Konjunktur und Strategie 34/2021: Hohe Inflation? Warum die EZB gelassen bleiben kann

In den vergangenen Tagen haben wir alle die dramatischen Bilder von der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan mitverfolgt. Viele Menschen versuchen, aus Furcht vor einem neuen Terrorregime das Land zu verlassen. Es droht eine humanitäre Katastrophe, eine neue Flüchtlingskrise könnte die Stabilität in der gesamten Region bedrohen, mit möglichen Auswirkungen bis zu uns in Europa. Für Anleger stellt sich die Frage, was eine Zunahme der geopolitischen Risiken für die Kapitalmärkte bedeutet. Carsten Klude, Chefvolkswirt von M.M.Warburg & CO, erläutert im neuen Kapitalmarktkompass-Video, worauf Anleger achten sollten und welche Schlussfolgerungen sich für die Anlagestrategie ergeben.

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In unserem aktuellen Flash Report “Konjunktur & Strategie” befassen wir uns erneut mit dem Thema Inflation. Muss die EZB zur Wahrung der Preisstabilität in der Eurozone bald die Zinsen erhöhen?

* Hohe Inflation? Warum die EZB gelassen bleiben kann

In den vergangenen Monaten ist die deutsche Inflationsrate stetig angestiegen, von 1,0 Prozent im Januar bis 3,8 Prozent im Juli. Zudem ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, denn bis zum Spätherbst könnte die Preissteigerungsrate noch bis auf rund fünf Prozent ansteigen. Auch in der Eurozone lag die Preissteigerungsrate im Juli das erste Mal seit drei Jahren wieder über der Zwei-Prozent-Zielmarke der EZB. Das neue symmetrische Inflationsziel gibt der EZB allerdings mehr Handlungsspielraum als in der Vergangenheit, um auf Abweichungen hiervon zu reagieren.

Derzeit kann das Überschreiten des Inflationsziels sicherlich als “leicht” eingestuft werden. Doch bleibt es auch dabei? Wohl nicht, denn es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Preissteigerungsrate in der Eurozone im Herbst vorübergehend bis auf rund drei Prozent ansteigen wird. Kein Wunder also, dass das Thema Inflation vor allem bei uns in Deutschland aufmerksam verfolgt wird. Ist die EZB “behind the curve”, hinkt sie also mit ihrer Geldpolitik der realwirtschaftlichen Entwicklung hinterher?

Allerdings – und dieser Punkt wird bei uns oft übersehen – hat die EZB auf die Preisentwicklung in allen Euro-Mitgliedsstaaten zu achten. Betrachtet man die Preissteigerungsraten in den anderen Ländern, stellt man fest, dass die Entwicklung der Inflation bei uns ziemlich singulär ist. Denn in fast allen unserer Nachbarländer liegen die harmonisierten Inflationsraten auf einem niedrigeren Niveau – und das zum Teil deutlich. Zudem ist die höhere Inflation der vergangenen Monate vor allem auf den starken Anstieg der Energiepreise zurückzuführen. Unterstellt man, dass der Ölpreis auf dem aktuellen (hohen) Niveau bleibt, werden in der gesamten Eurozone die Preissteigerungsraten schon zu Beginn des nächsten Jahres wieder auf unter zwei Prozent zurückgehen. Von daher lässt es sich unseres Erachtens nach rechtfertigen, dass die EZB die geldpolitischen Zügel locker hält.

 

 

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