Monatsbericht GREIFF special situations Fund – September 2019

Der Risikoappetit der Investoren hielt im September an und sorgte für ansprechende Monatsergebnisse an den internationalen Aktienmärkten. Und auch die Jagd nach attraktiven Übernahmezielen setzte sich fort. Ein chronisches Niedrigzinsumfeld und ein stabiles Weltwirtschaftswachstum bescherte den sogenannten Finanzinvestoren bzw. deren Investmentvehikel Rekordzuflüsse, die wiederum gewinnbringend eingesetzt werden wollen. Somit dürfte sich das Übernahmerad auch in den kommenden Monaten kräftig weiter drehen. Ende 2018 belief sich das „dry powder“ der Private Equity-Investoren auf stolze 1,2 Billionen USD, Ende 2010 lag die noch nicht investierte Liquidität bei 614 Mrd. USD. Es ist somit nicht verwunderlich, dass Finanzinvestoren 2018 betreffend der Dealvolumen an die Champagnerjahre 2007 und 2008 anknüpfen konnten. Tendenz weiter steigend! Laut einer jüngsten Umfrage zählen deutsche Unternehmen im Übrigen zu den attraktivsten Übernahmeziele und bedeuten neue Investitionsmöglichkeiten für den Greiff special situations Fund. Bestes Beispiel hierfür ist sicherlich ThyssenKrupp. In Duisburg scheint es zu einem Bieterwettstreit zwischen strategischen Interessenten wie Kone aus Finnland oder Otis aus den USA sowie Finanzinvestoren um die Aufzugsparte zu kommen. Fast allen großen Beteiligungsgesellschaften wird Interesse nachgesagt. Ein derart großes und profitables Unternehmen wie die Aufzugsparte von ThyssenKrupp (Bewertung liegt bei ca. 15 Mrd. EUR) kommt nur selten auf den M&A-Markt.

Das dominierende Thema im Berichtszeitraum war Osram, mit offenem Ende! Kurz vor dem Ende der Annahmefrist für die Übernahme-Offerte des österreichischen Halbleiter-Herstellers AMS richtet sich die Aufmerksamkeit der Aktionäre auf die konkurrierenden US-Finanzinvestoren Advent und Bain Capital. AMS hat unterdessen sein Angebot von 38,50 EUR auf 41,00 EUR aufgestockt und bekannt gegeben, nun bereits 14,69% der gesamten Osram-Aktien zu besitzen. Letzter Einreichungstag bleibt der 1. Oktober! Nun sind die Aktionäre am Zug. Unser erwartetes Szenario eines Bietergefechts ging auf und bescherte dem Fonds ordentliche Kursgewinne.

Einen Tag vor Fristende gaben die Kartellbehörden grünes Licht für die Übernahme von Innogy durch E.ON. Dann ging es Schlag auf Schlag. Justament wurde ein Squeeze-out-Verfahren eingeleitet. Die Zwangsabfindung beläuft sich auf 42,81 EUR je Aktie, könnte sich aber bei einem höheren Unternehmenswert im Bewertungsgutachten noch nach oben schieben. Ebenfalls offen bleibt der Abfindungspreis aus dem Übernahmeangebot. EON zahlte nun 37,59 EUR final pro Innogy-Aktie. Die im Zuge der Übernahme veröffentlichte Angebotsunterlage lässt aber durchaus Raum für einen anderen Bewertungsmechanismus, über den sich bereits einige Fachanwälte die Köpfe zerbrechen. Durch unseren damaligen günstigen Einstieg wurde ein angemessener EVENT-Ertrag erzielt. Die Option auf eine Nachbesserung ist somit kostenlos und nach unserer Lesart durchaus eine valide „stille Reserve“!

Bei First Sensor wurde der finale Wasserstand der weiteren Annahmefrist per 19.09.2019 bekanntgegeben. Die Annahmequote liegt bei 72,16% und somit im Rahmen der Erwartungen. Der First Sensor-Aktienkurs tendierte weiter fest in Antizipation einer Strukturmaßnahme. Der schnelle und konsequente Einstieg nach Ankündigung der Übernahme hat sich bereits in erheblichen Buchgewinnen niedergeschlagen.

Derweil mobilisiert die Commerzbank ihre letzten Reserven und unterbreitete den comdirect-Aktionären ein Übernahmeangebot. Eine Übernahmeprämie von 25% (11,44 EUR) liest sich auf den ersten Blick nicht schlecht, ist aber nach unserer Einschätzung eher das untere Ende einer fairen Bewertung. Unsere bereits vor der Übernahme gekauften Aktien liegen aufgrund des deutlich tieferen Kaufpreises somit deutlich im Plus. Kleinere Zukäufe wurden mittlerweile getätigt. Neben dem typischen Endspielcharakter sehen wir auch gute Chancen, dass die Commerzbank ihr Kaufangebot nachbessert.

Auch die Konsolidierung am Immobilienmarkt geht weiter. So wird Adler Real Estate größter Aktionär bei dem Wettbewerber Ado Properties. Dabei ist die Marktkapitalisierung von Ado mit 1,7 Milliarden EUR etwa doppelt so hoch wie bei Adler. Konkret funktioniert der Deal so: Adler Real Estate übernimmt im Rahmen eines Verschmelzungsvertrags für rund 708 Millionen Euro alle Anteile an der israelischen Ado Group, die wiederum der größte Aktionär von Ado Properties ist. Das Gesamtvolumen der Transaktion liegt bei 970 Millionen Euro. Der Abschluss des Deals wird für Dezember erwartet. Damit dürfte neben TLG und Aroundtown in 2019 ein weiterer Zusammenschluss erfolgen und somit potenzielle Neuinvestitionen eröffnen. Wir haben hier bereits einige weitere potenzielle Übernahmekandidaten im Portfolio, die über kurz oder lang ins Visier von Käufern geraten könnten.

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