Makroökonomischer Ausblick auf 2022: „Eine fortgesetzte Rally, die Ende 2022 Streuung und damit Chancen bringt“

Die makroökonomischen Aussichten für 2022 können entweder mit Blick auf Wachstum und Inflation oder in Bezug auf die Bewertungen betrachtet werden, wobei beide miteinander verbunden sind. Wachstum und Inflation sind aus Sicht von Sebastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, nicht übermäßig problematisch: „Die Inflation sollte sich bis Ende des Jahres stabilisieren, da die Unterbrechungen in der Lieferkette nachlassen. Und die Wachstumsaussichten dürften in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften moderat sein, da die Flut fiskalischer und geldpolitischer Maßnahmen abebbt.“ Eigentliches Thema sind nach Ansicht des Experten die Bewertungen: „Wir erwarten, dass sich die Rally bei ausgewählten Vermögenswerten fortsetzt, bis sie Ende 2022 ein plötzliches Ende findet. Darin liegt die Chance: zunächst in der fortgesetzten Rally und dann in der daraus resultierenden Streuung der Vermögenswerte.“

Lesen Sie im Folgenden Sébastien Galys vollständigen Ausblick auf 2022:

Die Kerninflation dürfte schneller abklingen als erwartet, aber die Energiepreise könnten steigen

Die Inflationsprognosen werden von den Lieferkettenengpässen, der außerordentlichen Verfügbarkeit von Liquidität und den Energiepreisen bestimmt. Während der Pandemie, als viele Dienstleistungen nicht verfügbar waren, wichen die Verbraucher auf Fertigwaren aus. Zunächst konnten die Verkäufer von ihren Lagerbeständen zehren, um die steigende Nachfrage zu decken, bevor in weiten Teilen der globalen Lieferkette Engpässe auftraten. Einige Produktionsketten haben sich bereits erholt, bei anderen wird es noch Monate dauern, da Investitionen zur Kapazitätssteigerung erforderlich sind.

Was die Geldpolitik betrifft, so liegen sowohl die EZB als auch die Fed hinter der Kurve. Beide sind überzeugt, dass die Inflation mehrheitlich ein vorübergehendes Phänomen ist und dass ihre Glaubwürdigkeit unbestritten ist. Dies kann zu einem Zyklus steigender Preise führen, der in ein Lohnwachstum mündet, das weit über der Produktivität liegt, was wiederum eine höhere Inflation bedingt. Dies bestimmt zum Teil auch das globale Nachfrageniveau zu einer Zeit, in der das Warenangebot nicht mithalten kann – mit anderen Worten, die Weltwirtschaft liegt oberhalb der sogenannten Produktionslücke. In den USA hat die Inflation ein Niveau erreicht, das seit den 1990er Jahren nicht mehr zu beobachten war, und die Fed – und in geringerem Maße die EZB – spielt ein gefährliches Spiel, indem sie den Erfahrungen der Vergangenheit und vieler Schwellenländer wenig Aufmerksamkeit schenkt. Wir erwarten, dass diese Zentralbanken zunehmend vorsichtig und damit restriktiver werden. Dies dürfte bis Ende 2022 zu einer rascheren Konjunkturverlangsamung führen.

Sollte die Inflation in der zweiten Jahreshälfte 2022 schneller als erwartet abnehmen, wird die OPEC+ einen starken Anreiz haben, die Ölproduktion zu drosseln, um ihre Erträge im Vorfeld einer immer grüner werdenden Wirtschaft zu maximieren. Vor diesem Hintergrund ist es möglich, dass der Markt ESG-Investitionen schnell beschleunigen wird und einen weniger starken, dafür aber längeren Wachstumspfad betritt.

Eine fortgesetzte Rally

In einem solchen Umfeld, in dem sich viel Liquidität durch das System bewegt, ein ordentliches Wachstum vorliegt und die Zentralbanken die Inflation erst verspätet unter Kontrolle zu bringen versuchen, dürften wir eine anhaltende Rally bei populären Stilen wie Growth und Quality sehen, aber auch bei der Suche nach Credit und schließlich Duration. Ein längeres, aber geringeres Wachstum dürfte letztendlich eine Bremse für den Growth- und teilweise für den Quality-Stil sein – insbesondere, wenn Unternehmen schließlich beginnen, bei den Preisen zu konkurrieren, um Marktanteile zu gewinnen. Dazu werden sie voraussichtlich durch den ständig steigenden regulatorischen Druck ermutigt werden, den wir Ende 2022 sehen dürften.

 Was bedeutet das für Anleger?

In einem Umfeld, in dem die Angst vor steigender Inflation angesichts hoher Liquidität immer weiter sinkt, geht der Trend in Richtung nordamerikanische Aktien sowie Growth- und Quality-Stile. Doch dahinter stecken gewaltige Kräfte, die sich stetig verschieben, da ESG-Lösungen immer mehr in den Vordergrund drängen und sich zunehmend abzeichnet, wer die Gewinner und wer die Verlierer sind. Das macht unserer Ansicht nach eine angemessene Analyse von Trends und Sektoren sowie eine intelligente Diversifizierung über verschiedene Stile hinweg nötig, wie dies mit flexiblen Lösungen möglich ist.

Bis Ende 2022 dürften die Aktienmärkte einige Turbulenzen erleben, weshalb es sich empfiehlt, langfristige US-Staatsanleihen als teilweise Absicherung zu halten. In dieser Phase der starken Streuung dürften wir zahlreiche Verschiebungen und, daraus resultierend, enorme Chancen sehen, da einige fundamentale Kräfte sich rasch durchsetzen sollten. Dazu gehören erstens der Klimawandel und die Notwendigkeit von nachhaltigen Investments und zweitens die Erneuerung der alten Wirtschaft durch neue Unternehmen und Innovationen, da alte Sektoren sich nur schwer anpassen lassen und einige dominierende Unternehmen unter starken Regulierungsdruck geraten dürften. Drittens wird sich bei Hochzins- und Finanztiteln wahrscheinlich eine großartige, aber rasch vorübergehende Kaufgelegenheit bieten, da sich der Markt schnell auf eine Welt konzentrieren wird, in der festverzinsliche Wertpapiere stärker nachgefragt sind.

 

 

Über Nordea Asset Management:

Nordea Asset Management (NAM) gehört mit einem verwalteten Vermögen von 281 Mrd. Euro* zur Nordea Gruppe, dem größten Finanzdienstleister in der nordischen Region (verwaltetes Vermögen 393 Mrd. Euro*). NAM bietet europäischen sowie globalen Investoren eine breite Palette von Investmentfonds an. Wir betreuen eine große Anzahl an Kunden und Vertriebspartnern wie Banken, Vermögensverwalter, unabhängige Finanzberater und Versicherungsunternehmen.

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*Quelle: Nordea Investment Funds S.A., 30.09.2021

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