Hoffnung auf Handelsdeal zwischen den USA und China stützt den Aktienmarkt

Sollten die USA und China ihren Handelsstreit beilegen und sich auf ein Abkommen verständigen, hätte das Auswirkungen für die Finanzmärkte. Sébastien Galy, Senior Makro Stratege bei Nordea Asset Management, erwartet, dass ein solcher Deal sowohl europäischen als auch US- und Schwellenländer-Aktien zugutekommen dürfte.

„Dass europäische und US-Aktien von einer Beilegung des Handelsstreits und von einem Abkommen zwischen den USA und China profitieren würden, liegt daran, dass beide Regionen starke wirtschaftliche Interessen in China haben“, sagt Galy. „Auslöser für einen positiven Effekt sind vermutlich zwei Faktoren: Zunächst die Erkenntnis, dass an einer Vereinbarung mit China letztendlich kein Weg vorbeiführt, und zweitens der Zeitpunkt, an dem die Märkte nicht länger auf negative Nachrichten aus China reagieren. Professionellen Anlegern ist klar, dass offizielle Daten den tatsächlichen Ereignissen immer etwas hinterherhinken. Für Retailanleger kommt dies unter Umständen überraschend“, so Galy. „Was das mögliche Abkommen angeht: Mit einem hohen und anhaltenden Handelsdefizit und seinem aggressiven Stil wird es Trump vermutlich gelingen, China in einen vorteilhaften Handelsdeal zu zwingen.“ Galy rechnet damit, dass die Handelsvereinbarung spätestens im September dieses Jahres geschlossen wird, um die Debatten im Vorfeld der republikanischen Vorwahlen zu den US-Präsidentenwahlen 2020 im Sinne Trumps zu beeinflussen.

Risikoärmere Investments bevorzugt

„Generell setzen wir bei Nordea Asset Management im Jahr 2019 weiterhin auf Aktien mit niedriger Volatilität und Engagements in Risikoprämien oder Long-Short-Strategien. Der Grund? Nach dem schwachen Aktienjahr 2018 sind die Voraussetzungen nun besser: Das Gewinnwachstum hat seinen Zenit überschritten und 2018 an Fahrt verloren. Die Prognosen für 2019 wurden angesichts der erwarteten Abkühlung und höherer Faktorkosten nach unten korrigiert. Im Retail-Segment ist dies gegenüber dem China-Faktor noch nicht vollständig in den Preisen berücksichtigt, wie der Einbruch der Kurs-Gewinn-Verhältnisse im Verein mit niedrigeren Vermögenspreisen zeigt. So entstehen solide innere Werte besonders bei Aktien mit geringerem Risiko”, erklärt Galy.

Nachdem die Volatilität Ende 2018 bei gleichzeitig gesunkenen Volumina nach oben geschossen sei, erwartet Galy auch für dieses Jahr ein hohes Niveau. „In der Spitze erreichte die Volatilität im vergangenen Jahr 36 Prozent – ähnlich wie in den Jahren 2011 und 2015. Auch 2019 dürfte sie hoch bleiben, im Mittel bei 12 bis 25 Prozent. Gründe hierfür sind das gesunkene Wachstum und die hohe Verschuldung im Hochzinsbereich, wo das Ausfallrisiko vermutlich ebenso steigt wie die politischen Risiken. Ein zentraler Faktor ist zudem die anhaltende geldpolitische Straffung durch die US-Notenbank Fed. Allerdings spricht einiges dafür, dass die zwei von der Fed in Aussicht gestellten Zinsanhebungen im Jahr 2019 nicht mehr kommen werden“, sagt Galy.

So könnten Aktien mit niedrigeren Volatilitätsprofilen 2019 in der Gunst der Anleger steigen. Gleiches gelte für ein moderates, selektives Engagement in den Schwellenländern, wenn die Kurse langsam einen China-Handelsdeal mit den USA berücksichtigen. Zum Jahresauftakt 2019 sei vermutlich die Aufstellung der großen Kapitalsammelstellen von Interesse, die typischerweise einen Trend auslösten, der einige Monate später unter Druck gerate. „Bislang scheinen Long-Positionen in den Schwellenländern angesichts niedriger Bewertungen, hoher Renditen und der Hoffnung auf eine Handelsvereinbarung mit China ein beliebtes Thema“, so Galy. Er rät Investoren allerdings, für das Aktienjahr 2019 die folgenden Punkte zu beachten:

  • Die Verluste des Jahres 2018 könnten dazu führen, dass insgesamt weniger Risikokapital in den Markt fließt.
  • Schwächere Vorzeichen signalisieren niedrigere Erträge.
  • Die Fed wird die Zinsen vermutlich nicht noch zweimal erhöhen. Daher ist es durchaus vorstellbar, dass die Renditekurve flacher wird oder sich sogar umkehrt.
  • Die Verhandlungstaktik der US-Regierung sorgt für anhaltende Unruhe im Welthandel und damit so lange für Volatilität, bis die Marktteilnehmer irgendwann im ersten Quartal die Umrisse eines Deals ausmachen können.
  • Weit fortgeschrittene Kreditzyklen besonders im US-Hochzinssegment, aber auch in China, tragen zur Aktienmarktvolatilität bei.

„Ein Konsens über eine kurz- bis mittelfristig zu erwartende Rezession ist im Markt nicht zu erkennen. Damit greifen Anleger möglicherweise verstärkt zu risikoärmeren Aktien mit niedrigerem Beta und/oder ergebnisorientierten Lösungen wie Anlagen mit Konzentration auf Risikoprämien oder Long-Short-Strategien“, berichtet Galy.

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