Monatsbericht GREIFF special situations Fund – Juli 2019

Die M&A-Aktivitäten haben im Jahresverlauf wieder deutlich an Fahrt aufgenommen. Insbesondere im zweiten Quartal haben sich Übernahmen und Fusionen wieder in Richtung der Rekordniveaus aus dem ersten Halbjahr 2018 bewegt. Stark fallende Zinsen und zunehmend expansiv agierende Notenbanken haben den Aktien- und letztendlich auch M&A-Märkten Rückenwind verliehen. Größere Übernahmen waren typischerweise in den Sektoren auszumachen, in denen die Sorgen einer nachlassenden Wirtschaftsdynamik nur rudimentär vorhanden sind bzw. zu sein scheinen. „Big Deals“ fanden im Pharma- und Biotech- Segment (Celgene-Bristol Myers Squibb/Allergan-AbbVie) statt. Im Technologiesektor grassierte das Übernahmefieber insbondere im E-Commerce-Segment (Zahlungsabwicklung). Bereits im Januar kaufte Fiserv den Konkurrenten First Data für 22 Mrd. USD, wenige Wochen später legte Fidelity National Information Services für den Wettbewerber Worldpay satte 35,5 Mrd. USD. auf den Tisch! Zweifelsohne waren Wachstumsaktien damit nicht nur als klassische Aktieninvestments gefragt, sondern auch im Fokus als heiß begehrtes Übernahmeziel. Auch der deutsche Übernahmemarkt scheint wieder zum Leben zu erwachen. Mit Axel Springer, Osram, Metro, First Sensor und einer baldigen Finalisierung des Innogy-Deals ist in den nächsten Wochen alles andere als Sommertristesse angesagt.

Im Baustein der SAFETY-Investments bewegten sich die Aktienkurse, gemessen an der Downside zum Barabfindungspreis, mehr oder weniger immer noch auf historischen Tiefständen der letzten 5 Jahre. Bei einer durchschnittlichen garantierten Dividendenrendite von rund 3,3% (per 31.07.2019) bieten sich selektiv attraktive Kaufniveaus, in Relation zu den mittlerweile erreichten Zinsniveaus am Rentenmarkt umso mehr! Daher wurde der Berichtsmonat Juli (30.06.2019 – 31.07.2019) zum Ausbau einiger Portfoliopositionen genutzt.

Im Segment der EVENT-Aktien hat bei First Sensor die Annahmefrist für die Einreichung der Aktien in das Übernahmeangebot begonnen. Bbereits im Vorfeld hat der neue Großaktionär TE Connectivity Andienungszusagen in Höhe von 67,47% erhalten. Damit liegt der Abschluss einer Strukturmaßnahme, die mit der Absicht zum Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags sowie einem Squeeze-Out bereits in der Angebotsunterlage angekündigt wurde, in erreichbarer Nähe. Sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat begrüßen den neuen Großaktionär und dessen wirtschaftliches und strategisches Motiv der Übernahme.

Nach einer monatelangen Due-Dilligence-Prüfung und langanhaltenden Verkaufsverhandlungen haben die beiden Finanzinvestoren Bain und Carlyle ein öffentliches Übernahmeangebot zu 35,00 EUR für OSRAM vorgelegt. Die Offerte entspricht einem Aufschlag von 22% zum Dreimonatsschnitt auf den in den letzten Monaten durch mehrere Gewinnwarnungen stark gebeutelten Aktienkurs. Während Vorstand und Aufsichtsrat die Offerte als angemessen betrachten, dürfte die Mindestannahmequote von 70% eine hohe Hürde sein. Jüngst hat sich der österreichische Chiphersteller AMS als potenzieller Mitbieter für Osram in Stellung gebracht. Die zunächst unverbindliche Interessensbekundung wurde innerhalb weniger Stunden bereits wieder revidiert. So kurios die kurzweilige AMS-Offerte klingen mag, umso skurriler war, dass AMS einige Tage später mit der Unterstützung finanzieller Partner erneut in die Prüfung einer möglichen Übernahmeofferte gegangen ist, mit bis dato offenem Ausgang. Es ist im Fall Osram also weiterhin mit Überraschungen zu rechnen. Hier wird sich nach Einschätzung des Fondsmanagements vermutlich erst zum Ablauf der Annahmefrist (wenn überhaupt) entscheiden, wie gut die Chancen für eine Übernahme des Münchener Traditionsunternehmens stehen.

Bei EP Global Commerce steigt der Druck, den Angebotspreis zu erhöhen, um in der geplanten Übernahme von Metro erfolgreich zu sein und die angestrebte Mindestannahmequote von 67,50% für den Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags zu erreichen. Zunächst erachtet das Metro-Management den Angebotspreis als nicht angemessen. Hinzu kommt, dass die Führungsriege die Mittelzuflüsse aus den angestrebten Verkäufen des Real- und China-Geschäfts, entgegen den Plänen des Investors, in die Transformation des Konzerns inklusive sinnvoller Akquisitionen investieren möchte. Auch den beiden Großaktionäre Meridian Stiftung sowie die Beisheim Gruppe sind die offerierten 16,00 EUR pro Aktie zu wenig und diese haben nun sogar die Absicht bekannt gegeben haben, dass die gehaltenen Stimmrechte von 20,55% über eine Pool-Vereinbarung zukünftig gemeinsam ausgeübt werden und darüber hinaus bei entsprechenden Kaufgelegenheiten schrittweise der Metro-Anteil ausgebaut werden soll. Entweder Kretinski (EP Global Commerce) erhöht den Preis oder die Übernahme scheitert! Die Marktteilnehmer haben bereits den Daumen gesenkt.

Derweil hat E.ON bei der geplanten Übernahme von innogy bereits mehrere Zugeständnisse gemacht. Eine kartellrechtliche Freigabe des Deals durch die EU-Wettbewerbshüter unter Auflagen scheint demzufolge als realistisch. Die Frist für die Überprüfung des Deals läuft bis zum 20.09.2019. Hier ist in den nächsten Wochen mit Neuigkeiten zu rechnen, wir erwarten positive.

Im Bereich der Spezialsituationen strebt der finnische Großaktionär Fortum bei Uniper, entgegen früherer Aussagen, eine Mehrheitsübernahme von Uniper an. Nach wie vor stellt jedoch, aufgrund rechtlicher Bestimmungen, das in Russland ansässige Wasserkraftwerk des deutschen Energieunternehmens eine Blockade dar. Auch in diesem Falle zeigt sich Fortum optimistisch, dass eine Lösung gefunden werden kann. Die Fantasie der Börsianer auf eine nochmalige Kaufofferte ist wieder erwacht und der Aktienkurs erreichte im Berichtsmonat (30.06.2019 – 31.07.2019) ein neues Allzeithoch.

Zurück Cash-Gigant Warren Buffett: Sind das seine nächsten Investments?
Nächste Trendfolger in schwierigem Umfeld