Drahtseilakt der Notenbanken

Die Preise steigen rasant. Eigentlich ein Fall für die Notenbanken, die den Wert des Geldes stabil halten sollen. Aber ihre Möglichkeiten sind begrenzt.

Die Inflation ist zurück. Im September stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland so stark wie seit 29 Jahren nicht mehr. Die Erzeugerpreise lagen im August sogar um zwölf Prozent über dem Vorjahreswert, was den höchsten Anstieg seit Dezember 1974 bedeutet. In der Eurozone fiel die Inflationsrate zuletzt mit 3,4 Prozent etwas niedriger aus, weil sich der deutsche Mehrwertsteuereffekt hier nicht so stark auswirkt. Sie markierte damit aber dennoch den höchsten Stand seit September 2008. In den USA stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr bereits vier Monate in Folge um mindestens fünf Prozent. Selbst die Kerninflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel betrug vier Prozent – ein Niveau, das zuletzt 1991 erreicht wurde.

Die Ursachen für diesen Inflationsschub liegen in einer Kombination aus starker Nachfrage und einem pandemiebedingt knappen Angebot vieler Güter sowie einem deutlichen Anstieg der Energie- und Strompreise. Vor allem in den USA haben großzügige staatliche Hilfsprogramme viel Geld in die Taschen beziehungsweise auf die Konten der Verbraucher gespült. Dieser Corona-Schub spiegelt sich auch im starken Anstieg der Geldmenge wider. Seit Februar 2020 ist die Geldmenge M2 (Bargeld + Einlagen von Nichtbanken bei Kreditinstituten + Geldmarktfonds von Privatanlegern) bis Ende September 2021 um 34 Prozent gestiegen, was einer jährlichen Wachstumsrate von 22 Prozent entspricht.

Nachdem die Mittel aus Vorsichtsgründen zunächst gespart wurden, flossen sie zunehmend in den Konsum (Autos, Elektronik, Textilien, Reisen etc.). Inflation ruft naturgemäß die der Geldwertstabilität verpflichteten Notenbanken auf den Plan. Lange Zeit lag diese unter der Zielmarke der Notenbanken, die alles unternommen haben, um endlich die gewünschten zwei Prozent zu erreichen.

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