30. März 2017 1616 Views

DNB Technology – Interview mit Portfoliomanager Anders Tandberg-Johansen

Michael Feiten, Leiter Multi Asset & Alternatives bei der NORD/LB Vermögensmanagement Luxembourg S.A.: In der Vergangenheit war es ausnahmslos so, dass Unternehmen und Branchen, welche die Aktienmärkte nach Marktkapitalisierung dominierten, in den Jahren bzw. Jahrzehnten danach absolut und/oder relativ deutlich schlechter liefen. 2006 waren die sechs größten Titel bis auf Microsoft nicht aus der Digitalwirtschaft – heute sind fünf von sechs der größten Unternehmen aus der Digitalwirtschaft – „is this time (the first time) different?

Anders Tandberg-Johansen, Leitender Portfoliomanager, DNB Asset Management

Anders Tandberg-Johansen, Leitender Portfoliomanager, DNB Asset Management

Anders-Tandberg Johansen, Fondsmanager und Leiter des Global Technology-Teams bei DNB Asset Management: Erfolgreiche Unternehmen wie diese, erfinden sich kontinuierlich neu und schaffen neue Märkte, die es zuvor nicht gegeben hat. Apple war mit seinen Produkten viele Jahre ein Vorzeigebeispiel. Aber wie man sieht, zeigt sich zunehmend, dass es auch für Apple schwieriger wird, die Vormachtstellung zu verteidigen. Ich rechne jedoch damit, dass die Bedeutung der Technologie insgesamt steigen wird. Die Aktien aus dem Sektor werden gemessen an der Marktkapitalisierung nach wie vor die vorderen Plätze einnehmen. Dies bedeutet nicht, dass es unter den Top-Namen im Technologie-Bereich in den kommenden Jahren nicht zu Änderungen kommen wird. Es ist auch sehr schwer zu sagen, welcher Subsektor dominieren wird. Aber sehr wahrscheinlich wird eine technologische Komponente involviert sein – und das unabhängig vom Sektor.”

Fast schon traditionell ist der USA-Bias: Gibt es nicht dennoch in Europa, speziell auch in Deutschland, viele hochspannende und attraktiv bewertete Unternehmen?

Anders: Ja, die gibt es. Zum Beispiel ADVA Optical Networking. Das Unternehmen aus München ist ein Anbieter von Telekommunikationsausrüstung und auf glasfaserbasierte Übertragungstechnik spezialisiert. Die Aktie trug 2015 signifikant zur Outperformance unseres Fonds bei. Eines unserer Kerninvestments ist SAP. Hier überzeugt uns das sehr nachhaltige Geschäftsmodell. Fälschlicher Weise ging der Markt vorübergehend davon aus, dass das traditionelle Geschäft bei SAP auf der Kippe steht. Diese Fehleinschätzung haben wir dazu genützt, unsere Position auszubauen.”

In vielen Segmenten sieht man scharenweise Investoren, die dort originär „nicht hingehören“ (z.B. im Zinssegment Investoren, die Corporates „aus Ertragsnot“ kaufen) – gibt es solche Phänomene auch bei Tech-Aktien, die ja seit einigen Jahren (ausgenommen Social Media-Aktien) als „Value-Aktien“ gelten?

Anders: Dieses Phänomen beobachten wir auch im Tech-Sektor. Zum einen geschieht das durch die zunehmende Gewichtung der Technologie-Aktien in den Indizes. Dadurch halten Investoren mit passiven Investments automatisch einen größeren Anteil. Für uns ist das aber kein Problem, im Gegenteil. Wir müssen uns als aktiver Stock-Picker nicht an einen Index halten und können etwa Übertreibungen auf den Märkten für unser Produkt nützen.”

Gibt es, nachdem wir nun vermehrt höhere Volatilitäten haben, Überlegungen, künftig große Aktienpositionen zu veroptionieren, um in stagnierenden Märkten auch Seitwärtsrenditen zu generieren bzw. in Abwärtsphasen einen leichten Puffer einbauen zu können?

Anders: Vorweg, die Volatilität befindet sich gemessen am VIX Index auf historisch niedrigem Niveau. Nun zurück auf Ihre Frage. Für uns sind Optionen absolut kein Thema. Bei unserem Flaggschiffprodukt, dem DNB Technology, handeln wir nicht mit Aktien-Optionen oder unflexiblen, harten Limits. Der erfolgreiche Track Record über die vergangenen 15 Jahre scheint uns Recht zu geben.”

Was ist der nächste große Entwicklungsschub im Tech-Sektor?

Anders: Den einen großen Schub sehen wir nicht. Es passieren im Technologie-Sektor viele Dinge gleichzeitig. Aber wichtige Entwicklungen sind sicher Cloud Computing und das Internet of Things, also das Internet der Dinge. Viel Energie und Geld wird im Silicon Valley in das selbstfahrende Auto investiert. Bei diesem Thema sind die Elektro-Mobilität und die Sharing Economy involviert.”

Traditionelle Unternehmen arbeiten immer stärker mit Tech-Unternehmen zusammen, z.B. BMW mit Apple, andere Autobauer mit Google etc. – wird das Segment „Tech“ auf Sicht von 5 Jahren noch ein eigenes Segment bleiben?

Anders: Ich denke schon, obwohl die Abgrenzung schwieriger wird. Denn die Technologie spielt in allen Branchen eine immer wichtigere Rolle, sei es im Gesundheitswesen oder bei den Versorgern. Aber auch wenn es in Zukunft wohl kaum ein neues BMW-Modell ohne Bordcomputer und Internetverbindung geben dürfte und die Technologie die Fahreigenschaften bestimmt, bleiben die Münchner nach wie vor Autohersteller.”

Wenn ich taktisch, auf Sicht von 1 Jahr investieren müsste: soll ich lieber den reinrassigen DNB-Tech-Fonds kaufen, oder den Absolute-Return?

Anders: Wir erwarten, dass 2017 für den Technologie-Sektor im Vergleich zu anderen Sektoren ein gutes Jahr wird. Grundsätzlich spricht so ein Umfeld für den klassischen long-only-Fonds. Aber natürlich ist der Sektor gegen Marktschwankungen nicht immun. Wenn man Zweifel an den Märkten hat, dann ist der Absolute Return Fonds eine gute Alternative. Der Fonds ist marktneutral und der Investor kauft unsere Expertise in der Aktienauswahl um Alpha zu generieren.”

Zwei zentrale Prämissen von Technologie-Investments sind: Fortschritt ist a) gut und – davon unabhängig – b) unaufhaltsam – was könnte diese Thesen massiv in Frage stellen? Immerhin gibt es spätestens mit Rousseau im 18. Jahrhundert oder Heidegger Mitte des letzten Jahrhunderts bis heute (Byung-Chul Han) erhebliche und substanzielle Kritik an der zunehmenden Technologisierung.

Anders: Wir sehen das differenziert. Der technologische Fortschritt kann negative Auswirkungen haben. Um von den Vorteilen der künstlichen Intelligenz profitieren zu können, muss man einen Teil der Privatsphäre aufgeben. Die künstliche Intelligenz wird uns im täglichen Leben immer stärker begegnen. Das fördert den Druck zur Einführung von ethischen Regel für dieses Thema. Diese Entwicklungen muss man in der Gesellschaft offen diskutieren. Aber idealer Weise ist die Technologie nicht das Problem, sondern ein Teil der Lösung.”

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