Greiffbar – Keine Zeit zu sterben!

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

  • Keine Zeit zu sterben
  • Im Geheimdienst Ihrer Majestät
  • Die Welt ist nicht genug

Keine Zeit zu sterben

Die Handlung: In seiner letzten Mission befindet sich der Doppel-Null Agent Armin L. auf Jamaika. Er muss allerdings feststellen, dass dort alle Ampeln auf Rot stehen. Statt die Lage zu sondieren, muss er sich plötzlich neu sortieren. Der Gegner befindet sich Undercover in den eigenen Reihen. Um zu überleben, sucht er ein Quantum Trost bei den letzten Unterstützern im Casino Royal seiner Fraktion. Doch die wissen schon längst, dass die Lizenz zum Koalieren jetzt bei jemand anderem liegt. Am Ende wirkt Armin L. mehr geschüttelt als gerührt. Der Hauch des Todes liegt über dem Protagonisten, doch dieser sieht aktuell noch keine Zeit zu sterben. Nach dem Motto: „Man lebt nur zweimal“ wird das unvermeidliche Ende deshalb nur an einem anderen Tag sterben. Und so wie auch der aktuelle James Bond Darsteller seinen Hut nehmen wird, wird auch der aktuelle Kanzlerkandidatendarsteller Armin L. keine weiteren Folgen in der Hauptrolle mehr verwirklichen können. Darin gleicht er wohl mehr George Lazenby als Sean Connery oder Daniel Craig. Der Skyfall von Armin L. wird das  und mit Sicherheit einen Feuerball der Erneuerung entfachen. Doch dazu mehr im nächsten Teil dieses Thrillers.

Im Geheimdienst Ihrer Majestät

Der Brexit, der Lockdown und allfällige Coronamaßnahmen haben einem Berufsstand schwer zugesetzt, den Brummifahrern. Insbesondere im Vereinigten Königreich haben diese massenhaft ihre Arbeit im Dienste Ihrer Majestät quittiert. Die Folge: Versorgungsengpässe. An den Tankstellen geht das Benzin aus und besorgte Bürger, die schnell noch Tanken, sorgen diese Woche für den endgültigen Kollaps der Versorgung. Im Dienste Ihrer Majestät steht aber noch das Militär, welches jetzt aushelfen muss, um die Versorgung sicher zu stellen. Derweil treffen Liebesgrüße aus Moskau ein, die ihrerseits die Versorgung mit Gas nicht erhöhen wollen, so dass die nächste Energiekatastrophe über die Insel fegt. Die Gaspreise, seit Jahresbeginn um über 250% gestiegen, können in Großbritannien wegen der staatlichen Gaspreisbindung von den Versorgern nicht an die Verbraucher weitergegeben werden. Die Folge: Bereits zehn Anbieter sind pleite und melden Konkurs an. Die Gasversorgung ist damit ebenfalls in GB bedroht. Ein Krisentreffen jagt das nächste im Wirtschaftsministerium Englands. Eines ist sicher, diese Entwicklungen sprechen nicht für vorrübergehende Inflationssteigerungen, aber für Energieproduzenten. Und wer den Mann mit dem goldenen Colt im russischen Apparat nicht fürchtet, der sollte sich einmal die Gazprom Aktie ansehen. Eines aber zeigen die steigenden Lieferengpässe:

Die Welt ist nicht genug

Oder sollte es besser heißen: „Für die Welt ist es nicht genug“? Es geht um Verteilung, denn wenn Ressourcen knapp werden, dann steigen die Preise. So verwundert es kaum, dass diese Woche die Inflation in Deutschland erstmals seit 28 Jahren wieder über die 4% gestiegen ist. In den USA sind die Zinsen der zehnjährigen Staatsanleihen wieder über die 1,5% Marke gestiegen und sowohl Aktien als auch Anleihemärkte daher verunsichert. Auf der Suche nach dem Goldeneye half auch die Flucht in Gold und Kryptowährungen nichts, da fast zeitgleich die chinesische Regierung den Kryptomarkt verboten und unter Strafe gestellt hat. Alle Anlageklassen sind daher im Gleichklang. Gewöhnen Sie sich schon einmal an diese Korrelation, denn Zeiten mit Inflationszahlen jenseits der 4% haben auch in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass Diversifikationseffekte bei Aktien und Anleihen verloren gehen. Vielleicht bricht dann ja wieder ein „Diamantenfieber“ aus, um auch noch diesen letzten Titel eines James Bond Filmes unterzubringen. Ich werde auf jeden Fall heute Abend den neuen Bond Film im Kino anschauen. Sogar in 3D. Wenn da mal nicht Fiktion und Realität verschwimmt. Fast wie im richtigen Leben.

Ihr Volker Schilling

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