Mark Schnieder

Warum aktives Risikomanagement weiterhin sinnvoll ist

Der europäische Aktienindex Euro Stoxx erzielte im Jahr 2020 eine Rendite von ca. 1%, der DAX fast 4% und der S&P 400 sogar mehr als 13%. Diese Zahlen täuschen darüber hinweg, dass wir uns seit mehr als 10 Monaten in einer Pandemie befinden und damit – historisch gesehen – sowohl ökonomisch als auch gesellschaftlich in einer beispiellosen Situation. Einige Politiker bezeichnen die aktuelle Situation als größte Herausforderung seit dem zweiten Weltkrieg. Die Ergebnisse der Aktienindizes scheinen zu dieser Situation gar nicht zu passen, denn das Börsenjahr 2020 war in vielerlei Hinsicht von Extremen gekennzeichnet.

Das Jahr 2020 begann mit einem Allzeithoch nach dem anderen. Nach einer mehr als 10-jährigen Börsenrallye folgte dann mit der Pandemie die schnellste Korrektur in der Börsengeschichte. Die Verluste der besagten Indizes waren mit ca. 40% reichlich schmerzhaft. Die Angst, dass durch die weltweiten Auswirkungen der Pandemie die Verluste noch größer werden könnten, trat in den Vordergrund.

Abbildung 1: Wertentwicklung europäischer und US-Indizes im Jahr 2020

In dieser höchsten Not sprangen die Staaten und Notenbanken ein und stellten in noch nie dagewesener Fülle ein gewaltiges Hilfsprogramm auf die Beine.  So folgten Zinssenkungen, zusätzliche Liquidität für Banken und konkrete Finanzhilfen für Unternehmen und Privatpersonen, um nach der Finanzkrise und der Eurokrise ein weiteres Mal die (Finanz-)Welt zu retten. Dieses weitere Extrem verhalf den Aktienmärkten nach der schnellsten Korrektur zur wiederum schnellsten Erholung aller Zeiten, sodass die Aktienmärkte die Verluste wieder aufholten.

Weitere Ereignisse wie die schnelle Verfügbarkeit von Impfstoffen sowie die ebenfalls als ungewöhnlich zu bezeichnende US-Wahl und letztlich die „Brexit-Einigung“ zwischen EU und Großbritannien – im wahrsten Sinne – in letzter Minute trugen zusätzlich zum positiven Ergebnis des Börsenjahres 2020 bei.

Waren verlustreduzierende Strategien zum Ende des ersten Quartals stark nachgefragt, war die Risikoaversion wenige Monate später wieder vollständig verschwunden. In der Rückbetrachtung hat sich das Aussitzen der Krise besonders für passive Strategien dieses Mal bewährt. Aktive Allokationsstrategien hatten in 2020 trotz erfolgreicher Verlustreduzierung das Nachsehen. Schnelle Trendwechsel sind dabei immer eine besondere Herausforderung. Und das gilt insbesondere für die schnellen Kehrtwendungen im Kontext der Corona-Pandemie. Und so scheint auch der Greiff Systematic Allocation Fund bei Betrachtung der absoluten Performance zu enttäuschen (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Entwicklung des Fonds Im Jahr 2020 im Vergleich zu Aktienindizes

Es stellt sich nun die Frage, ob aktives Risikomanagement in Anbetracht massiver Wirtschaftshilfen dann überhaupt noch Sinn macht.

Eine alleinige Betrachtung der Jahresrendite darf unseres Erachtens nicht der Maßstab sein. Es sollte vielmehr auch das Risiko im Blick behalten werden! So konnte der Greiff Systematic Allocation Fund sein wichtigstes Versprechen einlösen. Denn trotz des Turbo-Crashs, der kaum Zeit zum Handeln ließ, konnte der Fonds die Verluste überzeugend reduzieren. Während die Indizes ca. 40% verloren, begrenzte der Fonds den Verlust auf maximal 17%. Für risikoaverse Investoren ist das ein entscheidendes Gütekriterium. Und so lässt sich auch mit diesem Nachteil leben: Die Strategie des Greiff Systematic Allocation Fund hinkt bei schnellen Erholungsphasen – und somit auf kurze Sicht – zunächst hinterher. Langfristig gesehen ist dieses aber nicht entscheidend. Denn die hohen Verluste der Aktienmärkte müssen nicht wieder aufgeholt werden. Somit kann der Fonds zeitweise auch nur mit geringem Risiko investiert sein. Für Anleger ergibt sich ein kalkulierbarer Mehrwert, denn durch das geringe Risiko-Exposure werden sie vor weiteren Verlusten geschützt. In den unüberschaubaren Phasen nach der Corona-Korrektur bedeutete das für den Anleger deutlich ruhigere Nächte.

