Das Corona-Virus greift auf Europa über, die Aktienkurse fallen. DJE hat Aktienquoten temporär reduziert.

Das Corona-Virus breitet sich in Europa aus. In Deutschland gab es seit dem Wochenende mehrere neue Infektionen, ebenso in Österreich, der Schweiz, Griechenland, Finnland und vor allem in Italien. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bat die zuständigen Behörden, vorsorglich ihre Pandemie-Pläne zu aktivieren. An den Märkten ist die Unsicherheit stark spürbar, so hat der Deutsche Aktienindex DAX innerhalb weniger Tage in der Spitze mehr als 12% eingebüßt.

Doch während in Europa die Zahl der Corona-Fälle steigt, scheint das Virus in China auf dem Rückzug – zumindest stagniert die Zahl der Neuinfektionen, und die Krankheit klingt bei der Mehrzahl der Betroffenen inzwischen schon ab. Dennoch erscheint es wahrscheinlich, dass die Börsen in den kommenden Wochen weiter im Krisenmodus sind.

Die Märkte sind überaus optimistisch ins Jahr 2020 gestartet und der Optimismus der Anleger war sehr hoch. Das Corona-Virus hat eine überfällige technische Korrektur ausgelöst. Aktuell hat DJE seine Aktieninvestitionsquoten deutlich gesenkt. Da mit temporären Problemen für die internationalen Transportwege, die Just-in-time-Logistik der Industrie oder für das Segment Tourismus & Reisen zu rechnen war, wurden Gewichtungen in diesen Segmenten bereits seit Ende Januar reduziert. Gleiches gilt für die Gewichtung von Sektoren, die einen nennenswerten Teil ihrer Geschäfte mit China abwickeln, zum Beispiel die exportorientierte Konsum- und Luxusgüterindustrie oder die Automobilhersteller Europas (in letzterem bestanden schon länger keine Positionen). Darüber hinaus hat DJE temporär auch seine Positionierung in Sektoren zurückgenommen, die allgemein von einem strukturellen Wachstumsmomentum profitieren und in denen die weltweiten Anleger stark übergewichtet sind. Kurzfristig dürfte auch Gold als sicherer Hafen weiter gefragt sein.

Mittelfristig schätzen wir Aktien unverändert positiv ein. Dafür sprechen unter anderem die weiterhin expansive Geldpolitik der großen Notenbanken. Auch hält die chinesische Regierung geld- und fiskalpolitische Anreize bereit, um die Binnenkonjunktur im Reich der Mitte wieder in Gang zu setzen. In den USA will US-Präsident Donald Trump wiedergewählt werden und stimuliert den Markt u.a. mit steigenden staatlichen Investitionen, ablesbar auch am Haushaltsdefizit von zurzeit über fünf Prozent des BIP p.a. Realistisch erscheint auch eine Steuersenkung für Mittelständler.

Wie lange und wie stark Corona die Aktienmärkte belasten wird, kann niemand genau vorhersehen. Allerdings: Es ist von jeher der Ansatz von DJE, neben fundamentalen und monetären Bedingungen auch die Marktstimmung mit zu berücksichtigen und sich entsprechend zu positionieren. Das heißt, Verkäufe, wenn die Euphorie Wellen schlägt, und Kaufgelegenheiten prüfen, wenn die Märkte nach unten hin übertreiben.

Zurück BÖRSENBLATT Nr. 141 | Ansteckungsgefahr an den Börsen
Nächste Warum nicht schon in jungen Jahren größer denken?