Es muss nicht immer Big Tech sein

Es muss nicht immer Big Tech sein

Von Hagen-Holger Apel, Senior Client Portfolio Manager bei DNB Asset Management

Hagen-Holger Apel,Senior Client Portfolio Manager bei DNB Asset Management

Amazon, Alphabet, Apple & Co. setzten in den vergangenen Monaten ihren Aufwärtstrend eindrucksvoll fort. Dennoch drängt sich die Frage auf: Ist Big wirklich „beautiful“? Zumindest scheinen die Märkte zu verkennen, dass auch abseits der Tech-Giganten US-amerikanischer Provenienz Potenziale schlummern, die sich heben lassen. T-Mobile und Sprint sind gute Beispiele für Telekommunikationsunternehmen in einem Markt, der sich konsolidiert hat. Diese Konsolidierung ist auch in Europa zu erwarten. Doch hierzulande sind sich die Marktteilnehmer noch nicht bewusst, dass sich die Branche in einer Umbruchphase befindet. Dabei steht aktuell der Rollout der 5 G-Netze an – eine nicht ganz einfache Herausforderung. Unternehmen wie Vodafone, Orange und die Deutsche Telekom dürften von der Konsolidierung profitieren. Ericsson wiederum ist sehr stark im Ausrüstermarkt positioniert und mit Blick auf die Qualität der Ausrüstungstechnik einer der großen globalen Player.

Fernab von Europa ist Samsung attraktiv bewertet, verfügt über viel Cash und hat eine überzeugende Marktstellung im stark wachsenden Cloud-Bereich. Gute Chancen in Fernost bieten auch Gaming-Gesellschaften wie die japanischen Nintendo und Square Enix, ein Hersteller von Videospielen und Mangas. Chinesische Aktien sollten wegen der nach wie vor bestehenden Governance-Probleme und dem Einfluss der kommunistischen Partei auf die Firmen allenfalls kurzfristig eine Rolle spielen.

Branchenführer ohne Anlage-Appeal

Und die Big Five der Technologieszene? Apple und Amazon drängen sich nicht auf. Beide zeigten eine deutliche Ausweitung der Bewertungskennzahlen, ohne dies mit neuen Nachrichten oder Quartalsergebnissen zu rechtfertigen. Auch Microsoft hat sich in den vergangenen Monaten außerordentlich gut entwickelt. Mittlerweile hat die Aktie jedoch ein Bewertungsniveau erreicht, das sie im Vergleich zu anderen Aktien des Sektors unattraktiv macht. Alphabet wiederum ist sehr stark im Reisesektor exponiert, der sehr unter der Coronakrise leidet. Aussichtsreich erscheint allein Facebook, die als Platzhirsch nicht wegzudenken ist und eine positive Zukunft vor sich hat.

Anleger sollten zudem den regulatorischen Paradigmenwechsel ins Kalkül ziehen, der schnell zu einem ökonomischen Faktor werden kann. Sowohl Demokraten als auch Republikanern ist es ein Dorn im Auge, dass die Tech-Giganten so mächtig sind. Ebenso gefährlich ist die Tendenz, dass Internetplattformen dafür verantwortlich gemacht werden sollen, welche Inhalte bei ihnen gezeigt werden. Anleger sollten indes realistisch sein: Die meisten Dienste sind für die User kostenlos. Doch wie lässt sich etwas regulieren, das kostenlos ist und über die Daten der Nutzer bezahlt wird. Eine Zerschlagung dürfte vor diesem Hintergrund sehr schwierig sein. Immerhin: Selbst, wenn es dazu kommen sollte, ist mit Upside-Potenzial zu rechnen.

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