Interview mit Portfolio Manager René Møller Petersen and Frederik Nøkleby Weber von Nordea AM

Interview mit Portfolio Manager René Møller Petersen and Frederik Nøkleby Weber von Nordea AM

Der European Stars Equity Fund, der diesen Monat seinen dritten Geburtstag feiert, hat seit seiner Auflegung ein solides Alpha für die Anleger geliefert. Worauf führen Sie das zurück?

Weber: Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung der Strategie. Wir führen unseren bisherigen Erfolg sicherlich auf unseren integrierten Ansatz zurück, der eine positive ESG-Auswahl mit einer starken Bottom-up-Fundamentalanalyse kombiniert. Wie alle ESG STARS-Fonds von Nordea arbeitet unser Investmentteam eng mit dem Responsible Investment-Team zusammen. Unsere Performance in den ersten drei Jahren zeigt, dass Anleger bei der Fokussierung auf Nachhaltigkeit nicht auf Renditen verzichten müssen – im Gegenteil.

Können Sie uns erklären, wie dieser integrierte Ansatz funktioniert?

Petersen: Natürlich. Bei einem 360 ° -Blick auf ein Unternehmen sind die ESG und die grundlegenden Analyseprozesse miteinander verknüpft. Ausgangspunkt ist in der Regel die Betrachtung eines Unternehmens aus einer fundamentalen Perspektive – wie Wachstumsrate, Rentabilität und Stellung auf dem Markt. Parallel dazu betrachten wir ESG-Faktoren wie Management-Anreizsysteme und Vergütungspakete sowie die Vielfalt der Verwaltungsräte. Ein Unternehmen mit einem nachhaltigeren Wettbewerbsvorteil kann für alle Stakeholder – Aktionäre und andere – Vorteile bieten.

Die europäischen Aktienmärkte sind gut durch externe ESG-Ratings abgedeckt. Warum müssen Anleger ihre eigenen internen Analysen durchführen?

Weber: Das ist einfach – es schafft Mehrwert. Eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale unserer ESG STARS-Reihe ist unser Fokus auf positive Auswahl. Dieser Ansatz soll zukünftige ESG-Gewinner identifizieren, anstatt ESG-Nachzügler einfach auszuschließen. Betrachten Sie die Investitionsauswirkungen des weltweiten Ziels, den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 ° zu begrenzen. Einige Unternehmen müssen wir einfach ausschließen – wir meiden Gebiete wie Öl und Kohle. Wir können jedoch noch einen Schritt weiter gehen und nach Unternehmen suchen, die Lösungen für die Zukunft anbieten, und hier eine positive Auswahl treffen. Der französische globale Automobilzulieferer Valeo ist ein gutes Beispiel. Früher lieferte das Unternehmen Teile für Verbrennungsmotoren, traf jedoch vor einigen Jahren die Entscheidung, sein F & E-Budget auf die Elektrifizierung von Autos zu konzentrieren. Es ist jetzt führend in diesem Bereich und profitiert von den großen strukturellen Veränderungen in der Autoindustrie. Wenn wir eine solche Gelegenheit erkennen, arbeiten wir eng mit dem Responsible Investment-Team zusammen, um sicherzustellen, dass das Unternehmen wirklich auf der richtigen Seite des weltweiten Wandels steht.

Gibt es Bereiche innerhalb der ESG, in denen Europa immer noch hinterherhinkt?

Weber: Gibt es – insbesondere in Bezug auf das “S” und “G”. Zum Beispiel gibt es viele Beispiele für Unternehmen mit kombinierten CEO- und Vorsitzendenrollen. Außerdem bleiben europäische Unternehmen in Bezug auf die geschlechtsspezifische Vielfalt häufig hinter internationalen Kollegen zurück. Darüber hinaus gibt es in Europa viele Konglomerate, die schlechte Entscheidungen zur Kapitalallokation getroffen haben. Auch wenn europäische Unternehmen in der E-Komponente der ESG den globalen Wettbewerbern voraus sein mögen, bleibt noch viel zu tun. Hier können Engagement und Investitionsströme dazu beitragen, Unternehmen in eine nachhaltigere Richtung zu lenken – und gleichzeitig das Renditepotenzial eines Unternehmens steigern.

Sie haben gerade die Engagement-Bemühungen angesprochen, die Sie gemeinsam mit dem Responsible Investments-Team von Nordea unternehmen. Haben Sie ein Beispiel dafür?

Petersen: Das deutsche Unternehmen GEA Group, einer der größten Technologielieferanten für die Lebensmittelverarbeitung, ist ein gutes Beispiel. Das Unternehmen war durch Akquisitionen nachhaltig gewachsen, die Rentabilität blieb jedoch aufgrund von Integrationsproblemen zurück. ESG-bezogene Kennzahlen gingen ebenfalls zurück, beispielsweise aufgrund der hohen Fluktuation, was zu einer sinkenden Mitarbeiterzufriedenheit führte. Zusammen mit dem Fondsmanager Elliott haben wir 2017 einen Engagement-Prozess für das Unternehmen begonnen und ihn im folgenden Jahr bis zum Vorstand ausgedehnt. 2019 wurde ein neues Managementteam eingesetzt, um die Integration zu verbessern und das Unternehmen wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Wir hatten kürzlich ein Folgetreffen mit dem neuen Managementteam und sehen vielversprechende Anzeichen.

Warum sollten Anleger, die ihre Aktienallokation in Europa erhöhen möchten, eine ESG-Strategie wählen?

Petersen: Es gibt viele Gründe, warum es sehr sinnvoll ist, mit einem ESG-Fokus zu investieren. Wir sehen einen klaren Weg zu mehr Nachhaltigkeit in einer breiteren Gesellschaft, die sowohl von Politikern als auch von Verbrauchern vorangetrieben wird. Wir glauben, dass die Gewinner von morgen die Unternehmen sein werden, die Lösungen für den Nachhaltigkeitsübergang anbieten, den wir weltweit erleben. Auf der anderen Seite wird es für viele Unternehmen der „alten Wirtschaft“ äußerst schwierig sein, sich anzupassen und ESG-positiv zu werden. Investoren ergreifen bereits Maßnahmen mit starken Zuflüssen in ESG-beeinflusste Strategien. Wir glauben, dass es gefährlich ist, auf der falschen Seite dieses Trends zu stehen.

 

Bitte beachten Sie, dass das Interview am 11. November 2020 stattfand. Alle Marktkommentare und Informationen beziehen sich auf den davor liegenden Zeitraum.

 

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