Ausblick für Hedgefonds-Strategien im 3. Quartal

Ausblick für Hedgefonds-Strategien im 3. Quartal

Zu Beginn jedes Quartals geben Ihnen die bei Franklin Templeton’s K2 Advisors für Research und Portfoliokonstruktion zuständigen Teams einen Ausblick zu Hedge-Strategien. Wir sind der Ansicht, dass derartige Einblicke Anlegern und Finanzberatern helfen können, die Argumente für den Erwerb von Publikumsfonds mit Hedge-Strategien besser zu verstehen.

> Ausblick für das dritte Quartal: Ein Vertrauensvorschuss
> European Long/Short Equity – entspannt in den Sommer
> Die unterschiedliche Politik der Zentralbanken Verheißt möglicherweise Gutes für Relative Value-Strategien – Festverzinsliche Anlagen
> Makroökonomisch ausgerichtete Strategien entwickeln sich im Nachgang breit angelegter Kursabschwünge meist positiv

Ausblick für das dritte Quartal: Ein Vertrauensvorschuss


Zu Beginn des dritten Quartals gilt unser Augenmerk vor allem den Maßnahmen der US-Notenbank (Federal Reserve, Fed). Diese hat ihre Zinsen im Zuge einer offenkundigen Normalisierung ihrer Geldpolitik, die bereits im Dezember 2015 eingesetzt hatte, nun zum vierten Mal angehoben. „Aus Anlegersicht schätzen wir die Entscheidung der Fed für eine Anhebung ihrer Zinsen positiv ein – insbesondere vor dem Hintergrund der Divergenz zwischen der US-Politik und der aktuellen Strategie anderer bedeutender Zentralbanken wie etwa der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of Japan (BOJ), die weiterhin auf gelockerte monetäre Programme setzen. Diese Unterschiede sollten aktiven Hedge-Fonds-Managern attraktive Chancen auf eine alpha-zentrische Performance bieten.
Aus makroökonomischer Sicht schätzen wir die Entscheidung der US-Notenbank jedoch zurückhaltender ein. Damit wollen wir nicht andeuten, dass wir den Schritt für falsch halten – wir behaupten nicht, besser als Yellen und ihre Kollegen zu wissen, welches Vorgehen in der aktuellen Situation angebracht ist. Aus deren Sicht – und vor dem Hintergrund ihres Mandats, die Stabilität der Wirtschaft zu fördern – könnte man durchaus sagen, dass ihnen nicht viel anderes übrigblieb als zu handeln.
Dennoch gibt es einige unter uns, die der Ansicht sind, dass die Fed ihre Zinsen nicht anheben sollte, wenn die Kerninflation so niedrig ist. So hat sich Neel Kashkari, der Präsident der Minneapolis Fed, sogar ausdrücklich gegen die Entscheidung ausgesprochen. Kashkari weist darauf hin, dass der Markt zuletzt gemischte Signale geliefert hat. Der angespannten Lage am Arbeitsmarkt steht eine schwächere Inflation gegenüber. In einem Schreiben vom 16. Juni erklärt er seine Ablehnung folgendermaßen:
„Einerseits bin ich instinktiv geneigt, der Logik zu folgen… ein angespannter Arbeitsmarkt sollte zu einem stärkeren Wettbewerb um Arbeitskräfte führen, was höhere Löhne nach sich ziehen sollte. Früher oder später werden Unternehmen diese Kosten teilweise an ihre Kunden weiterreichen müssen, was zu einer höheren Inflation führen sollte. Andererseits stützen die Zahlen dieses Szenario nicht. So geht die Kerninflation aktuell zurück, während sich die Lage am Arbeitsmarkt verschärft.
Die Daten decken sich also nicht ganz mit der These der Fed. In gewisser Hinsicht könnte die Entscheidung für eine Zinserhöhung also als Vertrauensvorschuss gewertet werden. Kurz gefasst: als Vertrauen in die Wirtschaftstheorie gegenüber der Realität. Denn obwohl sich die Lage am Arbeitsmarkt seit März verschärft hat, scheinen wir uns dem Inflationsziel der Fed nicht zu nähern.
Unserer Einschätzung nach spiegelt sich hier eine gewisse Mentalität des „mal sehen, was hängenbleibt“ wider. Wir behaupten dies, da in Realität kaum jemand einschätzen kann, was genau auf uns zukommt. Das Thema Volkswirtschaft ist zweifellos äußerst komplex. Ungeachtet des Reifegrads oder der intellektuellen Tiefe der verschiedenen von modernen Akademikern angewandten Modelle liefern ihre Analysen letzten Endes alles andere als verlässliche Erkenntnisse über das tatsächlich zu beobachtende Verhalten. Ähnlich wie in der Meteorologie, wo während der letzten Jahrzehnte (trotz des exponentiellen Anstiegs der Rechenleistung über denselben Zeitraum hinweg) kaum Fortschritte bezüglich der Vorhersagegenauigkeit erzielt wurden, lässt sich die Praxis der Modellierung von Volkswirtschaften im Grunde genommen weiterhin bestenfalls als schwammig bezeichnen. Da eine unbegrenzte Anzahl an Faktoren vor einem dynamischen Hintergrund sich ständig weiterentwickelnder Märkte wirkt, ist es so gut wie unmöglich, kausale Zusammenhänge vorherzusagen. Wie schon Albert Einstein so treffend formulierte: „Soweit sich die Gesetze der Mathematik auf die Wirklichkeit beziehen, sind sie nicht sicher; soweit sie sicher sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit“.
Die Inflationserwartungen scheinen zu stagnieren und könnten sogar allmählich sinken. Vielleicht hätten wir weitere Daten abwarten sollen, um zu sehen, ob der jüngste Rückgang der Inflation in der Tat „vorübergehend“ ist, wie die Erklärung Yellens nahezulegen scheint. Vielleicht aber auch nicht. Kommt Zeit, kommt Rat.
European Long/Short Equity – entspannt in den Sommer
Ungeachtet dessen, was sich im Hinblick auf Wirtschaftswachstum und Inflation in Nordamerika letztlich herauskristallisiert – bezüglich der direktionalen Unterstützung, die derzeit in Europa für Long Short Equity-Anlagen zu verzeichnen ist, sind wir weiterhin zuversichtlich.
Bewertungen europäischer Aktien erscheinen gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis günstig

