BIETEN SCHWELLENLÄNDER EINE ANTIZYKLISCHE INVESTMENTCHANCE?
24. Juni 2016 3089 Views

BIETEN SCHWELLENLÄNDER EINE ANTIZYKLISCHE INVESTMENTCHANCE?

Die Märkte der Schwellenländer waren in der Vergangenheit für Anleger oft wegen ihrer offensichtlichen Antizyklizität und ihres vom Zustand der Weltwirtschaft abgekoppelten Wachstums interessant. Man hoffte, dass sie zum Wachstumsmotor der Welt werden, wobei Länder wie China den Industrieländern aus der Stagnation helfen sollten. Dank eines starken Binnenkonsums wiesen die Schwellenländer in der Tat ein Wirtschaftswachstum auf, das die meisten Industrieländer vor Neid erblassen ließ.

Manche Schwellenländer (vor allem in Südostasien) waren nach der Krise von 2008-2009 in einer sehr guten Verfassung und konnten dank niedriger Binnenverschuldungen, günstiger Haushaltslagen und Zahlungsbilanzüberschüssen deutlich schneller wachsen als die Märkte der Industrieländer. Anleger waren begeistert von diesem Wachstum und stiegen in die Aktienmärkte ein, sodass die Bewertungen in die Höhe schossen und 2009-2012 eine bemerkenswerte Outperformance gegenüber dem Rest der Schwellenländer erzielt wurde. Gleichzeitig jedoch kehrten sich die Zahlungsbilanzüberschüsse dieser Länder in Defizite um, sodass Anleger angesichts sinkender Ausfuhren und der schwindenden Risikobereitschaft in Bezug auf Schwellenländer begannen, gegen deren Währungen zu wetten, womit gleichzeitig die Aktiengewinne zunichte gemacht wurden. Plötzlich prallte das solide Binnenwachstum auf eine Mauer aus externen Beschränkungen. Solange die Außenbilanz eines Landes positiv und seine Währung gut unterstützt ist, kann ein starkes Gesamtwachstum im Inland unmittelbar zu Aktiengewinnen in US-Dollar führen. Ist ein Land jedoch mit steigenden Defiziten konfrontiert und gerät die Währung unter Druck, wird die weitere Ankurbelung eines schnellen Binnenwachstums jedoch kontraproduktiv, da die lokalen Ertragssteigerungen von Wechselkursverlusten wettgemacht oder sogar übertroffen werden.

 

Dies bedeutet, dass die Schwellenländer tatsächlich stark abhängig sind von: 1. dem Binnenkonsum, 2. der Außenbilanz eines Landes, d.h. dem Export, und 3. der Währung. Kurz gesagt, sind die Schwellenländer aus diesen Gründen nicht mehr besonders antizyklisch, sondern eher abhängig von der Weltkonjunktur (wo es zurzeit keinerlei Anzeichen für eine nennenswerte Erholung gibt), den Rohstoffen und dem globalen Risiko (wobei Chinas besondere Rolle als Treiber sowohl des globalen Risikos als auch der Rohstoffpreise nicht unerheblich ist) sowie dem US-Dollar.

 

Als rohstoffexportierende Region ist Lateinamerika besonders anfällig gegenüber den Unsicherheiten in Bezug auf die Weltwirtschaft, vor allem wenn sie aus China stammen. Allerdings haben sich die Märkte der Schwellenländer nach der Abschwächung der makroökonomischen Fundamentaldaten im Jahr 2015 zuletzt gut entwickelt. Dies gilt insbesondere für Lateinamerika, das von einem freundlicheren Wirtschaftsklima profitiert. So erhielten mehrere Schwellenländer neuen Auftrieb dank einer Kombination aus steigenden Rohstoffpreisen, dem schwächeren US-Dollar, der gemäßigteren Haltung der Fed, der Fortsetzung der geldpolitischen Lockerung und der Stabilisierung von Schlüsselindikatoren in China.

Obwohl die besorgniserregenden Schlagzeilen auf lange Sicht weniger geworden sind, bleiben die Strukturprobleme bestehen: schwacher Welthandel, enttäuschendes Wachstum in den Industrieländern, hohe Verschuldung und Probleme mit Überkapazitäten. Im weiteren Verlauf müssen Anleger in den Schwellenländern Schwierigkeiten wie Lateinamerikas umfassenden politischen Wandel, Chinas gefahrvollen Wirtschaftswandel, Indiens Reformprozess und das Chaos im Nahen Osten umschiffen.

