Jahresbericht Greiff Systematic Allocation Fund

Der Greiff Systematic Allocation Fund feierte zum Monatswechsel seinen ersten Geburtstag. Ein guter Zeitpunkt, die Entwicklung des Fonds Revue passieren zu lassen. Doch zunächst ein kurzer Blick auf die Strategie:

Die Ziele des Greiff Systematic Allocation Fund sind, von der langfristig attraktiven Anlageklasse Aktien zu profitieren, und gleichzeitig sollen Drawdowns möglichst niedrig gehalten werden. Um diese Ziele zu erreichen, wird die Aktienquote im Fonds aktiv und flexibel gesteuert. Da die Allokation eines Portfolios maßgeblich für die Performance verantwortlich ist, ist es entscheidend, dass Allokationsanpassungen systematisch und nach vorgegebenen Regeln erfolgen, und genau dies ist hier der Fall.

Der Fonds startete in einer Phase (November 2018), in der sämtliche Marktteilnehmer davon ausgingen, dass die Zeit der Börsenhausse nach 9 Jahren nun zu Ende ist. Die seit Monaten über den Märkten schwebenden Risiken schienen jetzt endlich ihren Tribut zu fordern: Insbesondere die lahmende Weltwirtschaft, angefacht durch die Handelsstreitigkeiten zwischen USA und China (aber auch Europa, Kanada, Mexico, etc.), den Brexit, Budget-Streitigkeiten zwischen EU und einigen Mitgliedsstaaten gemischt mit einer Popularisierung der Politik an den linken und rechten EU-feindlichen Rändern, aber auch die militärischen Auseinandersetzungen standen prominent im Fokus.

Doch es kam schließlich völlig anders als erwartet. Das Jahr 2019 entpuppte sich – trotz der Anzahl an potenziellen Brandherden – bis dato als ein positives Aktienjahr mit einer Entwicklung von +20% (Eurostoxx und S&P 500) und einer insgesamt recht niedrigen Volatilität. Der Großteil dieser positiven Entwicklung wurde in den ersten 4 Monaten des Jahres erzielt. Seitdem treten zwar immer wieder die genannten Themen in den Vordergrund, und somit tendieren die europäischen und US-Aktienmärkte seitwärts mit einer insgesamt positiven Grundstimmung.

Für den Greiff Systematic Allocation Fund, der das Aktien-Exposure flexibel steuert, ist ein solches Marktumfeld eine Art Nagelprobe. In negativen Marktphasen (z.B. Ende 2018, Mai 2019 und August 2019) sollte der Fonds die Aktienquote reduzieren, um vor größeren Verlusten zu schützen, während das Aktien-Exposure in einer Erholungsphase schnell wiederaufgebaut werden sollte. So geschehen im Jahr 2019 in den Monaten Januar bis April, Juni bis Juli und September bis Oktober. Wie sich der Greiff Systematic Allocation Fund in diesen wechselnden Phasen verhalten hat, werden wir im Folgen erläutern.

 

Der GSA erzielte im ersten Jahr seit 2.11.2018 bis 31.10.2019 eine Rendite von 6,5%/6,0% (I-/R-Tranche). Dieses Ergebnis wurde mit einer Volatilität von 5,6% und einem maximalen Drawdown von 3,5% erreicht. Der Aktienmarkt aus europäischen und US-Aktientiteln erreichte im selben Zeitraum eine Rendite von 11,2% bei einer Volatilität von 12,5% und einem Drawdown von 12,4%.

Das absolute Ergebnis des Aktienmarktes war in dieser Phase zwar höher, dafür mussten die Anleger aber auch einen deutlich größeren Drawdown im Dezember 2018 in Kauf nehmen. Wird das Rendite-Volatilitäts-Verhältnis (Sharpe-Ratio) oder das Rendite-Drawdown-Verhältnis in der folgenden Tabelle betrachtet, ist ersichtlich, dass der GSA das Risiko optimal in Rendite umgesetzt hat.

Wie kam es zu dem Ergebnis? In der folgenden Grafik der Aktienquote ist ersichtlich, dass die GSA-Strategie die Aktienquote im Dezember 2018 zügig auf ca. 22% reduzierte. Zu dem Zeitpunkt preiste der Markt viele Risiken ein, und die Erwartungen für das Jahr 2019 waren alles andere als zuversichtlich. Von den täglich analysierten Aktien waren nur noch wenige wirklich stabil und hielten sich somit im Fonds. Auffällig ist auch, dass die Anzahl an Transaktionen in dieser Zeit deutlich größere Ausschläge zeigt, während in der übrigen Zeit die Transaktionsanzahl eher gering ist.

Im Januar kam es anders als erwartet, und es folgte eine bemerkenswerte Aktienrally, in der der Greiff Systematic Allocation Fund die Aktienquote schnell aufbaute und an der Erholung entsprechend partizipieren konnte. In den folgenden Wochen verstärkte sich das positive Bild bis zu einer Aktienquote von 75%.

Insgesamt schwankte das Aktien-Exposure somit zwischen 22% (Ende Dezember 2018) und 76% (Ende Oktober 2019). Überwiegend notierte sie oberhalb von 50% und sorgte für das überaus positive Ergebnis des Fonds.

Fazit

Der Fonds konnte in den vergangenen 12 Monaten bereits zeigen, dass, unter Beachtung des Risikos, einerseits adäquate Gewinne erzielt werden und gleichzeitig Maßnahmen greifen, um größere Drawdowns zu vermeiden.

Darüber hinaus hat der GSA gezeigt, dass er auch zum richtigen Zeitpunkt Aktien selektiert, die in der Lage sind, Gewinne zu erzielen. Die Strategie kann also beides: Verluste begrenzen und Gewinne erzielen. Das Sharpe-Ratio zeigt dabei, dass die Relation zwischen Chance, Risiko und Performance stimmt.

