“Ich fürchte mich vor den Danaern,

selbst wenn sie Geschenke bringen” lässt der Dichter Vergil den Priester Laokoon in der Aeneis sagen, als die Griechen ein Holzpferd vor Troja zurücklassen. Irgendwie ist man an diesen Satz erinnert, verfolgt man die Diskussion um die Substitution des “Beratungsprotokolls” durch eine “Geeignetheitserklärung” im Finanzmarktnovellierungsgesetz. Es sind Sätze wie die des Finanzpolitischen Sprechers der SPD-Bundestagsfraktion Lothar Binding in einem Interview, die aufhorchen lassen:

“Die europäische Finanzmarktrichtlinie MiFID II, die bis Juli 2016 in deutsches Recht umgesetzt werden muss, sieht “Suitability Reports” vor. In diesen Protokollen muss der Finanz-Profi nur dokumentieren, dass die empfohlenen Produkte zum Bedarf des Kunden passen. Genauso wollen wir die Geeignetheitserklärung gestalten. Sie wird nicht so zeitraubend sein, da nicht jeder Beratungsschritt protokolliert werden muss.”

Es ist das “nur” in diesem Kontext, das Berater nachdenklich machen sollte. Schließlich übernehmen sie auf diesem Wege auch “nur” die Haftung für eine passende Zuordnung ausgewählter Produkte zu individuellen Anlegerbedürfnissen.

Für den Fall der Realisierung dieser Art der Geeignetheitserklärung wäre die Politik in meinen Augen ihrem Ziel, bei eintretenden Störfällen in der Wertschöpfungskette die Verantwortungen den Beratern oder Produktanbietern besser zuweisen zu können, einen großen Schritt vorangekommen. Aus Sicht der Politik und der Verbraucher legitim. Für Berater und Anbieter läge die Schlinge indes enger um den Hals, was sie Erklärungen und Zielmarktbeschreibungen sorgfältig formulieren lassen sollte.

Erschienen in der Print-Ausgabe von Das Investment

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