Märkte in Euphorie – doch die Abrechnung wird kommen

Märkte in Euphorie – doch die Abrechnung wird kommen

Die aktuelle Marktlage sieht vielversprechend aus, nicht zuletzt dank der Rally in China, die von der dortigen Regierung befeuert wird. Sébastien Galy, Senior-Makrostrategie bei Nordea Asset Management, mahnt dennoch zur Vorsicht: „Die Situation scheint so ausgezeichnet, dass genau dies Grund zur Sorge liefert.“

Euphorie präge typischerweise die letzte Phase einer Rally. Negative Daten wie die Herabstufung der US-Wachstumserwartungen durch Goldman Sachs und die hohe Kreuzkorrelation von Vermögenswerten in Clustern, Paartrades oder über Assetklassen hinweg würden einfach ausgeblendet. Es stelle sich jedoch die Frage, ob die US-Ströme an Dividenden, Rückkäufen und Preiserwartungen mit der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in den USA, der sogenannten NIPA-Statistik, übereinstimmten. NIPA steht für National Income and Product Accounts. Dies sei vergleichbar mit der Kaufkraftparität in Währungen. Diese gehe von einer Welt ohne Risiko und ohne Zahlungsausfälle aus, in der alle ihre Gewinnanteile behielten – der Growth-Investmentstil widerspreche dieser Annahme jedoch per Definition. „Angesichts geringerem strukturellen Wachstum, einer höheren Verschuldung und damit verbundenen höheren Steuern dürfte die NIPA-Statistik ein langsameres Wachstum aufzeigen, was niedrigere ‚Höchststände‘ etwa im US-Leitindex S&P 500 zur Folge hätte“, so Galy. Die NIPA-Gewinne seien einige Jahre lang stabil gewesen, bevor sie zuletzt stark zurückgingen. Dies lasse vermuten, dass die Hoffnung auf die Zukunft die wichtigste Richtschnur für den S&P 500 sei. Hierfür könnten die Märkte in den nächsten sechs Wochen die Rechnung bekommen, noch bevor die Märkte im September und Oktober ohnehin extreme Nervosität zeigen und sei dies auch nur aus historischen Gründen.

Implikationen:

„Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass die fundamentale Analyse von Bilanzen und Geschäftsmodellen, einschließlich Besuche vor Ort, sowie aktives Engagement jetzt von größter Bedeutung sind. Um auf eine mögliche Marktverschiebung vorbereitet zu sein, bevorzugen wir Covered Bonds, US-Anleihen mit sehr langer Duration sowie Unternehmensanleihen in den USA und der EU. Letztere könnten eine gewisse Volatilität erfahren, dürften sich dann allerdings stabilisieren. Zudem setzen wir auf flexible Lösungen, die entweder automatisiert oder durch einen Portfoliomanager die Vermögensallokation über Anlageklassen hinweg anpassen. Und schließlich halten wir an unseren vier zentralen Themen fest: 1. ESG, 2. Klima und grüne Anlagen, 3. dem Aufstieg Chinas und 4. Chancen im Credit-Bereich“, so der Senior-Makrostratege.

 

Rally in China – von der Regierung genehmigt

In China folge der Markt typischerweise den Einschätzungen regierungsnaher chinesischer Kommentatoren, und entsprechend hätten die Aktienmärkte nach positiven Anmerkungen über eine „gesunde“ Rallye um 5,7 Prozent zugelegt. Hohe Umsätze und eine starke Zunahme der medialen Erwähnung einer „Bullenrally“ (Bloomberg News) befeuerten diese Entwicklung. „Nur wenige Marktteilnehmer erwarten eine Wiederholung der durch Schulden angeheizten Blase und des Crashs von 2015. Wir gehen weiterhin davon aus, dass China die Erholung anführen wird – dafür sprechen sowohl die ermutigenden jüngsten offiziellen Wirtschaftsdaten als auch hochfrequente Daten“, sagt Galy. Ein wichtiger Faktor sei die Inflation, die seit einigen Monaten, seit Beginn der Covid-19-Pandemie, rückläufig sei. „Chinas Verbraucherpreisindex, der am morgigen Donnerstag veröffentlicht wird, ist hierfür ein verlässlicher Indikator. Sollte die Inflation stärker als erwartet zurückgehen, dürfte die People’s Bank of China (PBoC) weitere geldpolitische Lockerungen einleiten“, schätzt Galy. Bislang setze die PBoC auf erzwungene Liquiditätsspritzen anstelle einer Änderung der Zinssätze, um eine Blase an den Aktien- oder Immobilienmärkten zu vermeiden. „Sollte die PBoC Lockerungsmaßnahmen vornehmen, ist dies jedoch ein deutliches Zeichen dafür, dass ihre Wachstumsprognosen eher pessimistisch ausfallen und sie nicht nur von einer leichten Korrektur ausgeht“, meint der Senior-Makrostratege.

Implikationen:

„Wir erwarten weiterhin einen von China angeführte Erholung, die sich in den kommenden Wochen und Monaten auf den restlichen asiatisch-pazifischen Raum ausbreiten dürfte“, so Galy.

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