Gibt es eine ESG-Blase?

Jagen zu viele Anleger denselben Titeln nach? Dieser Frage mussten wir uns auf unseren jüngsten Treffen von Kunden und potenziellen Neukunden stellen. Wir finden wie bereits erwähnt, dass sich die Anlagephilosophie des Kames Global Sustainable Fund abhebt und wir in andere Titel investieren als die meisten unserer Rivalen… Aber selbstverständlich würden wir von uns nie etwas anderes behaupten!!! Vielleicht investieren wir doch nur in die gleichen Titel wie alle andere?

Eine aktuelle Studie von Goldman Sachs kommt vor diesem Hintergrund genau zum richtigen Zeitpunkt. Das Unternehmen hat einige Aktien unter die Lupe genommen, die weltweit am häufigsten von ESG-Fonds gehalten werden. Die folgende Tabelle stammt aus der jüngsten Studie und enthält die in zweifacher Hinsicht am häufigsten vertretenen Namen: erstens basierend auf der relativen Gewichtung der Aktie gemessen an der Marktkapitalisierung und zweitens in Bezug auf ihre absolute prozentuale Übergewichtung im Vergleich zu einem globalen Referenzindex (MSCI ACWI).

Unsere Liste der 50 Top-Positionen in ESG-Fonds gemessen an ihrer relativen und absoluten Übergewichtung


Quelle: Revisiting the ‘ESG Nifty Fifty’: The Rise of Impact, Goldman Sachs Equity Research, 2. Dez. 2019.

Wie wir sehen, sind einige bekannte und beliebte ESG-Favoriten darunter. Daher haben wir uns nach Durchsicht der Liste natürlich die Frage gestellt: „In wie vielen dieser Unternehmen ist der Kames Global Sustainable Equity Fund investiert?“ (Die Antwort lautet übrigens zwei, nämlich Kingspan und Relx). Früher hielten wir aber auch andere dieser Top-Titel in unserem Portfolio, von denen wir uns allerdings häufig aus Bewertungsgründen getrennt haben. Denn Nachhaltigkeit allein macht noch lange keine lohnende Anlage aus. (Obwohl sie sicherlich ein Plus ist). Wir sind leidenschaftlicher Verfechter ethischer und nachhaltiger Investments, dürfen aber nicht außer Acht lassen, dass sich in jeder Anlageklasse eine „ESG-Blase“ entwickeln kann.

Daher möchten wir an dieser Stelle vor allem die Antrittsrede der neuen Präsidentin der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde hervorheben. Darin deutete sie an, dass sie eventuell über das Anleihekaufprogramm der EZB aktiv zum Klimaschutz beitragen will. Was bedeutet das in der Praxis? Angenommen, die EU kann sich auf eine einheitliche Definition „grüner Anlagen“ einigen, dann wird die EZB wahrscheinlich grüne Anleihen kaufen, wenngleich das Green-Bond-Universum noch sehr überschaubar ist. Mit dieser radikalen Idee verabschiedet sich die Europäische Zentralbank von ihrer traditionellen Geldpolitik, insbesondere vom Grundsatz der Marktneutralität, um Blasen zu vermeiden. Zugleich befindet sie sich damit im Einklang mit dem Narrativ anderer Notenbanken. Die Klimakrise erfordert radikale Lösungen, und die EZB-Bilanz könnte eine bedeutende Rolle spielen, um den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit beschleunigen. Dabei sollten Anleger aber beachten, welche ungewollten Folgen ihr Wunsch, das Richtige zu tun, haben kann.

Kingspan Group Plc und Relx Plc sind im Kames Global Sustainable Equity Fund und ebenso in anderen Fondsportfolios von Kames enthalten. Andere in der vorstehenden Tabelle genannte Firmen sind zwar nicht im Kames Global Sustainable Fund, dafür aber eventuell in anderen Kames-Fondsportfolios enthalten.

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