Dirk Sammülller für den GREIFF special situations Fund

Monatsbericht GREIFF special situations Fund – Dezember 2019

Einen Blick in die Kristallkugel zu werfen und Trends für das kommende Jahr vorauszusagen ist heikel, und eine Prognose kann sich stets als falsch herausstellen. Aber natürlich gibt es Trends, die sich über Monate aufbauen und sich nicht mit dem Wechsel eines Kalenderjahres ins Gegenteil verkehren. Finanzinvestoren haben – einer Studie zufolge – 2019 so viel Geld für Übernahmen von deutschen Unternehmen ausgegeben wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Die Private-Equity-Gilde stemmte Transaktionen im Wert von 30,2 Milliarden Euro, wie eine jüngst von EY veröffentlichte Studie ergab. Dank mehrerer Megadeals schoss das Volumen um 69% in die Höhe, obwohl die Zahl der Transaktionen auf 219 schrumpfte. Der „Big is beautiful“-Trend dürfte sich demzufolge auch in 2020 fortsetzen. Immobilien, Infrastruktur, Healthcare und Goldminen sind und bleiben am M&A-Markt die Branchen, die auch 2020 gefragt sein werden.

Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Gesamtsituation, die von Unabwägbarkeiten wie Handelskriegen oder Brexit durchzogen ist, dürften die ohnehin schon krisengeschüttelten Sektoren wie Automobil und Maschinenbau besonders hart treffen. Diese Entwicklung könnte wiederum einen anderen M&A-Trend beflügeln: Distressed M&A! Ganz so dramatisch stellt sich die Situation um die Fusion zwischen dem französischen Autobauer Peugeot (PSA) und dem italienisch-amerikanischen Fiat-Chrysler-Konzern (FCA) (noch) nicht dar, allerdings leiden beide unter Absatzschwund, technischen Versäumnissen und schlecht ausgelasteten Werken, die auch durch einen Zusammenschluss zum viertgrößten Automobilkonzern der Welt nicht verschwinden werden.

Im Segment SAFETY gibt es nach langer Durststrecke einen Neuzugang zu vermelden. TE Connectivity ist nunmehr an die First Sensor AG herangetreten, um sie über ihre Absicht zu informieren, einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abzuschließen zu wollen. Es wird allerdings noch einige Wochen dauern, bis die BuG-Konditionen für First Sensor veröffentlicht werden. Wir waren schon früh dabei, was auch in einem Zwischengewinn von 35% zum Ausdruck kommt. Wir bleiben allerdings angesichts der günstigen Übernahmestruktur und angekündigtem Endspiel an Board.

Der österreichische Sensor-Spezialist AMS hat nach dem Ablauf des Übernahmeangebots für Osram 59,3% Prozent an dem Münchner Lichttechnik-Konzern sicher. Inwieweit die restlichen Osram-Aktionäre nochmals die Chance genutzt haben, AMS ihre Osram Papiere in der Nachfrist anzudienen, ist derzeit noch offen. Vor allem Indexfonds, so die Hoffnung von AMS, die erst bei einem Erfolg der Übernahme verkaufen dürfen, könn(t)en diese Nachfrist nutzen. Die Osram-Aktie entwickelte sich im Nachgang der Veröffentlichung positiv, vor allem die Aussicht auf einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag verlieh der Osram-Aktie Flügel.

Derweil ist die Commerzbank mit der angestrebten Komplettübernahme ihrer Online-Tochter Comdirect zumindest vorerst gescheitert. Die Commerzbank sicherte sich im Zuge des Übernahmeangebots kümmerliche 0,3% Prozent der Comdirect-Aktien. Das Geldhaus verfehlte damit das Ziel, seinen Anteil von zuvor gut 82% auf mindestens 90% zu steigern und somit den angestrebten Squeeze Out. Nun muss die Bank einen deutlich aufwändigeren Weg nehmen, um auf den Hauptversammlungen der beiden Unternehmen eine direkte Verschmelzung der Institute durchzudrücken. Vor allem der Hedgefonds Petrus Advisers, der seinen Anteil an der Comdirect zuletzt auf 7,5% Prozent aufgestockt hat, könnte jedoch für Störfeuer sorgen. Der Fall Comdirect bietet somit, zumindest auf tieferen Kursniveaus, noch einmal eine interessante Chance-Risiko-Konstellation.

Ein neuer Wohnungsgigant in Deutschland formiert sich. Ado Properties will seinen eigenen Großaktionär Adler Real Estate übernehmen. Ado bietet 0,4164 eigene Aktien für ein Adler-Papier. Gleichzeitig meldete Ado Properties eine strategische Beteiligung von 22% an dem ebenfalls in Berlin angesiedelten Projektentwickler Consus Real Estate. Das Unternehmen hat vor allem Wohnungsbau-Projekte im Volumen von etwa zehn Millarden Euro in ganz Deutschland in der Pipeline. Durch eine Call-Option sicherte sich Ado sogar noch eine weitere Beteiligungs-Möglichkeit von 51% an Consus. Das Portfoliomanagement hat sich für eine Anfangsposition entschieden, wenngleich der Fall sich etwas komplexer als die Hochzeit zwischen TLG Immobilien und Aroundtown gestaltet. Bei TLG Immobilien ergaben sich aus der jüngst veröffentlichten Angebotsunterlage keine wirklichen Überraschungen. Aus unserer Sicht überwiegen weiterhin die Chancen.

Der Übernahmekampf um den britischen Essenslieferdienst Just Eat geht in die nächste und zugleich finale Runde. Beide Interessenten erhöhten nochmals ihre Offerten. Die Naspers-Tochter Prosus erhöhte auf 800 Pence je Just-Eat-Aktie in bar. Takeaway.com legte kurz darauf ebenfalls nach. Die Niederländer bieten nun je Just-Eat-Aktie etwa 0,12 eigene Papiere an. Das entsprach bei Publikation einem Wert von 916 Pence je Just-Eat-Aktie. Just Eat favorisiert weiter eine Fusion mit der Lieferando-Mutter Takeaway.com. Bereits im August hatten sich die beiden Unternehmen auf einen Zusammenschluss geeinigt. Da Takeaway.com die Mindestannahmequote von 75% auf eine einfache Mehrheit (50% plus eine Aktie) gesenkt hat und bereits über Zustimmungszusagen von über 40% vorliegen hat, dürften die Würfel zugunsten der Niederländer gefallen sein.

In Anbetracht einer gut gefüllten Pipeline an Kandidaten für Strukturmaßnahmen und einer ansprechenden Verzinsung des BUG Segments von 3,2% liegt das angestrebte Renditeziel für 2020 in einer Spanne von 4% bis 6%.

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