Dirk Sammüller - Fondsmanager des GREIFF "special situations" Fund

Monatsbericht GREIFF special situations Fund – Oktober 2019

Das Übernahmerad dreht sich derzeit kräftig weiter und sogar eine neue europäische Megafusion bahnt sich an. Nach dem gescheiterten Zusammenschluss zwischen dem FCA-Konzern (Fiat Chrysler Automobiles) und dem Bündnis aus Renault-Nissan-Mitsubishi könnte nun eine Autoallianz zwischen PSA (Peugeot, Citroen und Opel) und FCA entstehen. Mit der Hoffnung auf ein Ende des Handelsstreits zwischen den USA und China sowie den mittlerweile seit 2 Jahren sehr tiefen Bewertungsniveaus könnte auch diese Branche in den Konsolidierungsmodus übergehen. Doch dies ist aktuell noch Zukunftsmusik.

Im Segment der Event-Aktien geht es im Übernahmepoker rund um den Lichttechnikkonzern Osram unverändert turbulent zu. Nachdem die PE-Kaufinteressenten Bain und Advent die Due-Dilligence-Prüfung vorzeitig abgebrochen haben und von einem Übernahmeangebot Abstand nehmen, hat die vom österreichischen Sensorik- und Chipspezialisten AMS angekündigte zweite Offerte deutlich mehr Aussicht auf Erfolg. Zwar soll das Gebot wie die zuvor gescheiterte Offerte bei 41,00 EUR liegen, die Mindestannahmeschwelle wurde jedoch von 62,50% auf 55,00% deutlich heruntergesetzt. Auch das Osram-Management lenkte mittlerweile ein. Eine Entscheidung, ob die Übernahme von Erfolg gekrönt sein wird, entscheidet sich vermutlich erst gegen Ende der Angebotsfrist. Von daher ist aus unserer Sicht eine vorsichtige Positionierung ratsam.

Ein spannendes Bietergefecht findet derzeit beim britischen Essenslieferdienst Just Eat statt. Bereits im Juli wurde die Absicht eines Zusammenschlusses mit dem niederländischen Wettbewerber Takeaway via Aktientausch zu rund 735,00 GBP bekannt gegeben. Nun steigt Prosus, eine Tochter des südafrikanischen Medienkonzerns Naspers und Großaktionär bei Tencent, in den Übernahmepoker ein und bietet 710,00 GBP je Anteilsschein in bar. Das Management von Just Eat stuft das Angebot aus Südafrika jedoch als zu niedrig ein. Im Hintergrund halten sich derweil hartnäckig die Gerüchte, dass Amazon oder Uber Eats in das Bietergefecht miteinsteigen könnten. Aus Sicht des Portfoliomanagements könnte das Wettbieten noch ganz am Anfang stehen, zumindest von einer Erhöhung des Angebotspreises ist auszugehen.

Eine weitere Branche im Konsolidierungsmodus ist das Segment der erneuerbaren Energien: Bereits im August hat Morgan Stanley Infrastructure Partners den deutschen Windparkbetreiber PNE mit einem indikativen Angebot in einer Preisspanne von 3,50 EUR bis 3,80 EUR bewertet. Mittlerweile wurde eine Investorenvereinbarung geschlossen und ein Übernahmeangebot von 4,00 EUR vorgelegt. Die Bieterin hat bereits Aktienkaufverträge über 14,30% geschlossen, wobei die Mindestannahmequote bei 50% + 1 Aktie liegt.

Bereits im Mai wurde das Interesse vom IT-Beratungsunternehmen Capgemini am weltgrößten Ingenieurdienstleister Altran bekannt. Die innerfranzösische Ehe soll dafür sorgen, dass man dem Konkurrenten Accenture auf den Fersen bleibt und zukünftig nicht nur Beratungsempfehlungen leistet, sondern folglich auch praktische Umsetzungen angeboten werden. Im Juni haben sich beide Parteien auf eine Offerte von 14,00 EUR und damit eine Prämie von ca. 20% seit Bekanntgabe der Gespräche geeinigt. Der aktivistische Investor Elliott erachtet den Zusammenschluss als durchaus sinnvoll, möchte den Deal aber vorerst verhindern, da er Altran als deutlich unterbewertet einstuft. Einen Squeeze-Out kann der Hedgefonds ohnehin verhindern, da er sich bereits mit einem Anteil von ca. 10% bei Altran eingekauft hat.

Im Baustein der Spezialsituationen möchte sich Scout24 vom Kleinanzeigenportal AutoScout24 trennen und hat hierfür einen Verkaufsprozess initiiert. Laut mehreren Berichten wurden erste unverbindliche Gebote über mehr als 2 Mrd. EUR von PE-Investoren wie auch dem Konkurrenten Auto1 abgegeben. Großaktionär Elliott sieht in dem Asset einen Verkaufserlös von ca. 2,5 Mrd. EUR. An der Börse kommen die Nachrichten gut an, die Aktien von Scout24 markierten zum Ende des Berichtsmonats Oktober ein neues Allzeithoch.

Einen Schritt weiter ist der Großaktionär Fortum bei der geplanten Kontrollerlangung von Uniper. Die Finnen haben sich mit den beiden Investoren Knight Vinke und Elliott auf die Übernahme deren Aktienpakets an Uniper über rund 20,50% für einen Preis von 29,93 EUR je Anteilsschein geeinigt. Auf dem Weg zu einem Marktführer auf dem europäischen Energiemarkt ist allerdings noch die Freigabe der Behörden aus Russland und den USA erforderlich. Insbesondere rechtliche Hürden aus Russland haben bisher eine Komplettübernahme verhindert, allerdings zeigt sich Fortum nach intensiven Gesprächen optimistisch für eine Einigung zum ersten Quartal 2020. Hingegen schließt Großaktionär Fortum für die Dauer von mindestens zwei Jahren den Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags sowie eines Squeeze-Out aus. Die Portfolioposition wurde bereits im Vorfeld der Ereignisse zu höheren Kursen deutlich reduziert, da der von uns ermittelte faire Wert der Aktie erreicht wurde.

Bei Thyssenkrupp haben sich mittlerweile drei Allianzen mit größerem Kaufinteresse herausgebildet: Der finnische Aufzugshersteller Kone und CVC bilden ein Duo, ebenso die amerikanischen PE-Firmen Blackstone und Carlyle und die dritte Allianz besteht aus Advent, Cinven und Abu Dhabi Investments. Mit den ersten formellen, aber noch unverbindlichen Offerten, wird im vierten Quartal 2019 gerechnet. Die Finanzkraft der Investoren und das breite Interesse bieten ausreichend Potenzial für den Deal, wobei auch ein Börsengang noch nicht final vom Tisch ist.

Die üppige Finanzkraft der Private Equity-Investoren kommt auch beim Verkauf des Getriebeherstellers Renk von VW zur Geltung. Demnach sind Angebote von Seiten strategischer Investoren als unattraktiv eingestuft worden. In der zweiten Bieterrunde für den Verkaufsprozess, der mit rund 700 Mio. EUR bewertet wird, haben sich nunmehr nur die PE-Firmen Carlyle, KKR und Triton qualifiziert.

Wir rechnen nicht nur anhand dieser Beispiele, dass Deutschland in den kommenden Monaten im Fokus von Unternehmensjägern stehen wird und somit die Aussicht auf attraktive Übernahmefälle bietet.

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