6. Juli 2017 1340 Views

Nachhaltigkeit contra Risiko?

Wie Versicherer: als Anleger physische Risiken auf dem Schirm haben

Bin gerade frisch von Gesprächen zum ESG-Investieren zurück am Schreibtisch. Unsere Erfahrung, dass die Nachfrage nach ESG-Investments inzwischen auch bei Privatanlegern steigt, hat sich auch in diesen Diskussionsrunden bestätigt. Letzte Woche habe ich hier im Blog den Einfluss von ESG auf die Portfolio-Rendite thematisiert (mehr hier). Heute geht es mir darum, welchen Beitrag nachhaltige Anlagen zur Minimierung des Risikos leisten können.

In der Vergangenheit haben Anleger vor allem politische und weniger physische Risiken betrachtet. Diese physischen Risiken hatten bis dato vor allem Versicherungsunternehmen auf dem Radar: Was passiert, wenn Produktionsstandorte geschlossen werden, weil Umweltschäden auftreten, welche Folgekosten zeitigen Streiks, wie sehr ist ein Unternehmen von möglichen Umwelteinflüssen und -katastrophen bedroht? Aber die „Einschläge kommen näher“. Daher erwarten wir, dass Investoren künftig verstärkt wie Versicherungsunternehmen denken werden, um ihr Vermögen in Form von Aktien und Anleihen vor physischen Risiken zu schützen. Und zwar in zweierlei Hinsicht:  Zum einen zur Vermeidung von spezifischen Risiken, wie zum Beispiel Unfällen, Umweltschäden, Betrug oder Streik, denen einzelne Unternehmen unsystematisch, meist durch nur sie betreffende Ereignisse ausgesetzt sind. Eine Unternehmensführung, die ESG-Faktoren berücksichtigt, kann die Wahrscheinlichkeit reduzieren, dass solche Risiken auftreten. Zum anderen die Vermeidung von systematischen Risiken, wie klimatischen Turbulenzen, Umweltverschmutzung, Ressourcenmangel oder Datensicherheit, denen alle Markteilnehmer gleichermaßen ausgesetzt sind. Hier kann ein Unternehmen, das sensibel für Nachhaltigkeitsthemen ist, mögliche Auswirkungen auf das eigene Geschäftsergebnis verringern.

Anleger, die von diesen Überlegungen profitieren wollen, können sich nicht mehr auf einfache ESG-Ausschlusskriterien verlassen. Um diese physischen Risiken und ihre Auswirkungen tiefergehend zu verstehen und zu berücksichtigen, nutzen langfristig orientierte Investoren bei der Portfolio-Konstruktion verstärkt eine systematische Integration von ESG-Faktoren: weg von Ausschluss und damit einer Einengung des Investmentuniversums hin zu einem wirkungsbezogenen Investieren („Impact Investing“), das berücksichtigt, zu welchem Grad und mit welcher Wahrscheinlichkeit sich physische Risiken auf das Investment auswirken. Eben wie die Versicherungsbranche.  Kompliziert muss die Umsetzung all dessen für Privatanleger übrigens nicht sein. Inzwischen können in praktisch allen wichtigen Asset-Klassen „herkömmliche“ Portfolio-Bausteine auch durch ETFs mit moderner, impact-orientierter ESG-Titelauswahl ersetzt werden – und zwar gewohnt regelbasiert, transparent und kostengünstig. Das Risiko-Rendite-Profil leidet darunter nicht, aber die Nachhaltigkeit im Portfolio und das tiefergehende Verständnis für physische Risiken können dadurch deutlich verstärkt werden.

Eine Idee, die sich auch bei Ihnen und Ihren Kunden durchsetzt?

Bild: danymages/Shutterstock

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