S&P 500 Total Return Index STOXX Europa 600 EUR Index STOXX Europa 600 USD Index Stand: 1. Mai 2017 Quelle: Bloomberg, S&P Dow Jones, STOXX. Weitere Informationen zu Datenanbietern finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com.

Die europäischen Aktienmärkte haben auch weiterhin von relativ günstigen Bewertungen, besserem Ertragswachstum und einer allgemeinen globalen Reflation profitiert. Nachdem die meisten Probleme des Bankensektors nun gelöst sind, scheint Europa in einer guten Position zu sein, um neuerliches Wachstum zu erzielen. Darüber hinaus rechnen wir damit, dass das Alpha-Umfeld auch weiterhin robust bleiben wird, da bestimmte Unternehmen, Sektoren und Länder dank ihrer Positionierung stärker hiervon profitieren werden als andere. Auch wenn sich bislang noch keine Marktvolatilität eingestellt hat, sind die Korrelationen zurückgegangen, während die Dispersion gestiegen ist. Dies schafft ein ausgezeichnetes Umfeld für eine fundamentale Titelselektion. So hat die starke Abwertung des britischen Pfunds beispielsweise eine bessere Trennung und Ertragsvarianz zwischen den Unternehmen, die stärker von Exporten profitieren, und denjenigen geschaffen, bei denen dies nicht der Fall ist. Während die Zinsen innerhalb der Region allmählich ansteigen, sollte sich das Umfeld für Long Short-Anlagen weiter verbessern.

Während der letzten Monate haben wir zudem interessante Sektorrotationen beobachtet, beispielsweise hin zu Finanz- und Technologiewerten, während einige der defensiven Energiesektoren und rohstoffbezogene Anlagen zurückgefallen sind. Diese Dynamik hat Managern die Gelegenheit geboten, qualitativ hochwertige Long-Positionen gegenüber relativ effizienten Marktabsicherungspositionen einzusetzen.

Die unterschiedliche Politik der Zentralbanken Verheißt möglicherweise Gutes für Relative Value-Strategien – Festverzinsliche Anlagen

Der unterschiedliche Kurs der Zentralbanken der führenden globalen Volkswirtschaften wird voraussichtlich bessere direktionale Anlagechancen eröffnen. Die Teilnahme direktionaler Käufer und Verkäufer von Anleihen sollte zu stärkeren Marktineffizienzen zwischen Barmitteln, Anleihen und Futures führen, wovon weniger direktionale Relative Value-Strategien profitieren sollten.

Aufgrund der vorherrschenden Anlegerpositionierung sehen wir Relative-Value-Chancen im Fixed-Income-Bereich

Stand: 1. Mai 2017 1. Stellvertretend für den Markt steht der JPM Domestic HY Index. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. Quelle: JP Morgan. Weitere Informationen zu Datenanbietern finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com.

Die Manager dieser Strategie finden insbesondere in zwei Hauptbereichen Chancen: länderübergreifende Arbitrage und sektorübergreifende Arbitrage. Nachdem die Fed nun ihre Zinsen zum vierten Mal seit Dezember 2015 angehoben hat, signalisiert sie unmissverständlich ihre Absicht, das Zinsniveau künftig zu normalisieren. Gleichzeitig verfolgen die EZB und die BOJ auch weiterhin einen eher gelockerten Ansatz. Diese gegenläufige Politik könnte Unterschiede zur Folge haben, die abgesicherte Chancen eröffnet, beispielsweise bei Short-Positionen auf US-Staatsanleihen gegenüber Long-Positionen auf Anleihen aus der Eurozone.
Makroökonomisch ausgerichteter Commodity Trading Advisor (CTA)
Angesichts der vorherrschenden Kombination aus stärkeren Trendfolgebedingungen und verringerten Korrelationen zwischen Anlagen sind wir bezüglich makroökonomisch orientierter CTA-Strategien („Commodity Trading Advisor“-Strategien bezeichnen systematische Trendfolge- und Momentum-Handelsstrategien) optimistisch. Die geringe Volatilität an allen bedeutenden Märkten sorgt zwar auch weiterhin für ein schwieriges Umfeld (insbesondere für preisbasierte systematische Manager), uns gefällt jedoch auch die geringe Korrelation der Strategie mit herkömmlichen Anlageklassen sowie die potenziell risikomindernden Eigenschaften unter bestimmten Marktbedingungen.

Makroökonomisch ausgerichtete Strategien entwickeln sich im Nachgang breit angelegter Kursabschwünge meist positiv

Barclay BTOP50 Index Drawdown (links) Barclay BTOP50 Value Added Monthly Index (rechts) Stand: 1. Mai 2017 Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. Quelle: Franklin Templeton.

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