Mittelflüsse im europäischen Anleihesegment im ersten Quartal durch politisches Risiko bestimmt
28. Mar 2017 1192 Views

Mittelflüsse im europäischen Anleihesegment im ersten Quartal durch politisches Risiko bestimmt

  • Die kumulierten Mittelflüsse der letzten drei Monate (einschließlich Februar 2017) zeigen bemerkenswerte regionale Unterschiede, die teilweise die diesjährige politische Risikolage widerspiegeln.
  • Die europäischen Anleihefonds verzeichneten, mit Ausnahme des europäischen Hochzinssegments, über alle Klassen hinweg über einen gleitenden Dreimonatszeitraum Mittelabflüsse. US-Anleihefonds entwickelten sich weniger schwach als ihre europäischen Pendants. Das bestätigt uns in unserer relativen Vorliebe für hochwertige US-Anleihen gegenüber europäischen Anleihen. Während die Abflüsse aus US-Staatsanleihen minimal blieben, verzeichneten Unternehmensanleihen Anfang 2017 sogar Zuflüsse, was vermutlich an dem seit Jahresbeginn allgemein risikofreundlichen Umfeld liegt.
  • Durch den sinkenden US-Dollar und positive makrowirtschaftliche Überraschungen sind Schwellenländeranleihefonds wieder beliebter geworden. Nach Abflüssen Ende 2016 verzeichneten sie Anfang dieses Jahres wieder Zuflüsse. Insofern reflektierten die Anleihemärkte weitgehend denselben Stimmungsumschwung bei Investoren wie Aktien auf einer regionalen Ebene.
Witold Bahrke, Senior Strategist bei Nordea Asset Management

Witold Bahrke, Senior Strategist bei Nordea Asset Management

Kurzlebiger Reflationshandel?

„Grundsätzlich ist der viel zitierte Reflationshandel an den Mittelflüssen nicht ablesbar“, sagt Witold Bahrke, Senior Macro Strategist bei Nordea Asset Management. „Die Zuflüsse in europäische und US-amerikanische inflationsgeschützte Anleihen haben sich netto sogar verlangsamt und sind mittlerweile leicht negativ. Das widerspricht dem immer wieder bemühten Reflationsnarrativ. Zudem scheinen keine Belege für eine zunehmende Umschichtung aus Anleihen vorzuliegen. Insgesamt erlitten Anleihen nur im November 2016, zum Höhepunkt des Reflationsrummels, netto negative Mittelflüsse, während sie danach wieder in den positiven Bereich zurückkehrten. Wie die Abbildung im angehängten PDF zeigt, hat die Chance eines Wahlsiegs von Le Pen die Entwicklung europäischer Staatsanleihen deutlich beeinflusst. Sofern die Wahrscheinlichkeit eines Le Pen-Siegs nicht deutlich sinkt, ist in Europa mit einiger Volatilität der Zu- und Abflüsse zu rechnen, wobei die Abflüsse tendenziell dominieren dürften. Im Staatsanleihesegment favorisieren wir daher die USA gegenüber Europa. Ohne extreme politische Entwicklungen erwarten wir in Europa jedoch keine Katastrophe an den Anleihemärkten.“

Die Datengrundlage unserer Analyse sind – sofern nicht anderweitig angegeben – die von Morningstar geschätzten monatlichen Nettomittelflüsse für alle offenen, in Europa ansässigen Fonds. Die Daten wurden von Morningstar am 21.3.2017 bereitgestellt. Da es sich hierbei um Schätzungen der Mittelflüsse handelt, sind künftige Änderungen nicht ausgeschlossen.

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