Greiffbar - Investments zum Anfassen von Volker Schilling

Greiffbar – Investments zum Anfassen

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

  • Ursula von der Leyen ersetzt Jean-Claude Junker
  • Christine Lagarde ersetzt Mario Draghi
  • Fleisch ersetzt Gemüse

Uschi, mach kein Quatsch

Schlagerbarde Stephan Sulke trällerte es schon in den Achtzigern: Uschi, mach kein Quatsch! „Weil ich sonst noch den Kopf verlier“, heißt es im Songtext weiter. Den Kopf haben mit Sicherheit einige verloren, als das europäische Duo Merkel und Macron entschied, Frau von der Leyen als Kommissionspräsidentin vorzuschlagen. Allen voran der Spitzenkandidat Manfred Weber, der damit im Wahlsieg verliert. Aber auch alle anderen Spitzenkandidaten sind einen Kopf kleiner, denn keiner, der den Bürgern zur Wahl stand, ist es geworden. Ein kleiner Trost: Das deutsche Wort „Spitzenkandidat“ ist inzwischen international gebräuchlich. Frau von der Leyen, deren Geburtsort Brüssel ist, hat zwar durch die Ausgangslage einen schwierigen Stand, könnte aber auf europäischer Ebene punkten. Sie spricht die wichtigsten Sprachen Europas fließend, hat Erfahrung auf dem internationalen Parkett und ist eine starke Verfechterin der europäischen Idee. Fazit: Schwieriger Start, aber gute Ausgangslage. Wir sollten nicht von Beginn an nur kritisieren, sondern auch einmal stolz darauf sein, dass wir Europas Chefin stellen.

Je ne regrette rien – Ich bereue nichts

Wenn Deutschland den Kommissionspräsidenten stellt, dann stellt Frankreich den Chef der Europäischen Notenbank EZB. Und keine geringere als Christine Lagarde, die amtierende Chefin des internationalen Währungsfonds IWF, ersetzt den scheidenden Mario Draghi. Immerhin eine, die sich mit Geld und Währungssystemen auskennt, seit Jahren mit den globalen Notenbankchefs auf Augenhöhe verkehrt und eine akzeptierte Persönlichkeit besitzt. Und das Signal an die Staaten Europas: Nicht Deutschland in Person eines Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann übernimmt das Ruder. Ist das wirklich wichtig für Länder wie Italien, Spanien oder Frankreich. Ja, das ist es, denn Christine Lagarde steht wie Mario Draghi für eine Politik des billigen Geldes und auf keinen Fall für eine restriktivere oder gar Sparpolitik. Was heißt das für Anleger: Ein weiteres klares Signal, dass Geld billig bleibt, sprich keine Zinsen abwerfen wird. Konsequenz: Zinspapiere werden noch unlukrativer, was man am Bund Future deutlich ablesen kann und Aktien werden wieder attraktiver, wie der Anstieg der globalen Indices zeigt. Mit anderen Worten: Die Aktienmarktrally ist noch nicht vorbei.

Fleisch ist das neue Gemüse

Fleischersatzhersteller wie Beyond Meat boomen, der Hype um die veganen Burger ist riesig. Doch jetzt wird der Spieß umgedreht: Die Fast-Food-Kette Arby’s bläst zum Gegenangriff – mit Gemüse aus Fleisch. Das US-Unternehmen verspricht eine neue Essenskategorie: “Meat Vegetables”. “Es ist kein PR-Stunt”, versichert ein Arby’s-Sprecher. Bislang probiert die Kette ihre Fleischgemüse-Kreationen noch in der Testküche aus. Ein erstes Produkt – eine Putenbrustkarotte – wurde auch schon präsentiert. Was lernen wir daraus: Jede Bewegung setzt eine Gegenbewegung in Gang. Sehen wir es mal so: Künftig grillen sie den veganen Burger und genießen dazu fleischiges Gemüse. Apropos, genießen Sie das Grillwetter des bevorstehenden Wochenendes.

 

Ihr Volker Schilling

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