Monatsbericht GREIFF special situations Fund – August 2019

Der Monat August 2019 hatte „ordentlichen“ Wellengang, was die Kursverläufe der internationalen Aktienmärkte betrifft. Eskalierender Handelsstreit, Rezessionssignale, politische Scharmützel und nicht zuletzt der beinahe schon in Vergessenheit geratene Brexit bestimmten dabei im Wesentlichen die Gemütslage der Investoren. Am M&A-Markt gab es im Berichtszeitraum unterdessen wenig Bewegung. In Deutschland ist das Dealvolumen im 1. Halbjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich gefallen, allerdings wurde im Vergleichszeitraum 2018 der Innogy-Deal publiziert, der für gut 90% des gesamten Übernahmevolumens stand. Bezogen auf die Anzahl an Transaktionen war die Marktaktivität jedoch im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 konstant geblieben. Mit Blick in Richtung 2. Halbjahr 2019 sprechen viele Indizien auf eine Fortsetzung der im Mai und Juni gesehenen Belebung am deutschen M&A-Markt. Allein im Juni wurden sechs Entscheidungen zur Abgabe von Angeboten nach dem WpÜG veröffentlicht. Dabei sticht insbesondere Private Equity als Käufer heraus. Das M&A-Volumen in Europa durch Finanzinvestoren hat sich in 2019 auf absolute Rekordniveaus katapultiert.  UK steht auf der Shoppingliste –dank Brexit-Unsicherheit und gebeuteltem britischen Pfund – ganz oben. Auch in Deutschland nehmen Private Equity-Häuser wie Carlyle, Bain oder Cinven eine immer bedeutendere Stellung bei Übernahmen und Fusionen ein.

Nicht überraschend ist Daniel Křetínský mit seiner Investmentgesellschaft EP Global Commerce (EPGC) mit der Übernahme der Metro gescheitert. Sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat der Metro hatten die 5,8 Mrd. EUR schwere Offerte als zu niedrig bezeichnet. Und nachdem die Großaktionäre Beisheim Holding und die Meridian-Stiftung, hinter denen unter anderem die Erben der Gründerfamilien stehen, ihre Anteile „gepoolt“ und Zukäufe angekündigt haben, standen die Vorzeichen auf eine erfolgreiche Übernahme ohnehin schlecht. Křetínský, der aktuell 17,50% Metro-Anteile hält,  hat weiterhin eine Kaufoption für die Metro-Aktien des langjährigen Aktionärs Haniel (15,2%) und begnügt sich vorerst mit einem Sitz im Aufsichtsrat. Derweil muss die Metro-Führungsriege um Olaf Koch liefern. Der angekündigte Verkauf des China-Geschäfts und die Veräußerung der Supermarktkette Real sollen in den nächsten Monaten zu einem Abschluß gebracht werden. Vorerst also wenig Handlungsbedarf, sowohl aus Sicht Křetínskýs als auch aus Sicht des Portfoliomanagements.

Ins Rennen um Osram ist nun der österreichische AMS-Konzern eingestiegen. Er bietet zehn Prozent mehr je Aktie (also 38,50 Euro) und sieht in der Kombination aus dem Know-how der beiden Konzerne den entscheidenden Vorteil. Bain Capital und Carlyle Group boten 35 Euro je Aktie. Mit einem Kaufpreis von 3,4 Milliarden Euro sei das für die 113 Jahre alte Traditionsfirma mit Blick auf die Umwälzungen im Lichtmarkt ein tolles Angebot, lautete die Botschaft von Osram-Vorstand Berlien zur 35 EURO-Offerte der Finanzinvestoren. Zu den Besonderheiten der Offerte gehört, dass AMS mit 1,42 Mrd. EUR Umsatz in 2018 deutlich kleiner als Osram mit 4,1 Mrd. EUR Umsatz ist. Die Finanzierung sei jedoch gesichert, so die Aussagen aus dem Hause AMS. Die Banken HSBC und UBS sollen den Kaufpreis von bis zu 4,2 Mrd. EUR finanzieren, einen Teil davon will AMS später durch eine 1,5 Mrd. EUR schwere Kapitalerhöhung ablösen. Noch gibt es kein offizielles Angebot! Die Angebotsfrist der AMS-Offerte soll vor dem 5. September beginnen und setzt wie beim Vorschlag der US-Finanzinvestoren eine Mindestannahme von 70% der Aktionäre voraus. Der größte Einzelaktionär, Allianz Global Investors (AGI), mit fast zehn Prozent Anteil, hat das Gebot des Duos Bain Capital/Carlyle Group als zu niedrig abgelehnt und zudem das Management kritisiert. Zur AMS-Offerte hat sich die AGI noch nicht geäußert. Summa summarum gibt es um die Causa Osram weiterhin mehr Fragen als Antworten. Wir sehen den Zeitpunkt als noch zu früh und mit zu vielen Risiken verbunden, so dass wir den Fortgang um Osram mit gebührendem Abstand von der Seitenlinie verfolgen.