Wenn auch die Mittel der amerikanischen Notenbank als nahezu unendlich gelten, so können Notenbanken und Staaten doch an ihre Grenzen kommen, wie in der Euro-Staatsanleihen-Krise deutlich wurde. Ein Ausfall eines Landes wie Italien oder Spanien könnte gegebenenfalls nicht ohne weiteres kompensiert werden. Und auch Hilfsmaßnahmen von Regierungen können nicht unendlich fortgeführt werden. Deshalb sind Szenarien denkbar, in denen aktives Risikomanagement das letztendliche Mittel der Wahl ist, um Schlimmeres zu vermeiden.

Das Ausmaß an Aktivität im Greiff Systematic Allocation Fund kann im Jahr 2020 sehr gut beobachtet werden. In Abbildung 3 ist zu erkennen, dass die Aktienquote zu Beginn des Jahres bei ca. 95% lag. Mit der Corona-Krise wurde diese dann sehr schnell auf 0% abgesenkt, um anschließend behutsam, aber stetig, mit zunehmender Krisenbewältigung und Erkenntnis über wirtschaftliche Auswirkungen der Pandemie, wieder auf letztlich 72% anzusteigen.

Wie lässt sich diese Erkenntnis nun abschließend zusammenführen?
Der Fonds konnte im Börsenjahr die Verluste zwar eindrucksvoll begrenzen, enttäuschte vordergründig aber am Ende bei der Jahresrendite. Sollte die Strategie des Greiff Systematic Allocation Fund nun aufgrund der Erkenntnisse des Jahres 2020 angepasst werden? Die Antwort ist klar: „Nein“! Denn die seit 2004 erprobte Strategie des Fonds hat bereits ähnliche Phasen gemeistert. So musste auch Ende 2018 die Aktienquote deutlich reduziert werden, um die Verluste des Aktienmarktes abzufedern. Im Jahr 2019 konnte trotzdem eine überdurchschnittliche Rendite erzielt werden (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Entwicklung des Fonds seit Auflage

Es gilt weiterhin: Das zurückhaltende und daraus resultierend risikoarme Verhalten nach einer Extremkrise ist durchaus gewollt. Denn der Tiefpunkt einer Korrektur ist selten vorhersagbar und um Verluste mit hoher Sicherheit begrenzen zu können, ist diese prozyklische und vorsichtige Vorgehensweise absolut notwendig.

Wie bei den vergangenen Krisen gilt auch diesmal: Der Corona-Pandemie folgen wieder ruhigere Marktphasen, die Potenzial für weitere Kursgewinne bieten. Wenn im Vorfeld nicht so viel verloren wurde, fällt es leichter, eine Zeit lang der Gier zu widerstehen und entspannt abzuwarten. Mit der lang erprobten Strategie des Greiff Systematic Allocation Fund ist dies möglich.

Entwicklung zum Monatsende

Mit der zuletzt erhöhten Aktienquote konnte der Fonds die anfänglichen Verluste reduzieren und erzielte eine Jahres-Performance von -7,7% (I-Tranche) und -8,1% (R-Tranche). Die Monatsperformance im Dezember belief sich auf +1,6% für beide Tranchen.

Die Aktien im Fonds konnten dabei im Dezember mit ca. +1,9% und die Anleihen mit -0,3% zum Ergebnis beitragen. Seit Auflage erzielte der Fonds eine Rendite von -0,4 % (-1,4% R-Tranche) mit einem maximalen Drawdown von 17% bei einer Volatilität von 8,1%.

Das Portfolio war zum Stichtag mit 40% in US-Aktien und 32% in Euro-Aktien investiert (Netto-Exposure). Des Weiteren befanden sich ca. 20% des Fonds in US-Treasuries und 4% in europäische bzw. Bundesanleihen. 4% waren in Kasse angelegt.

Abbildung 4: Aufteilung des Fondsbestands zum Monatsultimo


Weitere Informationen

Ein Interview mit dem Fondsmanager des Greiff Systematic Allocation Fund aus den Zeiten vor der Corona-Krise finden Sie hier:

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