Greiffbar – Megadeals und Frenemies

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

  • Kofferwort
  • Frenemy
  • Glokalisierung

Kofferwort

Wissen Sie, was ein Kofferwort ist?  „Brexit“ oder „Brunch“ wären Beispiele. Kofferworte sind neue Wörter, die zwei Wörter zusammenpacken, wie in einem Koffer. Aus Breakfast und Lunch wird dadurch der Brunch, eben eine Mischung aus Frühstück und Mittagessen. Klingt im Englischen auch besser, als wenn wir daraus im deutschen das FR-ESSEN machen würden. Manchmal wird es auch ein Mix aus den beiden Sprachen, dann nennen wir das „Denglisch“, auch ein Kofferwort. Fusionieren also zwei Wörter und es entsteht etwas Neues, dann zeigt sich die Kreativität der Sprache. Auch an der Börse fusionieren dann und wann so manche Firmen. So wurde diese Woche bekannt, dass Intel angeblich den größten Kauf seiner Firmengeschichte plant. GlobalFoundries ist das begehrte Ziel. Eine noch nicht börsennotierte Firma, die man für 30 Mrd. US-Dollar erwerben will und in der Auftragsproduktion von Computerchips tätig ist. Oder Zoom, die diese Woche bekannt gegeben haben, dass Sie für 14,7 US-Mrd. Dollar den Online-Callcenter-Anbieter Five9 übernehmen möchten. Während Intel dies aber aus der Kasse stemmen kann, will Zoom dafür eine Kapitalerhöhung durchführen. Wie auch immer, solche Megadeals sind meist fragwürdig und im Vergleich zu den Kofferworten entsteht dabei meist keine sinnvolle neue Bedeutung. Apropos, wussten Sie eigentlich, dass viele börsennotierte Unternehmensnamen auch Kofferorte sind? OSRAM zum Beispiel ist nach den Elementen Osmium und Wolfram benannt, verschwindet aber nach einem Delisting bald von der Börse. Oder Siemens Healthineers, das sich aus Healthcare und Engineer oder Pioneer gebildet hat. Vielleicht kennen Sie auch diesen Begriff:

Frenemy

Es gibt Konstellationen, da ist man Freund und Feind zugleich, ein Frenemy eben. Russland ist so etwas für uns. Diese Woche wurde für den Freund Russland der Weg frei gemacht zur Fertigstellung und Betrieb der neuen Gas-Pipeline Nord Stream 2. Man einigte sich mit den USA und damit ist der Weg für die freundschaftliche Energietrasse frei. Trotzdem ist und bleibt politisch Russland auch der Feind, als Aggressor in der Ukraine und in Syrien. Der Umgang mit Menschenrechten und Demokratieverständnis dürften wohl auch eher in die Kategorie Enemy fallen. Aber Energiesicherheit scheint ein großer Treiber für Einigung zu sein. So gab diese Woche auch die OPEC bekannt, dass man sich untereinander wieder mag. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate scheinen auch eine Frenemy-Beziehung zu pflegen. Ergebnis: Ab August wird es jeden Monat 400.000 mehr Barrel Öl auf dem Weltmarkt geben. Der Ölpreis sollte sich daher um die 75 Euro einpendeln. Gute Nachrichten für die Weltgemeinschaft, die momentan eher auf diesem Pfad ist:

Glokalisierung

Nach der jahrzehntelangen Globalisierung wollen viele Staaten und auch ihre Bürger wieder eine Besinnung auf die Lokalisierung. Lieferketten sollen wieder zurück ins Land geholt werden, Nahrung soll vor Ort angebaut werden. Oder lokal kann man auch alle Beschränkungen für eine Pandemie aufheben. So geschehen diese Woche in Großbritannien, wo man am Freedom Day alle Maßnahmen zur Covid-Bekämpfung beendet hat. Wir werden sehen, ob diese Entscheidung wirklich so lokal bleibt. Wie Glokalisierung richtig funktioniert hat Tesla diese Woche gezeigt. Dort kündigt man an, dass man seine globale Ladeinfrastruktur künftig auch lokalen Anbietern, sprich anderen E-Auto-Anbietern, zur Verfügung stellen will. Mit dieser guten Nachricht beende ich die heutige Kofferwortausgabe, packe meinerseits den Koffer und schreibe Ihnen nächste Woche aus dem Urlaub. Genießen Sie ebenfalls den Sommer und seien Sie kein Smombie und chillaxen auch mal wieder. In diesem Sinne.

Ihr Volker Schilling

Weitere Greiffbar-Ausgaben lesen
Zurück Sustainability-Linked Bonds: ‚The New (Green) Kid on the Block‘
Nächste Impact durch nachhaltige Kapitalanlage: Walk or Talk?