Eric Pedersen zu COP26: „Jede Bewegung auf dieser Klimakonferenz ist ein potenzieller Auslöser für Neubewertungen“

Eric Pedersen zu COP26: „Jede Bewegung auf dieser Klimakonferenz ist ein potenzieller Auslöser für Neubewertungen“

 

Auf der derzeitigen Weltklimakonferenz COP26 kommen Interessensvertreter aus der ganzen Welt zusammen, um über Maßnahmen zur Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens zu beraten. Eric Pedersen, Head of Responsible Investments bei Nordea Asset Management, spricht im Folgenden über seine Hoffnungen für die Konferenz.

Warum sollten Anleger die Weltklimakonferenz verfolgen?

Eric Pedersen: „Die Bedeutung von COP26 für Anleger ergibt sich aus der Dringlichkeit des Problems: Der Klimawandel stellt die größte Bedrohung sowohl für ihren eigenen zukünftigen Wohlstand dar als auch die Umweltbedingungen, unter denen sie und ihre Kinder künftig leben werden. Als Einzelner hat man ja oft das Gefühl, nur sehr wenig tun können, um solch große Nachhaltigkeitsprobleme wie den Klimawandel zu bekämpfen. Aber aus eigener Erfahrung wissen wir, dass Investoren etwas bewirken können. Anleger müssen sich mit dem Strukturwandel auseinandersetzen, der sich in diesem Moment vollzieht. Und obwohl niemand genau sagen kann, wann die Neubewertung der emissionsintensiven Industriezweige stattfinden wird, ist jede Bewegung auf dieser Klimakonferenz, insbesondere bei der Frage der CO2-Steuer, ein potenzieller Auslöser für die genannten Neubewertungen. Deshalb sollte man sie im Auge behalten.“

Welche Themen werden Sie während der Konferenz besonders verfolgen?

Eric Pedersen: „Es gibt gleich mehrere Themen, die wir aufmerksam beobachten werden, darunter eine stärkere Bepreisung von Kohlenstoff, das Auslaufen von Subventionen für fossile Brennstoffe und regulatorische Maßnahmen zur Beschleunigung der Stilllegung von Wärmekraftwerken. Wir werden auch nach Mechanismen Ausschau halten, die den so genannten gerechten Übergang erleichtern. Damit ist ein Übergang gemeint, bei dem die durch die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft verursachten Verwerfungen so gering wie möglich gehalten werden und benachteiligte Gruppen nicht unverhältnismäßig stark getroffen werden.“

Was erhoffen Sie sich vom aktuellen Weltklimagipfel?

Eric Pedersen: „Wir erwarten, dass sich mehr Regierungen zu einem Netto-Null-Emissionsziel für die Mitte des Jahrhunderts verpflichten werden, mit klaren, mittelfristigen sektoralen Dekarbonisierungsfahrplänen. Die Covid-19-bedingten Konjunkturprogramme sollten einen gerechten Übergang zu Netto-Null-Emissionen unterstützen. Darüber hinaus wünschen wir uns ein stärkeres Engagement für die Umsetzung verbindlicher Vorschriften zur Offenlegung von Klimarisiken – vorzugsweise in Anlehnung an die Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures, kurz TCFD. Diese Initiative setzt sich für die aktive Einbeziehung von Klimarisiken in die Firmenstrategie und eine einheitliche Berichterstattung dazu ein.“

Wie sähe ein erfolgreicher Abschluss dieser Weltklimakonferenz aus?

Eric Pedersen: „Sollten wir starke Selbstverpflichtungen und politische Entscheidungen im Sinne einer Begrenzung der globalen Erderwärmung auf nicht mehr als 1,5 Grad Celsius sehen, dann dürften Investoren den Netto-Null-Umstieg mit historisch beispiellosen Kapitalströmen unterstützen. Wir sehen erhebliche Investitionschancen in der gesamten Weltwirtschaft, nicht nur in Bereichen, die manchmal als ,offensichtlich grün‘ bezeichnet werden wie saubere Technologien und grüne Infrastruktur.“

Welche Auswirkungen wird COP26 auf Investitionen haben, sowohl unmittelbar nach der Konferenz als auch längerfristig?

Eric Pedersen: „In Märkten, in denen die klimapolitischen Ambitionen deutlich verstärkt werden, dürfte dies unmittelbare Auswirkungen auf die Investitionsströme haben. Unternehmen, die der Klimapolitik heute voraus sind, werden davon profitieren, während Nachzügler es schwer haben werden. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass es einige Märkte geben wird, in denen die Klimaschutzmaßnahmen noch zu wünschen übrig lassen. Die Nachzügler in diesen Märkten könnten zwar kurzfristig eine gewisse Atempause bekommen, aber längerfristig dürfte sich die Nachfrage auch in diesen Märkten zugunsten der Klimavorreiter verschieben.“

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