitieren. Das Unternehmen verkündete Ende Mai einen Umsatzanstieg von 40 % gegenüber dem Vorjahr. Es hat auch eine Warteliste für Kunden in seinem britischen Heimatmarkt, die seine Dienste in Anspruch nehmen möchten.

4. Auch in Niedrigtechnologiebranchen werden zunehmend neue Technologien eingesetzt

Ein gutes Beispiel für den zunehmenden Einsatz von Technologie in einer traditionellen Niedrigtechnologiebranche ist die Abfallwirtschaft. Software zur Routenoptimierung, automatisierte Lastwagen und Robotik werden zunehmend eingesetzt, um eine höhere Betriebs- und Kapitaleffizienz zu erzielen. Die Abfallwirtschaft erforderte in der Vergangenheit sehr wenig Technik – alles, was man brauchte, waren ein Fahrer und ein Lastwagen. Häufig wurden Straßenkarten aus Papier mit eingezeichneten Routen verwendet. In den letzten Jahren hat die Technologie jedoch bedeutende Veränderungen in den Betriebsmodellen der Unternehmen bewirkt – niedrigere Kosten und mehr Kundenkontaktpunkte sowie die Erwirtschaftung und Erhaltung zusätzlicher Einnahmen.

 

Beispiele für die Umsetzung dieser Technologie sind unter anderem:

• Software zur Routenoptimierung: Die wichtigsten Auswirkungen betreffen den effizienten Einsatz von Fahrzeugen, Kraftstoff und Fahrern. In Verbindung mit einer Onboard-Kamera hat die Software das Geschäftsmodell noch stärker verbessert: durch die Eigenverantwortung der Fahrer, die Bereitstellung von Zeitstempeln und Fotos, um irrtümlich verpasste Abholungen zu widerlegen, und einen effizienteren Austausch von Ersatzfahrern.
• Tools und/oder Anwendungen zur Kundenbindung: Durch die Verbesserung der Kommunikation mit den Kunden und die Bereitstellung einer nahtlosen Rechnungsstellung hat der Abfallsektor die Kundenbindung verbessert, den Bedarf an Callcentern verringert und ein einfacheres Kauferlebnis geschaffen (ähnlich wie bei den von den Fluggesellschaften eingeführten Änderungen).

5. Die Automatisierung von Fabriken und Lieferketten ist auf dem Vormarsch

China ist seit langem die vorherrschende Produktionsbasis für die Weltwirtschaft. Die Kombination aus steigenden Arbeitskosten in den letzten zehn Jahren, Handelsspannungen mit den USA und verschärften Reisebeschränkungen aufgrund der Pandemie hat jedoch einige multinationale Unternehmen veranlasst, die Konzentration ihrer Lieferketten zu überprüfen und nach Diversifizierungsmöglichkeiten zu suchen.

Da die Unternehmen neue Fabriken bauen und bestehende modernisieren, dürfte die Automatisierung an Dynamik gewinnen. Die japanischen Automatisierungsunternehmen Keyence und Keyence könnten von diesem Trend besonders profitieren, da beide über eine globale Präsenz, eine starke Position in der Branche und reichlich liquide Mittel in ihren Bilanzen verfügen, so dass sie einen anhaltenden Abschwung überstehen können. Darüber hinaus bietet Keyence vielfältige Produkte an, von Sensoren über Bildverarbeitung bis hin zum 3D-Druck, die dazu beitragen können, die Automatisierung in vielen verschiedenen Branchen voranzutreiben. Die globale Präsenz von SMC könnte von Vorteil sein, wenn seine Kunden neue Fabriken bauen wollen, um ihre Lieferketten zu diversifizieren.

Fazit

Langfristig hat COVID-19 den „Burggraben“ verbreitert – die Wettbewerbsposition vieler Marktführer, die mit Größe, etablierten Beziehungen und starken digitalen Fähigkeiten punkten, wurde gestärkt. Kleinere, spezialisierte Akteure haben jedoch an Bedeutung gewonnen, da die Nachfrage nach ihren Dienstleistungen gestiegen ist. Die Verbreitung von COVID-19 hat dazu geführt, dass viele Unternehmen ihre IT-Ausgaben gebremst haben. Andererseits hat sie aber auch deutlich gemacht, dass Unternehmen längerfristig ihre Anstrengungen für einen digitalen Wandel beschleunigen müssen.

Dieser Wandel findet sowohl innerhalb als auch außerhalb des Technologiesektors statt. Die wichtigsten Trends, die nach unserer Ansicht an Dynamik gewinnen werden, wenn wir nach dem Ende von COVID zu einer normaleren Welt zurückkehren, sind: 1. Die Umstellung auf Cloud Computing; 2. Die Digitalisierung der Unterhaltung und die Verbreitung von Online-Spielen; 3. Die Einführung neuer Technologien in der Dienstleistungsbranche; 4. Der Einsatz von Technologielösungen für die Logistik in Niedrigtechnologiebranchen; und 5. Der Automatisierung der Fabriken, da die Produktion außerhalb Chinas diversifiziert wird.

Brad Olalde 

Leitender Produktspezialist

Brad ist ein erfahrener Produktspezialist mit sieben Jahren Branchenerfahrung. Er verfügt über einen Bachelor-Abschluss in Finanzen und internationaler Wirtschaft der Universität Villanova.

Steven Sperry 

Produktmanager für Investitionen

Steven ist ein Investment Product Manager mit 10 Jahren Branchenerfahrung. Er hat einen Bachelor-Abschluss in Global Business: Financial Management von der Arizona State University. Er ist außerdem Chartered Financial Analyst®.

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