19. Mai 2017 571 Views

Gretchenfrage

Finanzberater – gleich, ob freiberuflich oder angestellt – werden sich, so noch nicht geschehen, Gedanken darüber machen müssen, wie sie früher oder später mit der Frage potenzieller und bestehender Kunden danach umgehen wollen, wie sie es mit passiven Anlagelösungen im Allgemeinen und ETFs im Speziellen halten.

Die Konfrontation mit diesem Themenblock, verbunden mit der Bitte um Positionierung, hat das Zeug zur sogenannten „Gretchenfrage“. In Anlehnung an Goethes „Faust“ (Gretchen: „Nun sag, wie hast Du´s mit der Religion?“) spricht man bekanntlich immer dann von einer Gretchenfrage, wenn es an den Kern eines Problems geht und die Frage die Absichten und die Gesinnung des Gefragten aufdecken soll.

Mit anderen Worten: das anhaltende Niedrigzinsumfeld, die Finanzmarktregulierung, die Digitalisierung und die Demokratisierung von Wissen in Form des Internets, rücken die Kosten der Kapitalanlage, seien sie nun mit dem Asset Management oder der Beratung verbunden, immer stärker in den Fokus des öffentlichen Interesses. Von Verbraucherschutzorganisationen, Selbstentscheider-Blogs, Robo-Advisor-Angeboten, Medienberichten und / oder einschlägiger Fachliteratur induziert, drängt sich dabei die Frage nach dem Mehrwert aktiven Fondsmanagements und möglichen Interessenkonflikten des Beraters dem Anleger förmlich auf.

Dieser Fondsgedanke will ganz bewusst keinen Anspruch auf die Richtigkeit einer ganz bestimmten Antwort – gleichsam einer Standardlösung – erheben, als vielmehr dazu auffordern, zu gegebener Zeit überhaupt eine durchdachte und plausible Antwort bereitzuhalten. Die dann übrigens auch im Einklang mit dem individuell verfolgten Geschäftsmodell stehen muss. Andernfalls ist der Weg von einem unfreiwilligen, bisweilen sogar unangenehm empfundenen Bekenntnis zur regelrechten Entlarvung nicht weit.

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