Monatsbericht GREIFF special situations Fund – Juni 2019

Um knapp 70% sind Fusionen und Übernahmen in Deutschland in der ersten Jahreshälfte 2019 eingebrochen (Quelle: Refinity / Thomson Reuters). Auch weltweit hat sich das Geschäft mit Firmenübernahmen abgekühlt – global gingen die Volumina der angekündigten Transaktionen um rund 17% zurück. Als Hauptursache dafür sehen Experten die weltweit große Unsicherheit durch die Handelsstrategie der USA. Der im Vergleich zum internationalen Durchschnitt heftige Rückgang der M&A-Aktivitäten liegt aber auch an einem Mega-Deal in 2018. Mit der Übernahme von Monsanto durch Bayer fiel die teuerste Auslandsübernahme eines Unternehmens in der deutschen Wirtschaftsgeschichte in das vergangene Jahr. Im Vergleich mit 2017 übertrifft das Übernahmevolumen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um stolze 9%.

Im Baustein der SAFETY-Aktien ist das bereits angekündigte Delisting-Angebot veröffentlicht worden. Die Accenture Digital Holdings hält knapp 69% an SinnerSchrader und bietet für den Widerruf der Aktien am regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse mit 12,80 EUR nur 1 Cent mehr als den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis (6-Monats-VWAP). Der Großaktionär zeigt sich damit äußerst knausrig und verbietet den Aktionären ein finanzielles Sahnehäubchen. Doch wer letztendlich das Fernziel Squeeze-Out verfolgt, wird nicht um eine angemessene Abfindung herumkommen. Wir werden auch in diesem Fall erst zum Ablauf der Einreichungsphase über die Bestandsposition entscheiden.

Im Segment der EVENT-Aktien haben sich im Berichtsmonat Juni 2019 (31.05.2019 – 30.06.2019) die aktuellen Entwicklungen am deutschen Übernahmemarkt in einigen Situationen schlagartig verändert. So will der Finanzinvestor KKR gemeinsam mit der Familie Springer die Kontrolle über den Axel-Springer-Konzern übernehmen. Das amerikanische PE-Konsortium möchte mit 63,00 EUR je Aktie dem Streubesitz ein attraktives Übernahmeangebot vorlegen. Eine Anfangsposition wurde nach dem Abebben der ersten Euphorie-Welle eingegangen. Weitere Dispositionen rund um die Axel-Springer-Aktie hängen an der Angebotsunterlage und einer detaillierten Analyse.

Derweilen legt auch der tschechische Metro-Großaktionär Daniel Kretinsky über dessen Investmentvehikel EP Global Commerce die Karten auf den Tisch und bietet 16,00 EUR für die Stammaktie und 13,80 EUR für die Vorzugsaktie. Kretinsky hat sich zudem mit dem bisherigen Großaktionär, der Franz Haniel & Cie, auf die Übernahme von dessen Anteil in Höhe von 15,20% geeinigt. Zudem wird ein anderer Großaktionär, der Mediamarkt- und Saturn-Betreiber Ceconomy, fast seinen ganzen Anteil von 6,39% ebenfalls an EP verkaufen. Nach Abschluss dieser Transaktionen verfügt der Tscheche über knapp ein Drittel aller Stammaktien. Das Übernahmeangebot unterliegt einer Mindestannahmequote, die von EP allerdings nicht beziffert wurde. Diese sollte ausreichend sein, um die Zustimmung zu einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag sicherzustellen, heißt es offiziell. Der Vorstand der Metro hat das Übernahmeangebot von EP bereits als zu niedrig bezeichnet. Auch zwei weitere Großaktionäre, die Meridian-Stiftung (14,19%) sowie die Beisheim Holding (6,56%), winken ab. Die weitere Entwicklung der Metro-Aktie wird somit davon abhängig sein, wie schnell Kretinsky und sein Mitstreiter Patrik Tka an das Ziel kommen möchten. Eine Nachbesserung der bisherigen Offerte kann daher nicht ausgeschlossen werden. Die vor einigen Monaten erworbenen Zertifikatsstrukturen haben dem Portfolio bereits zweistellige Kursgewinne beschert. Zusätzlich wurden nach der Ad-Hoc-Mitteilung noch Metro-Aktien gekauft.

Nahezu unbekannt sind die Aktien von First Sensor, ein führender Anbieter von Sensorlösungen. Hier ist TE Connectivity (ehemals Tyco Electronics) bereit, 28,25 EUR je Aktie auf den Tisch zu legen. Auch dieser Fall könnte eine interessante Investmentperspektive bieten.

Bei Oslo Bors wurde die komplette Übernahme durch den Konkurrenten Euronext vollzogen. Für unsere Investoren war der Bieterkampf ein lohnendes Investment, dass bis zum Schluss noch mit 6% p.a. attraktiv verzinst wurde.

Es scheint so, als könnte uns ein heißer M&A-Sommer ins Haus stehen. So verdichten sich um einige Unternehmen die Anzeichen einer baldigen Corporate Action. Insbesondere Osram hält den Markt mit stets wiederkehrenden Wasserstandsmeldungen durch Finanzinvestoren in Atem. Jüngst ließ Osram sogar einen nach Ihrem Verständnis angemessenen Übernahmepreis verkünden: 36,00 EUR. Wir werden sehen, ob es mehr als nur ein Hilfeschrei sein wird. Der Geschäftsverlauf sowie das allgemeine Umfeld im Automobilsektor geben wenig Hoffnung auf kurzfristige Besserung.

Mit einer Halbjahresbilanz von 2,65% (per 28.06.2019) konnte der Greiff special situations Fund zwar nicht dem allgemeinen Trend der internationalen Kapitalmärkte folgen, liegt damit jedoch auf Zielkurs zur avisierten Jahresrendite von 4% bis 7%. Die für Aktien klassischen Wellenbewegungen sollten die GSS-Investoren durch unsere aktuelle Positionierung dabei nur in geringem Maße nachbilden.

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