Greiffbar – Investments zum Anfassen

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

  • Vorspeise: Gold
  • Hauptgang: Zinsen
  • Dessert: Fleischlos

Es ist angerichtet

Seit Wochen verharrt der Goldpreis in einer stabilen Seitenlage, bis vor wenigen Tagen die Nachfrage von Finanzinvestoren den Goldpreis an eine wichtige Marke geführt hat. Man könnte sagen, es ist angerichtet. Bei einem Preisniveau von 1350 Dollar liegt ein massiver Widerstand, der den ein oder anderen Goldgenießer bereits mehrfach schlucken ließ. Gemundet hat die Preisentwicklung bei Gold aber in den letzten Jahren kaum jemandem. Steigt der Goldpreis nachhaltig über die 1350 Dollar, so ist dies nur die Vorspeise für mögliche neue Geschmacksexplosionen, die den Gourmets dieser Anlageklasse wieder Freude bereiten werden. Fazit: Genau beobachten und dann genießen.

Magerkost ist angesagt

Die Zinsen sind seit geraumer Zeit nicht nur mager, sondern auch von besonders langer Dauer tief. Und schenkt man den Indikatoren glauben, so könnte die US Notenbank noch in diesem Jahr wieder mit Zinssenkungen beginnen. Ja, sie haben richtig gelesen: Das Hauptgericht der Deutschen, die Zinsanlage, bleibt weiterhin Magerkost. In den USA haben wir zudem ein besonderes Schmankerl: Da wird der Hauptgang vor der Vorspeise serviert. Eine inverse Essenstruktur würde man dies wohl nennen. Da es dieses aber nicht gibt, bleiben wir bei den Zinsen: Die kurzfristigen Zinsen sind dort höher als die langfristigen. Der Restaurantkritiker würde wohl in so einem Fall den baldigen Niedergang des Restaurants prognostizieren. Und genau so halten es die Auguren an den Kapitalmärkten: Inverse Zinsstrukturkurven sind Vorboten einer anstehenden Rezession. So war es zumindest häufig in der Vergangenheit. Und weil man gerne einfache Rezepte hat, so muss es auch in der Zukunft sein. Kurzum: Manchmal schmecken Gerichte anders, auch wenn man die gleichen Zutaten verwendet. Die Rezession könnte erst viel später als gedacht serviert werden.

Zum Schluss das Sahnehäubchen

Die Börsengänge der vergangenen Monate liegen den meisten Investoren eher schwer im Magen. Überwiegend Kursverluste nach dem Gang aufs Parkett waren angesagt. Ein Sahnehäubchen unter den ungenießbaren (Börsen)Gängen gab es jedoch: Beyond Meat. Fast sagenhafte 600% hat der Wert seit seinem Börsendebüt zugelegt und damit Erstanlegern das Leben ordentlich versüßt. Nicht zuletzt die Kapitulation der Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt haben, schoben den Kurs des Fleischersatzproduzenten Beyond Meat auf zuckersüße Höchstkurse. Vielleicht kennen Sie die Versuchung, wenn sie vor dem Regal eines Zuckerbäckers oder Konditors stehen und all die Leckereien einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Genauso geht es anscheinend vielen Jungbörsianern, die von Beyond Meat schwärmen und nicht genug von diesem Dessert bekommen können. Bevor sie der Zuckerschock ereilt ein guter Ratschlag: Auch Zukunftsaktien mit lohnendem Marktpotenzial in der richtigen Wachstumsbranche können sich nicht freimachen von vernünftigen Bewertungsmaßstäben und diese sind bei Beyond Meat inzwischen längst überschritten. Geben sie sich also nicht der Versuchung hin. Wie wäre es denn mit Beyond Your Dreams statt mit Beyond Meat? Dazu mehr in der nächsten Woche.

Ihr Volker Schilling

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