Was die Märkte aktuell bewegt

Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, erklärt, worauf sich Investoren in den kommenden Wochen und Monaten einstellen sollten: Geduld beim nächsten US-Konjunkturpaket, positive Überraschungen in der US-Gewinnsaison im dritten Quartal und chinesische Interventionen gegen eine Aufwertung des Renminbi.

Das nächste US-Konjunkturpaket dürfte sich verzögern

Das Weiße Haus erhöhte seinen Vorschlag für ein Fiskalpaket von 1,6 Billionen auf 1,8 Billionen US-Dollar, blieb damit aber immer noch unter den 2,2 Billionen US-Dollar der Demokraten, die den Vorschlag unter der Führung von Nancy Pelosi ablehnten. Selbst in seinem eigenen republikanischen Lager versagten einige Vertreter des Repräsentantenhauses und des Senats Präsident Donald Trump die Unterstützung, da sie keine höhere Summe befürworteten und andere Meinungen in Fragen wie der Finanzierung durch Staat und Städte vertraten. In den Umfragen deutlich im Rückstand, fehlt Präsident Trump das politische Kapital, um die Republikaner im Senat hinter sich zu bringen, was für eine Einigung von entscheidender Bedeutung wäre.

Was bedeutet das für Investoren?

Die Entscheidung über das aktuelle Finanzpaket muss möglicherweise bis Januar warten, und wird auch dann davon abhängen, ob die Demokraten den Senat dominieren. Das ist an sich keine Überraschung, und das Paket könnte letztendlich größer als 2,2 Billionen US-Dollar ausfallen.

Leichter Optimismus für US-Gewinnsaison im dritten Quartal

Aus unserer Sicht dürften die aggressiven Maßnahmen, die die US-Notenbank Federal Reserve und die Europäische Zentralbank zur Bewältigung der aktuellen wirtschaftlichen Krise ergriffen haben, im zweiten Quartal des kommenden Jahres zu einer Erholung führen, die über das derzeit erwartete Maß hinausgeht. Es ist so viel Liquidität vorhanden, die zum Teil sehr zielgerichtet eingesetzt wird, dass dies sehr wahrscheinlich ist. Die Unternehmensgewinne sollten sich dann von ihren ungewöhnlich niedrigen Niveaus erholen. Die Analysten hatten diesmal ihre Prognosen aggressiv nach unten korrigiert, was nun zu positiven Überraschungen führen sollte.

Diese Q3-Gewinnsaison ist eine Möglichkeit, die Spreu vom Weizen zu trennen, um zu sehen, welche Unternehmen die Krise am besten bewältigen und ihre Cash- und Kreditlinien gut managen. Beispielsweise sind die meisten Nicht-Basiskonsumgüter-Firmen in ihren Prognosen eher verhalten, tatsächlich schneiden sie aber bei den Gewinnen häufig besser ab als erwartet. Bemerkenswert ist, dass der Energie- und Industriesektor den bei weitem größten Rückgang des Gewinnwachstums zu verzeichnen hat. Das verdeutlicht, dass sich die Wirtschaft je nach Sektor weiterhin unterschiedlich schnell entwickelt.

Was bedeutet das für Investoren?

Wir sollten in den kommenden Quartalen einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, der sich über alle Branchen erstreckt, obwohl Maßnahmen zur Eindämmung des Virus wahrscheinlich einen Dämpfer setzen und Konkurse beschleunigen werden. Somit bleibt die Analyse von Bilanzen und Daten von größter Bedeutung, sowohl was die Risiken als auch die Chancen anbetrifft. Das haben kürzlich einige positive Überraschungen bei den Nicht-Basiskonsumgütern gezeigt.

China geht gegen die Aufwertung des Renminbi vor

Die chinesische Regierung hat ihre Maßnahmen zum Handel mit Renminbi auf dem Terminmarkt gelockert, indem sie Zwangssicherheiten abgeschafft und den Währungsteilnehmern damit eine Möglichkeit gegeben hat, den Renminbi zu schwächen. Diese Maßnahme findet inmitten eines anhaltenden Stroms ausländischer Investitionen nach China statt, der durch einen stabilen oder aufwertenden Renminbi gefördert wird.

Was bedeutet das für Investoren?

Dieser Schritt Chinas hatte begrenzte Wirkung auf den Renminbi und schmälert unsere These nicht: Wir konzentrieren uns weiterhin auf Chinas wirtschaftlichen Aufschwung, der sich auf den asiatisch-pazifischen Raum ausweiten dürfte, sowie auf Chinas Mittelschicht und den IT-Sektor.

 

Anmerkung: Dies ist eine makroökonomische Ansicht von NAM, nicht die offizielle Ansicht von Nordea.

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