G20-Gipfel: „Gespräche werden vermutlich scheitern“
21. Juni 2019 418 Views

G20-Gipfel: „Gespräche werden vermutlich scheitern“

Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, blickt auf den möglichen Gesprächsausgang zum Handelsstreit zwischen den USA und China:

„Der kommende G20-Gipfel wird entscheidend sein für den Handelskrieg zwischen den USA und China. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Gespräche jedoch scheitern. Chinas Bevölkerung wird vor einem neuen „langen Marsch“ gewarnt, ein Codewort für große Mühsal. Im Parteiorgan heißt es: „Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt“, ein Ausspruch, der erstmals vor Chinas Angriff auf Indien verwendet wurde. Eine Ausweitung der US-Zölle auf alle chinesischen Exporte würde wahrscheinlich zu einer Abwertung des Renminbi führen, was eine Kettenreaktion auslösen würde. Die USA würden wahrscheinlich die Zölle erhöhen und einige Fabriken würden aus China abwandern. Da sich der Handelskrieg also verschärfen dürfte, ist es ratsam, die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, indem ein Produktmix gewählt wird, der das Risiko entweder etwas reduziert oder diversifiziert, wie beispielsweise einige Long-Short-Aktienstrategien.

Kampf der Titanen

Der Konflikt zwischen China und den Vereinigten Staaten besteht darin, dass zwei Schwergewichte um die Vormachtstellung kämpfen. Dies bedeutet, dass wirtschaftliche Überlegungen den nationalen Sicherheitsüberlegungen untergeordnet werden könnten. Im Vorfeld des G20-Gipfels scheint keine der beiden Seiten ihre Haltung zu lockern, und doch steht die Gefahr einer Ausweitung der Zölle auf Chinas Gesamtexporte in die Vereinigten Staaten im Raum. Ein Friedensangebot ist möglich, z.B. das Versprechen, Sojabohnen zu kaufen. Allerdings würde auch das kaum für große Fortschritte sorgen. Die Auswirkungen auf das chinesische Wachstum wären beträchtlich, wenn wir davon ausgehen, dass das tatsächliche Wachstum bei etwa 4,5 Prozent liegt. Die geschätzten Auswirkungen der Zölle reichen von weniger als 1 Prozent bis 2 Prozent über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Für chinesische Produzenten mit niedrigen Margen läuft die Zeit ab. Als Beispiel dient ein in China hergestelltes T-Shirt: Zölle von 25 Prozent verschlechtern die Gewinnspanne des US-Einzelhändlers, während die lokalen Hersteller wahrscheinlich nur begrenzt in der Lage sind, die zusätzlichen Kosten zu tragen. Auch Branchen sind zu bedenken, in denen nicht sicher ist, ob sich die Zölle in den nächsten Jahren nach oben oder unten bewegen. Unternehmen in diesen Branchen werden auch nach alternativen Produktionsstandorten wie Vietnam suchen, das dem Risiko ausgesetzt ist, als Währungsmanipulator gebrandmarkt zu werden. Angesichts der Tatsache, dass die Zeit abläuft und mit einer niedrigeren Exportnachfrage konfrontiert, dürfte China einen Wertverlust seiner Währung höchstwahrscheinlich um zehn Prozent zulassen. Das wäre wohl nicht genug, um eine Dollar-Rückzahlungskrise entstehen zu lassen, würde jedoch ausreichen, um eine Kreditkrise teilweise einzudämmen. Dies würde zu einer Abschwächung der Währungen im Asien-Pazifik-Raum und zu einer Aufwertung des US-Dollars führen. Währungsinterventionen würden die importierte Inflation in Ländern wie Indonesien begrenzen. Eine daraus resultierende rückläufige Nachfrage nach US-Treasuries mit kurzer Laufzeit dürfte sich nur begrenzt auswirken.“

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