Der Zins ist verschwunden, die Anleihen bleiben

Der Zins ist verschwunden, eine ganze Weile schon,
der Kupon vieler Anleihen damit kein „Ertragsbringer“ mehr.
Besser raus mit den Anleihen aus den Depots? Bloß nicht!

 

 

Es gibt diese mehr oder weniger intelligente Phrase: „Früher war alles besser!“ Am Stammtisch oft verwendet – wenn es um Fußball geht, das heimische Schützenfest oder Politik. Ich habe sie neulich gehört, nicht in der Kneipe, sondern am Gartenzaun; von meinem Nachbarn, der einige Tage zuvor mit seinem Bankberater gesprochen hatte. „Früher war alles besser. Da gab es noch Zinsen. Vier oder fünf Prozent.“ Lange ist das her. Ich wurde zuletzt oft gefragt, ob mein Job als Rentenfonds-Manager nicht gänzlich trist sei, weil sich heute schlicht und einfach nichts mehr verdienen lasse mit Anleihen. Man letztlich also nur verlieren könne. Eine „Mission: Impossible“ gewissermaßen. Das Gegenteil ist der Fall: Nie war der Job interessanter, weil nie anspruchsvoller. Und ja, mit Anleihen lassen sich nach wie vor ordentliche Renditen erzielen. Man muss nur sehr viel akribischer danach suchen. „Mission: Possible“.

„Buy and hold“ ist tot

Wer heute in Anleihen investiert, sollte sich von Liebgewonnenem verabschieden. Eine Anleihe zu kaufen, sie bis zur Fälligkeit zu halten und sich einmal im Jahr über den Zinskupon zu freuen – das funktioniert nicht mehr. Weil der Kupon in den allermeisten Fällen schlicht keine oder zu wenig Rendite bringt. Das klassische „Buy-and-hold“, wie es der Experte gerne nennt, das Kaufen und Liegenlassen, ist tot. Soweit die schlechte Nachricht. Die gute dagegen lautet: Eine Anleihe hat mehr als nur eine Ertragskomponente, also mehr als nur den Zinskupon. Da wäre beispielsweise der potenzielle Kursgewinn. Der gute Kaufmann schaut, dass er günstig einkauft und dann später teurer verkauft. Es gibt immer wieder Marktphasen und Situationen, in denen einzelne Titel über Gebühr abgestraft werden. Diese Gelegenheiten müssen Investoren erkennen und dann auch nutzen. Für einen Fondsmanager ist es daher heute umso wichtiger, über eine ausreichend große Liquiditätsreserve zu verfügen. Sie verschafft ihm die Flexibilität, Gelegenheiten wahrnehmen zu können. Denn eines hat uns die Geschichte gelehrt: Die Gelegenheiten werden kommen. Wenn nicht heute oder morgen, dann möglicherweise übermorgen. März und April etwa waren für uns sehr gute Monate. Weil die Kurse vieler Anleihen von erstklassigen Emittenten an der Börse über Gebühr abgestraft wurden.

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