Bei Wessanen sehen wir die Übernahme nach der Hauptversammlung und dem Senken der Annahmequote auf 80% auf gutem Wege. Im September erwarten wir einen erfolgreichen Abschluss und das Realisieren einer kleinen Arbitrage-Rendite. In Sachen Innogy sei E.ON zuversichtlich, die Freigabe der EU-Kommission zu erhalten und die Transaktion im September abschließen zu können, teilte der Versorger bei der Vorlage seiner Halbjahreszahlen mit. Das Portfoliomanagement geht ebenfalls von einer kartellrechtlichen Freigabe im September aus. Wie an dieser Stelle schon öfters berichtet, sollte ein Beherrschungs -und Gewinnabführungsvertrag oder ein Squeeze Out zeitnah folgen. Aktuell hält E.ON knapp unter 90% der Anteile an Innogy. Bei First Sensor kann sich Bieter TE Connectivity bereits über eine Annahmequote von 71,84% freuen, was dem amerikanischen Industriekonzern ebenfalls die Option auf eine Strukturmaßnahme ermöglicht.

Im Segment SAFETY hat sich die Relation Chance-Risiko weiter verbessert. Eine Grafik mit den entsprechenden Risikoparametern erhalten Sie gerne auf Nachfrage. Bei den attraktivsten BuG-Aktien haben wir Zukäufe getätigt und „garantierte“ Erträge sowie das Potenzial für Nachbesserungsrechte eingekauft, sogenannte „stille Reserven“. Apropos „stille Reserven“: Irgendwann sollten diese „stille Reserven“ zu sprudeln beginnen, um in der Analogie der Konsistenz bei Mineralwassern zu bleiben. So hat das Landgericht München in dem Spruchverfahren zum Ausschluss der Minderheitsaktionäre (Squeeze-out) bei der CHORUS Clean Energy AG den Barabfindungsbetrag auf EUR 13,03 je Aktie festgelegt. Gegenüber dem von der Antragsgegnerin angebotenen Betrag von EUR 11,92 entspricht die gerichtliche Festsetzung einer Anhebung um 9,31 %! Auch bei Süd-Chemie AG wurde das Spruchverfahren ebenfalls vor dem Landgericht München beendet. Die Barabfindung wurde von 125,26 Euro auf 132,30 Euro je Aktie angehoben. In Summe bedeutet dies einen außerordentlichen Kurszuwachs von 6 Basispunkten gerechnet auf das Fondsvolumen. Noch weiter gestritten wird zweifelsohne bei Homag. Hier hat das Landgericht Stuttgart mit Beschluss vom 13. August 2019 die in dem Vertrag festgelegte Abfindung und den Ausgleich nur geringfügig angehoben. Die Abfindung wurde auf EUR 31,58 (statt der angebotenen EUR 31,56) je HOMAG-Aktie festgelegt, der Ausgleich auf brutto EUR 1,19 je Aktie (statt angebotener EUR 1,18). Der positive Trend, also kleinaktionärsfreundliche Entscheidungen, setzt sich bei den Spruchstellenverfahren fort, lautet unser positives Fazit.

Zur Fondswebseite

Zurück Mit Auszeichnung und starken Familienunternehmen starten wir nach der Sommerpause
Nächste M&G Webcast: „POSITIVE IMPACT - Aktien für eine bessere Welt