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Chancen der Energiewende: Paris entfaltet sein Potenzial auch nach zehn Jahren

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„Es bleiben nur noch wenige Tage, bis das Jahr endet. Doch mit Blick auf das Thermometer steht bereits fest: 2025 könnte neben 2023 und nach 2024 als das wärmste Jahr in die Geschichte eingehen, seit es Messungen gibt. Allein im vergangenen Monat kletterte die Temperatur laut dem EU-Erdbeobachtungs-Programm Copernicus im weltweiten Durchschnitt auf 1,54 °C gegenüber vorindustriellen Zeiten – der drittwärmste November überhaupt.

Ein ominöser Rekord, gerade auch mit Blick auf die Pariser Übereinkunft, besser bekannt als das Klimaabkommen von Paris: Dieses jährte sich am 12. Dezember zum zehnten Mal. Vor einem Jahrzehnt kamen nicht weniger als 195 Staaten überein, mittels jeweils national festgelegten Klimazielen die Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen. Das damals ebenfalls formulierte Ziel von Netto-Null-Emissionen bis 2050 fordert gar einen maximalen Temperaturanstieg um 1,5 °C.

Energiewende und Dekarbonisierung bleiben wichtigste Hebel

Eine Dekade später ist zumindest dieses ehrgeizige Ziel stark infrage gestellt. Die gegenwärtigen Maßnahmen dürften nach wissenschaftlichen Prognosen bis im Jahr 2100 zu einer globalen Erwärmung von rund 2,8 °C führen. Dennoch erweist sich das Abkommen aus unserer Sicht als eine Erfolgsgeschichte für am Investmentthema Energiewende interessierte Anlegerinnen und Anleger: Die Unterzeichner schufen in Paris erstmals einen global verpflichtenden Rahmen mit Zielen und regelmäßiger Überprüfung. Das unterstützte ein breites Bewusstsein und Handeln und beschleunigte zum Beispiel den Übergang zu erneuerbaren Energien und die Adoption von Elektrofahrzeugen.

Und dieses Handeln ist mit Blick auf den Kern des Abkommens, das Abbremsen der Erderwärmung, nicht ohne Wirkung geblieben. Wie die Internationale Energieagentur (IEA) vorrechnete, hätte sich das Klima ohne das Abkommen bis zum Ende des Jahrhunderts vermutlich um 3,6 °C erwärmt.

Wichtigster Hebel ist dabei weiterhin die Energiewende und Dekarbonisierung der Weltwirtschaft. Gerade mit Blick auf die Investitionsströme in der Energieversorgung und -nutzung ist es hier seit dem Pariser Klimaabkommen zu enormen Umwälzungen gekommen. Laut IEA-Schätzungen kommen die Investitionen in saubere Technologien im Jahr 2025 bei rund USD 2,2 Billionen zu liegen. Im selben Zeitraum sind die Investitionen in fossile Energieträger um ein Fünftel auf geschätzte USD 1,1 Billionen gesunken.

Das Wachstum findet also eindeutig bei klimafreundlichen Technologien statt – getrieben durch die Energiewende. Folgende Verlagerungen springen dabei ins Auge:

  • Erneuerbare Energien: Folgt man den Zahlen der IEA, war in diesem Bereich das Investitionswachstum im vergangenen Jahrzehnt am größten, mit einem Anstieg des Volumens von USD 374 Mrd. auf USD 780 Mrd. Das schlägt sich auch in ihrer zunehmenden Bedeutung für die globale Stromproduktion nieder – laut IEA-Schätzungen dürften die Erneuerbaren dort bis 2025 voraussichtlich einen Anteil von 35% erreichen.
  • Netze und Speicherung: Im Zuge der Energiewende wurden insbesondere in Industrieländern Rekordinvestitionen in Batteriespeicher und Stromnetze getätigt, um mit den Veränderungen im Stromsektor und der Elektrifizierung (siehe unten) mitzuhalten. In ihrem neuesten Bericht zu Energieinvestitionen schätzt die IEA diese Ausgaben auf rund USD 240 Mrd. für 2025. Diese Summe müsste sich laut der Agentur bis 2050 gar verdoppeln, soll der gegenwärtige Dekarbonisierungspfad eingehalten werden. Rasant entwickelt sich auch der Bereich Energiespeicherung. Die Kosten für Batterien sind in den letzten zehn Jahren um zwei Drittel gesunken, während die weltweiten Ausgaben für Batteriespeicher sich laut IEA dem Niveau der Investitionen in Gaskraftwerke nähern.
  • Energieeffizienz: Wie die IEA errechnete, erweisen sich neue Onshore-Wind- und Photovoltaik-Anlagen in den meisten Fällen als die kostengünstigere Option für die Stromerzeugung als fossile Energiequellen. Auch die Künstliche Intelligenz (KI), die zuweilen als Stromfresser verschrien ist, könnte wohl viel zu einem effizienteren Umgang mit Energie und damit zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen beitragen. Wie wir bereits analysierten, dürfte der Nettoeffekt von KI auf die CO2-Emissionen mittelfristig gar positiv sein.
  • Elektrifizierung: Bis ins Jahr 2050 könnte sich die Stromnachfrage gemäß der IEA verdoppeln oder gar verdreifachen, was einem jährlichen Wachstum von 3 bis 4,5% entspricht – wohl höher als das erwartete Weltwirtschaftswachstum. Aus nachhaltiger Anlagesicht ist dies gleich aus mehreren Gesichtspunkten interessant. Zum einen kann die Elektrifizierung die Dekarbonisierung fördern, dank Strom aus erneuerbaren Energien und höherer Energieeffizienz. Weiter verspricht die Elektrifizierung, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern und damit Versorgung zu sichern.

Die bereits stattgefundene Verlagerung der Investitionsströme lassen es erahnen: Die Energiewende bietet aus Anlagesicht spannendes Potenzial. Unternehmen, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen zu diesem Wandel beitragen, könnten unserer Meinung nach überdurchschnittlich wachsen. Für Anlegerinnen und Anleger ist es aber entscheidend, dass die Qualität dabei nicht vergessen geht: Unseres Erachtens müssen Unternehmen rentabel wachsen und ihre Kapitalkosten verdienen, um Mehrwert für Anlegerinnen und Anleger zu schaffen.“


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