9. April 2020 1130 Views

Globaler Schuldensumpf

Weltweit schnüren Regierungen in der Coronakrise milliardenschwere Hilfspakete.
Das treibt die Staatsverschuldung in ungeahnte Höhen, wie eine Studie des
Flossbach von Storch Research Institute zeigt.

 

Die Coronakrise lässt die Wirtschaft stillstehen. Wie lange, ist nicht absehbar. Weltweit versprechen Regierungen ihren Bürgern und Unternehmen auch deshalb enorme Summen, um die ökonomischen Folgen des Stillstands abzufedern. Diese Maßnahmen dürften einen noch stärkeren fiskalischen Schaden verursachen als die Finanzkrise (2008-2009) und die europäische Staatsschuldenkrise (2011-2012).

Denn: Eine scharfe Rezession, wie sie durch die Coronakrise in vielen Ländern zu erwarten ist, hat in der Regel schmerzhafte fiskalische Konsequenzen. Weil in solchen Zeiten das Bruttoinlandsprodukt (BIP) einer Volkswirtschaft sinkt, verringert sich der Nenner der Staatsschuldenquoten. Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, erhöhen dann die Staaten ihre Ausgaben. Das wiederum erhöht oft parallel das öffentliche Defizit, und damit den Zähler dieser Kennzahl.

Schuldenexplosion in der Finanzkrise

Wie stark eine solche Schuldenexplosion sein kann, zeigt der Anstieg der Schuldenquote der G7-Gruppe zwischen 2007, dem Jahr vor der Finanzkrise, und 2012, dem Jahr nach der Euro-Schuldenkrise: Damals stieg die Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt im Durchschnitt um 40 Prozent. Nur wenige Länder haben in den konjunkturell guten Jahren nach 2012 ihre Schuldenlast reduziert.

Nun zeichnet sich im Zuge der Coronakrise eine neue Schuldenwelle ab. Um die Auswirkungen der geplanten staatlichen Maßnahmen und der Wirtschaftsabschwächung abzuschätzen, nehmen wir beispielhaft an, dass das nominale BIP in diesem Jahr um fünf Prozent sinken wird. Dieser prognostizierte Einschnitt fällt höher aus als in der Finanzkrise, weil die ökonomischen Folgen des derzeitigen Stillstands unseres Erachtens wohl wesentlich gravierender werden. Zudem haben wir die bisher angekündigten fiskalischen Maßnahmen der Regierungen (Stand 26. März 2020) als Grundlage herangezogen, obwohl auch hier jederzeit Änderungen möglich sind.

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