Interview mit Joakim Ahlberg, Lead Portfoliomanager der Nordea North American Stars Equity-Strategie

Interview mit Joakim Ahlberg, Lead Portfoliomanager der Nordea North American Stars Equity-Strategie

 

Was ist Ihre Reaktion auf den Wahlsieg von Joe Biden? 

Wir betrachten vorwiegend den Wirtschafts-/Konjunkturzyklus, von dem wir glauben, dass er immer den politischen Zyklus übertrump(f)t – das kleine Wortspiel sei mir gestattet. Dies mag derzeit zutreffender sein denn je, da die Weltwirtschaft im nächsten Jahr eine deutliche Erholung erleben wird, wenn wir aus der Pandemie hervorgehen. Wenn der Senat in der Hand der Republikaner bleibt, ist dies für die Märkte möglicherweise das Beste aus beiden Welten, da es schwieriger sein wird, Steuererhöhungen für Unternehmen durchzusetzen. In den USA sind derzeit die Haushaltsausgaben ein wichtiger Faktor. Die Infrastrukturausgaben sollten sich unter der neuen Regierung von Biden verändern, wobei mehr für grünere Bereiche bereitgestellt werden wird. Dies wird einen positiven Rückenwind für die Aktien der erneuerbaren Energien liefern, in die wir derzeit investiert sind.

Wird eine „grünere“ Regierung Auswirkungen auf das ESG-Denken von US-Unternehmen haben? 

ESG ist in den USA schon seit einiger Zeit ein Thema – schon bevor Trump gewählt wurde – aber das könnte sich jetzt weiter beschleunigen. In den letzten drei Jahren flossen große Geldbeträge in ESG-Anlagestrategien, und die Unternehmensführungen stehen nun unter erheblichem Druck der Aktionäre, die Berichterstattung in diesem Bereich zu verbessern. Dies wird es uns zunehmend erleichtern, die von uns benötigten Informationen zu erhalten, da die Unternehmen wissen, dass Investoren – auch wir bei Nordea – mit ihren Füßen abstimmen werden. Auf jeden Fall mangelt es heute nicht an positiven ESG-Namen, in die man investieren kann. Zum Beispiel stellt Xcel Energy im regulierten Versorgungsbereich Kohlekraftwerke still und ersetzt Vermögenswerte durch Wind und Sonne. Ecolab ist ein weiteres Beispiel, das Lösungen für sauberes Wasser und Energieverschwendung bietet.

Was ist der Aktienauswahlprozess hinter der North American Stars Equity-Strategie? 

Zunächst einmal, folgen wir dem gleichen Prozess wie wir ihn auch bei der etablierte Global Stars Equity-Strategie haben und für die wir ebenfalls verantwortlich sind. Wir sind aktive Manager und suchen nach zwei Arten von Aktien: Im ersten Segment befinden sich Titel, die wir „Wassergraben- und Rückenwind“ -Aktien nennen. Sie machen etwa 70% des Portfolios aus. Die leicht unterscheidbaren „Wassergräben“ (nachhaltige Wettbewerbsvorteile) und der „Rückenwind“ für diese Aktien bieten auf risikobereinigter Basis attraktive langfristige Renditen.

Die verbleibenden 30% des Portfolios befinden sich in dem Segment, das wir mit „Erwartungslücke“ umschreiben. Hierbei handelt es sich um Aktien, bei denen wir eine wesentlich andere Sichtweise als der Markt haben. Dies ist häufig sehr Research-intensiv und erfordert monatelange Due Diligence, bevor eine Position eingenommen wird. Diese Bemühungen können jedoch oft ein sehr attraktives Aufwärtspotenzial eröffnen.

Die North American Stars Equity-Strategie wurde vor etwa zwei Jahren in das ESG STARS-Franchise von Nordea überführt. Wie haben Sie diesen Prozess bewältigt?  

Die Global Stars-Strategie hatte eine Gewichtung von 65% in US-Titeln, als wir uns derzeit entschlossen, die nordamerikanische Strategie zukünftig ebenfalls intern zu verwalten. Daher kannten unsere Portfoliomanager und Analysten die Unternehmen sehr gut und hatten sie bereits vorher viele Jahre lang verfolgt. Während wir dadurch den Kern des Portfolios gut abgedeckt hatten, war es aber anfangs ziemlich forschungsintensiv, den Rest des Portfolios zu bevölkern. Trotzdem war es aufgrund der Synergien mit der Global Stars Equity-Strategie ein reibungsloser Übergang.

Sie haben die Bedeutung des Verständnisses des Konjunkturzyklus erwähnt. Können Sie näher erläutern, warum dies so ist? 

Während wir Bottom-up-Investoren sind, haben Co- Portfoliomanager Johan Swahn und ich zusammen 35 Jahre Erfahrung mit zyklischen Aktien. Wir waren beide Analysten, die Bereiche wie Industrie und Energie abdeckten, und haben daher das Gefühl, einen guten Überblick darüber zu haben, wo wir uns im Konjunkturzyklus befinden. Während wir die Portfoliokomponenten schrittweise an unsere Position im Zyklus anpassen, geben wir keine direktionalen Wetten auf den Markt ab – es ist alles Bottom-Up getrieben. Zum Beispiel beträgt unser Übergewicht im Finanzsektor durch diese Bottom-up-Brille betrachtet heute 2,4%, während es vor etwa 18 bis 24 Monaten ein Untergewicht in ähnlicher Höhe war. Wir haben diesen schrittweisen Übergang vollzogen, weil wir jetzt einen deutlichen Aufwärtstrend in unseren Bankpositionen sehen, im Gegensatz zu dem begrenzten Aufwärtstrend in der jüngeren Vergangenheit. Gleiches gilt heute für die Industrietitel.

Es wird immer über die Vorzüge von Growth und Value gesprochen. Wie balancieren Sie die Position des Portfolios zwischen den beiden Stilen? 

Wir sind Agnostiker. Am Beispiel des Finanzsektors sehen wir, wie bereits erwähnt, nach der durch die Pandemie ausgelösten Rezession in diesem Bereich viel Aufwärtspotenzial. Nachdem die Banken deutlich unter Verkaufsdruck kamen, nutzten wir den Vorteil und erhöhten unsere Gewichtung. Natürlich werden Banken als Value Stocks bezeichnet. Dies bedeutet, dass wir unsere wertorientierte Position erhöht haben. Dies geschah aber lediglich aufgrund der Bottom-up-Aktienauswahl.

Bitte beachten Sie, dass das Interview am 25. November 2020 stattfand. Alle Marktkommentare und Informationen beziehen sich auf den davor liegenden Zeitraum.

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