Mit dieser Ausrichtung kann der Fonds in der Asset Allokation als defensiver Aktienfonds, als Total-Return Strategie – also als alternatives Investment – oder klassisch als Mischfonds allokiert werden. Auffallend ist dabei die geringe Korrelation zu den Topsellern unter den Mischfonds sowie auch zu den gängigen Asset-Klassen.

Liebe Leser, gerade für junge Fonds ist das Erreichen der ersten 1-Jahres-Performance ein wichtiger Meilenstein und wenn diese auch noch positiv ausfällt, umso schöner. Deshalb danken wir allen Investoren der ersten Stunde für die Unterstützung und das entgegengebrachte Vertrauen.

Herzliche Grüße,

Ihr Marc Schnieder und Max Rapp

 

Sie wünschen weitere Informationen?

Sehen Sie das Interview mit Fondsmanager Marc Schnieder zum Anlass des ersten Geburtstags des Greiff Systematic Allocation Fund:

 

Exkurs: Beschreibung und Erfolgskriterien der GSA Strategie

Die Systematik des Greiff Systematic Allocation Fund basiert auf der Analyse von Einzelaktien. Dabei werden über einen softwareunterstützen, automatisierten, täglichen Prozess ca. 700 Aktien nach vorgegebenen Kriterien und Regeln analysiert. Eine positive Analyse einer Aktie führt i.d.R. zu einem einzelnen Kauf und negative Analysen zu einem einzelnen Verkauf, sofern die Aktie sich im Portfolio befindet.

Die einzelnen Positionen haben bei Kauf eine sehr niedrige Gewichtung. Durch die tägliche Umsetzung der Analyseergebnisse verändert sich die Anzahl der Aktien normalerweise nur geringfügig.
Werden nach und nach also viele Kaufkandidaten gefunden, steigt die Aktienquote und werden nach und nach mehr Verkaufskandidaten ermittelt, fällt die Aktienquote. Die Aktienquote ist somit ein Resultat aus der täglichen Analyse einzelner Aktien.

Die wichtigsten Merkmale der GSA Strategie auf den Punkt gebracht:

  • Rein regelbasierte Steuerung der Aktienquote – Keine diskretionären Entscheidungen – dadurch besteht Berechenbarkeit der Anlagestrategie
  • Quotensteuerung erfolgt anhand täglicher Analyse von 700 Aktien – dadurch anderes Verhalten zu Overlay-Systemen – Diversifikation der Timing-Entscheidungen
  • Durch Stopp-Loss Systematik ist sichergestellt, dass bei nachteiliger Entwicklung der Aktien, irgendwann alle Aktien verkauft wurden – dadurch implizite Wertsicherungseigenschaft
  • Langjährig erfolgreich umgesetzte Strategie

Das richtige Timing bei Allokationen wird allgemein als schwierig, wenn nicht unmöglich angesehen. Als Allokationsfonds sollte eine gewisse Timing-Fähigkeit gegeben sein. Allerdings kann auch der GSA nicht in die Zukunft sehen und somit sind Timing-Fähigkeiten unter Beachtung von Wahrscheinlichkeiten und statistischer Analysen zu betrachten.

Genauso, wie es nicht möglich ist, immer die beste Aktie auszuwählen, ist es auch nicht möglich immer das perfekte Timing zu ermitteln. Als Aktieninvestor ist die Streuung auf viele Aktien (Diversifikation) das Mittel der Wahl, um das Risiko der falschen Auswahl zu reduzieren. Auch Timing-Entscheidungen müssen in diesem Kontext gesehen werden. Die Verlagerung des Timings auf viele kleine Timing-Entscheidungen über die Zeit, ist als Erfolgskriterium der GSA-Strategie zu sehen.

Investitionsbeispiele

Das obige Investitionsbeispiel zeigt die Aktie der Hannover Rück Versicherung. Zu erkennen ist, dass das Kaufsignal bereits im März 2018 erfolgte und somit die Aktie bereits mit Start des Fonds im November aufgenommen wurde. Am Ende des Jahres 2018 hat die Aktie sich sehr stabil gehalten. Es gab demnach keinen Grund, trotz der gestiegenen Risiken, diese Aktie zu verkaufen. Durch die Analyse auf Einzelaktienbasis ist es möglich die stabilen Aktien zu behalten, während Overlay-Systeme in dieser Phase dazu übergehen auch diese Aktien zu neutralisieren.

Während positive Aktienkäufe oft sehr lange im Portfolio verbleiben, werden die negativ verlaufenen Aktien sehr schnell wieder aussortiert. Hierbei werden zwar zusätzliche Transaktionskosten erzeugt, diese schützen aber vor weiteren Verlusten. Treten diese Fälle vermehrt auf, sinkt automatisch die Aktienquote und das Risiko des Fonds wird reduziert.

Das folgende Beispiel zeigt den Aktienverlauf der Deutschen Bank. Im Jahr 2019 wurden 3 Anläufe genommen und wieder mit geringem Verlust gestoppt. Die entstandenen Ausbruchsformationen deuteten auf eine eventuelle Bodenbildung hin, die sich letztlich nicht bewahrheitete. Diese Situation ist zwar ärgerlich, zeigt aber, wie Verluste sehr schnell begrenzt und Risiken reduziert werden. Dagegen stehen dann die deutlich größeren Gewinne der positiven Transaktionen.

Zurück Ausblick 2020: Weiterhin für einen Seitwärtsmarkt positioniert
Nächste BÖRSENBLATT Nr. 139 | Was ist schon ein Risiko