Konjunktur und Strategie 39/2021: Aufbruchsstimmung im Land der aufgehenden Sonne?

Was ist eigentlich los auf der anderen Seite des Erdballs, im Land der aufgehenden Sonne, dessen Aktienmarkt vor 34 Jahren einen Anteil von 40% am MSCI All Country World Index hatte. Trotz des historisch gewachsenen, breiten und tiefen Aktienmarktes, einer dem Kapitalmarkt offen und risikobereit gegenüberstehenden großen Bevölkerung, und der drittgrößten Wirtschaft der Erde spielt Japan seit Jahrzehnten eine doch eher untergeordnete Rolle in der Asset Allokation. Trotzdem könnte für den japanischen Aktienmarkt in diesen Tagen eine Phase relativer Outperformance anbrechen. In den letzten Wochen hat die Aussicht auf Neuwahlen und damit auch auf eine veränderte Wirtschaftspolitik die Tokioter Börse beflügelt. Nur wenige Tage nach dem de facto Rücktritt des aktuellen Premierministers Yoshihide Suga hat der Nikkei-Index die Marke bei 30.000 zurückerobert und der breite Markt, gemessen am Topics-Index, ist auf ein neues Jahreshoch und damit auch den höchsten Stand seit August 1991 gestiegen.

Wie fundiert sind nun diese Hoffnungen? Bleibt der Nikkei weiter auf der Überholspur? Einerseits ist Japan als Industriemacht und Technologiestandort alles andere als nur ein Dinosaurier der Weltwirtschaft und eine beendete Episode der Wirtschaftsgeschichte. Der seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts immer wieder erwartete Niedergang Nippons wurde mindestens ebenso häufig abgesagt wie seine Wiedergeburt als Produktivitätswunder. Wahrscheinlich ist das Kaiserreich einfach inzwischen ein reiches, altes Industrieland mit saturierten Gepflogenheiten, lieb gewonnenen Traditionen und einem argwöhnisch verteidigten Wohlstand. Als Europäer kennt man die Symptome und dieses Umfeld recht gut. Die konjunkturelle Erholung und die Nachholeffekte nach der Pandemie dürften unzweifelhaft auch in Japan stattfinden. Die Inflation dürfte aus demographischen Gründen geringer bleiben als anderswo und die Empfindlichkeit für Veränderungen größer. Auch künftig wird es hervorragend positionierte Unternehmen und lohnende Investitionsziele mit einer einladenden Bewertung auf dem Kurs-zettel geben. Aber ein japanisches Jahrzehnt der Weltwirtschaft wie in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts sehen wir derzeit trotz eines bevorstehenden politischen Wechsels nicht.

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