In diesem volatilen und höchst anfälligen Klima werden die Märkte der Schwellenländer komplex bleiben. Andererseits wird es immer Anlagegelegenheiten geben, und dies umso mehr in einem komplexen Umfeld. Performance dürften die Anleger erwarten, die sich auf die Auswahl der Regionen, Sektoren und Aktien, die zur Cash-Generierung in der Lage sind und mehr oder weniger langfristige Wachstumsaussichten besitzen, konzentrieren und so ihr eigenes „antizyklisches“ Portfolio aufbauen. Wir bei Carmignac glauben, dass Performance ungeachtet der allgemeinen Marktentwicklung am überzeugendsten erreicht wird, wenn wir uns auf Folgendes konzentrieren:

 

  1. Länder mit soliden makroökonomischen Fundamentaldaten, die ein hohes Binnenwachstum und gesunde (oder ansteigende) Leistungsbilanzen aufweisen, dürften sich besser entwickeln. Diesbezüglich zeichnen sich die asiatischen Wirtschaftsräume aus, denn sie weisen im Großen und Ganzen immer noch Leistungsbilanzüberschüsse in Rekordhöhe auf. Darüber hinaus sind die politischen Entwicklungen in Brasilien und Argentinien ebenfalls günstig.
  2. Schwach abgedeckte Sektoren profitieren ebenfalls von langfristigen Wachstumsthemen und wachsen unabhängig von der allgemeinen Marktentwicklung. Aufmerksame Anleger werden Wachstumsbereiche in den vielen schwach abgedeckten Sektoren Asiens finden, aber auch in Regionen mit schwachen Wirtschaftsaussichten. Als Beispiel können wir den Versicherungssektor nennen, der in Brasilien nach wie vor meist schwach abgedeckt ist und langfristiges Wachstumspotenzial in einem schwierigen Markt bietet. Wir sind im nationalen Marktführer BB Seguridade angelegt, der im besonders schwach abgedeckten Lebensversicherungssektor stark engagiert ist.
  3. Eine rigorose Titelauswahl nach dem Bottom-Up-Ansatz. Die Schwellenländerindizes enthalten viele Unternehmen, die entweder hoch verschuldet oder unrentabel sind. Wir empfehlen daher, dass sich auf Geschäftsmodelle mit starken Cashflows und möglichst ohne Schulden zu konzentrieren, denn diese Unternehmen können ihr Wachstum selbst finanzieren und sind besser in der Lage, Marktturbulenzen zu umgehen. Daneben schätzen wir „Asset light“-Sektoren wie z.B. IT und Unternehmen mit negativen Cashflows, die z.B. im Einzelhandelssektor zu finden sind. Eine starke Cashflow-Generierung hilft zum einen, Marktturbulenzen zu überstehen, und gestattet zum anderen, von eigenfinanziertem Wachstum zu profitieren. In China gibt es beispielsweise immer noch zahlreiche attraktive Anlagegelegenheiten, während die Gesamtverschuldung besorgniserregend ist. Daher ist unser Fonds dort so positioniert, dass das Exposure im risikoreichsten Bereich der Wirtschaft und im Kredit-/Bilanzrisiko begrenzt ist; stattdessen bevorzugt er die Sektoren der „New Economy“ wie z.B. internet- und konsumnahe Branchen. Darüber hinaus befinden sich in unserem Portfolio fast ausschließlich Unternehmen mit starker FCF-Generierung und hohen bilanziellen Nettomitteln wie z.B. Zhengzhou Yutong Bus, ein Hersteller von Elektrobussen. Als Marktführer in seinem Segment ist Yutong in der Lage, von den mit Elektrofahrzeugen verbundenen Wachstumsaussichten zu profitieren – vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Umweltschutzkampagnen in China –, und muss dazu offenbar nicht einmal Schulden aufnehmen oder den Wert der Aktie durch Neuemissionen verwässern.

 

Dank dieses rigorosen Ansatzes entwickelte sich unser Flaggschiff-Schwellenländerfonds, der Carmignac Emergents, im turbulenten Jahr 2015 solide. Er schloss das Jahr im Plus und legte um 5,15% zu, während die Märkte (MSCI Emerging Markets) um 5,23% zurückgingen.

 

Die Schwellenländer sind und waren schon immer zum einen viel versprechend, was die Chancen anbelangt, und zum anderen alarmierend im Hinblick auf die Risiken. Vor allem aber bieten sie Anlegern, die in der Lage sind, die entsprechenden Länder zu erkennen, schwach abgedeckte Sektoren zu finden und Unternehmen mit starker Cash-Generierung zu entdecken, eine Menge an Gelegenheiten für attraktives Wachstum und zur Alpha-Generierung.

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Nicht vertragliches Dokument, 17/06/2016

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