11. Mai 2020 345 Views

CONREN-Kolumne: Die KFW-Gießkanne ist verstopft

Nur, weil man bestimmte Sätze des Öfteren hört oder liest, müssen sie nicht falsch sein. Wie dieser hier: Mittelständische Unternehmen, speziell von Eigentümerfamilien geführte, sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Was sie und damit die Bundesrepublik stark und international wettbewerbsfähig macht, ist neben ihrem Ideenreichtum vor allem ihr Drang nach Unabhängigkeit. Tatsächlich sind Familienunternehmer typischerweise freiheitsliebend. Auch Krisen stehen sie normalerweise alleine durch: Weil sie gut vorsorgen, weil sie umsichtig und mit Bedacht über Generationsgrenzen hinweg denken, aber auch, weil sie konsequent handeln. Nicht auf Hilfen vom Staat angewiesen zu sein, liegt eigentlich in ihrer DNA. Die Corona-Krise aber macht viele Familienunternehmer und dadurch große Teile der Wirtschaft von staatlichem Eingreifen abhängig. Denn das Virus trifft viele Branchen hart, und die kommenden Monate sind nach wie vor meist nicht planbar. Wie kann ein Restaurant, Hotel oder Reiseveranstalter im April oder Mai 2020 sagen wie sein Umsatz und Gewinn im September 2020 und danach aussieht? Planungssicherheit ist aber unternehmerisches Lebenselixier – hier kann und muss die Regierung ansetzen.

Hier das Kernproblem: Viele der beschlossenen Hilfsmaßnahmen verfehlen ihre Wirkung. Zum Beispiel sind Sonderkredite häufig derart unflexibel, langsam und teuer. Dazu wirken sie nicht flächendeckend, wenn Kredite bei großen Teilen vor allem des Mittelstands nicht ankommen, weil sie gar nicht erst vergeben werden bzw. nicht von den Unternehmen in ausreichendem Umfang in Anspruch genommen werden. Der Staat haftet nicht überall voll, sondern je nach Programm nur zu 80 oder 90 Prozent. Überspitzt formuliert: Erst entzieht der Staat per verordnetem Lockdown den Unternehmen auf unbestimmte Zeit die Geschäftsgrundlage, um sie danach zu zwingen, einen aller Wahrscheinlichkeit nach, über den gesamten Zeitraum betrachtet, teuren Kredit aufzunehmen – so sieht „schnelle und flexible Hilfe“ nicht aus.

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